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AfD-Parteitag: AfD auf Siegeskurs – „Wir sind die neue Volkspartei“ Auf dem Parteitag setzt die AfD auf Harmonie – und Angriffe auf die CDU. Der Spitzenkandidat für Sachsen-Anhalt wird bereits wie ein Wahlsieger gefeiert.

Leila Al-Serori, Dietmar Neuerer 04.07.2026 - 12:49 Uhr Artikel anhörenAfD-Chefs Chrupalla und Weidel: „Erfolgsduo“ zeigt sich am Parteitag siegessicher. Foto: REUTERSErfurt. Im ICE nach Erfurt werden eifrig Handynachrichten der ersten Proteste besprochen. „Schon ein Pfefferspray-Angriff“, ruft eine junge Frau aufgeregt durch den Waggon, auf der Kappe prangt ein „Fuck AfD“-Sticker. Sie ist mit Dutzenden weiteren Demonstranten auf dem Weg zum AfD-Parteitag, Tausende sind bereits dort, Ziel ist die Blockade der Veranstaltung.Doch dazu kommt es nicht. Ein paar Kilometer weiter sind schon mehr als 500 AfD-Delegierte längst in der Messehalle angekommen. Schon im Morgengrauen reisten die ersten an, Stunden vor dem offiziellen Beginn. Die Parteispitze übernachtete sogar auf dem Gelände. Ein Großaufgebot der Polizei sperrte das Areal großflächig ab. Wer akkreditiert ist, muss mehrere Checkpoints passieren und wird auf den letzten Metern von Polizisten zum Eingang eskortiert.„Der frühe Vogel fängt den Wurm, die Randalierer von der Antifa haben ihr eigenes Störmanöver verschlafen“, erklärt Parteichef Tino Chrupalla in seiner Eröffnungsrede. „Wir können hier pünktlich starten, das erste Mal überhaupt.“Großeinsatz der Polizei: Mehrere Zehntausend Menschen demonstrierten weitgehend friedlich gegen die AfD. Foto: IMAGO/Anadolu AgencyAber nicht nur in Erfurt läuft alles wie am Schnürchen für die Partei. In bundesweiten Umfragen liegt die AfD deutlich vorn, in Sachsen-Anhalt, wo Anfang September gewählt wird, steht sie bei etwa 40 Prozent, könnte also auf eine Alleinregierung zusteuern. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund wird in der Halle wie ein Popstar begrüßt. Immer wenn die Sprache auf die entscheidende Landtagswahl kommt, bricht lauter Applaus los.Dementsprechend siegessicher zeigt sich die Partei. „Wir haben uns von den Einschüchterungsversuchen gegen die AfD nicht einschüchtern lassen“, ruft Parteichefin Alice Weidel den Delegierten zu. Während die Konkurrenz von links bis zur Union alles darangesetzt habe, die AfD zu bekämpfen, habe man sich auf den eigenen Weg konzentriert. „Wir werden immer stärker und größer.“Der politische Kampf habe sich ausgezahlt, aber die Partei brauche weiterhin „einen langen Atem“. „Die CDU macht Politik gegen die Deutschen, wir sind die neue Volkspartei“, so Weidel. Die Gegner der AfD würden noch ein „blaues Wunder erleben“.Die sonst übliche Kritik an der Migrations- und Flüchtlingspolitik der Bundesregierung bleibt aus, stattdessen wird die eigene Regierungsfähigkeit betont. Man sei bereit, Verantwortung zu übernehmen, aller „Ausgrenzungsversuche“ zum Trotz. „Lassen Sie uns die Fahne hochhalten gegen die Brandmauer“, ruft sie den Delegierten zu. Die Farben Schwarz und Gold stünden nicht nur für die AfD, sondern für das ganze Land.Parteichefin Weidel während ihrer Rede: Kritisierte den Verfassungsschutz besonders scharf. Foto: REUTERSWeidel versichert, die AfD würde im Sinne der Bevölkerung handeln, das Land brauche einen Neustart, die AfD wolle die Bundesrepublik wieder in „schwarz-rot-gold tauchen“. Die Delegierten reagieren begeistert und schwenken Deutschland-Fahnen. Weidel setzt nach: „Wir wollen, nein, wir müssen die falsche Politik in Deutschland verändern.“Viele Menschen machten sich Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder, stellt Weidel fest, und sie betont: „Wir kämpfen für ein Deutschland, in dem Rechtsstaat und Demokratie wiederhergestellt werden. Für ein Land, in dem Politik mit den Menschen gemacht wird – und nicht über ihre Köpfe hinweg.“Besonders scharf kritisiert Weidel den Verfassungsschutz, der genutzt worden sei, „um die Opposition systematisch zu bekämpfen“. Die AfD habe diesen Abwehrkampf jedoch erfolgreich geführt, zuletzt mit einem wichtigen Gerichtserfolg in Köln. Weidel spielt damit auf die Einstufung der Partei als gesichert rechtsextremistisch an. Dagegen klagte die AfD und bekam im Eilverfahren recht. Ein Urteil im Hauptsacheverfahren steht noch aus. Mehrere Landesverbände, unter anderem die in Thüringen und Sachsen-Anhalt, sind als gesichert rechtsextrem eingestuft.AfD-Machtkampf: Höckes Antrag abgeräumtCo-Chef Chrupalla sagt, die Doppelspitze mit Weidel sei ein „Erfolgsduo, wie die es deutsche Politik selten gesehen hat“. Chrupalla stellt den Bundesparteitag als Signal der Geschlossenheit und des Aufbruchs dar. Er appelliert mehrfach an den Zusammenhalt der Partei. Die AfD müsse, so die Botschaft, „ein Herz und eine Seele“ sein, wenn sie ihre politischen Ziele erreichen und das Vertrauen der Wähler weiter ausbauen wolle. Interne Geschlossenheit sei die Voraussetzung dafür, Verantwortung übernehmen zu können. „Wir sind einig wie nie zuvor“, so Chrupalla.Aber so einig läuft es auch in der AfD hinter den Kulissen nicht. Im Vorfeld wurde von Machtkämpfen berichtet. Auch zwischen Chrupalla und Weidel soll es nicht mehr so harmonisch zugehen. In der Wahl für den Bundesvorstand dürften beide zwar im Amt bestätigt werden. Offen ist jedoch, wer neben ihnen Teil des neuen Bundesvorstands sein wird und welche Strömungen dominieren werden. Vor allem geht es um den Einfluss des rechtsextremen Thüringer Landeschefs Björn Höcke in der Bundespartei.Ein Antrag Höckes zur sogenannten Unvereinbarkeitsliste der Partei sorgte für gehörigen Wirbel im Vorfeld. Mit dieser Liste grenzt die Partei bislang bestimmte Organisationen aus, deren Mitglieder nicht zugleich AfD-Mitglieder sein sollen. Höcke und weitere Antragsteller wollen die Liste grundlegend überarbeiten. Kritiker sehen darin faktisch den Versuch, die AfD noch stärker für Personen aus dem rechtsextremen Spektrum zu öffnen.Der Plan Höckes scheitert jedoch. AfD-Chefin Weidel räumt den Antrag als mögliches Konfliktthema auf dem Parteitag mit einem Satz von der Tagesordnung ab: „Der neue Bundesvorstand wird sich der Liste annehmen und innerhalb eines Jahres überarbeiten.“ Damit macht Weidel klar, dass sich die Parteispitze von Höcke nicht die Agenda bestimmen lässt. Dass die Liste überarbeitet werden muss, ist Konsens in der Partei. Teilweise werden dort Organisationen genannt, die es nicht mehr gibt.In seinem Grußwort ließ sich Höcke eine mögliche Enttäuschung aber nicht anmerken.Björn Höcke, Vorsitzender der AfD in Thüringen: „Die Brandmauer hat es uns großgemacht.“ Foto: Sebastian Kahnert/dpaDer Wortführer des völkischen Flügels in der Partei nutzt die Gelegenheit vielmehr für eine kämpferische Rede. Höcke positioniert die AfD als stärkste politische Kraft Deutschlands und wirft den etablierten Parteien vor, das Land ideologisch und finanziell ruiniert zu haben. Verwandte Themen AfDAlice WeidelDeutschlandSachsen-AnhaltBerlinCDUHöcke skizziert seine Vision eines „großartigen Deutschlands“. Er sehe die AfD auf der „Siegerstraße der Geschichte“, während die Gegner draußen vor der Halle stünden. Drinnen herrschten „Fröhlichkeit und Patriotismus, draußen Hass und Hetze“, sagt er mit Blick auf die Demonstranten am Rande des Messegeländes.„Sogar im grün-rot-versifften Berlin sind wir auf dem Weg zur Nummer eins“, sagt Höcke unter lautem Applaus mit Blick auf die Umfragen für die Wahlen in Berlin im September. „Die Brandmauer hat uns groß gemacht.“ Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige FREITAG® Immobilien FREITAG® Immobilien – Ihr Makler und Gutachter für München & Starnberg Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! Anzeige STELLENMARKT Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden Anzeige Expertentesten.de Produktvergleich - schnell zum besten Produkt