Die Reformen der Bundesregierung zu kritisieren, das ist, als würde man einem Artisten, der eh schon mit 38 Bällen jongliert, noch einen Amboss zuwerfen. Das will natürlich keiner. Entsprechend milde bewerten die sonst nicht für das Milde zuständigen Medien die Reformpakete von Schwarz-Rot. Die Süddeutsche Zeitung etwa schreibt: »Dass die Parteichefs nach Monaten des Missvergnügens nun im Garten des Kanzleramts stehen und nach einem gut vorbereiteten Koalitionsausschuss faktisch alle sagen, wir haben verstanden, ist ein Wert an sich.« Vorbereitet, im Garten, verstanden haben, Wert an sich. Man könnte auch sagen: Die Regierung regiert, was für eine Erleichterung! Und der Kollege Roland Nelles vom Spiegel hat eigens ein Video aufgenommen, in dem er über das schwarz-rote Reformpaket so achtsam spricht, wie man in alten Tagen der ZEIT nachsagte. Was ist denn da los?