Wochenlang klingeln Antifaschist:innen an Haustüren, bevor die AfD ihren Parteitag in Erfurt abhält. Die Frage: Was halten Sie von der AfD?
E ine grimmige Bulldogge, daneben der Spruch: „Überleg, ob du mich wirklich wecken willst.“ Lola Mehring tritt auf die Fußmatte mit diesem Motiv, klingelt, tritt zurück und wartet. Ein Klicken, die Tür öffnet sich ein Stück, ein hagerer Mann mit Kaffeetasse öffnet. „Hi, wir sind Lola und Michel und wir führen gerade Nachbarschaftsgespräche. Sie haben sicherlich mitbekommen, dass am 4. Juli die AfD ihren Parteitag hier in Erfurt abhalten möchte. Was halten Sie davon?“
Der Mann schaut die beiden verständnislos an. Blickt auf die Tasse in seiner Hand. Dann wieder auf die zwei Menschen in seinem Hausflur. „Ah ja, ich weiß, wer ihr seid“, sagt er dann. „Super Sache, aber dafür habe ich gerade keine Zeit.“ Er drückt die Tür zu. Wieder kein Glück.
Lola Mehring und Michel Schlichtenberger führen antifaschistische Haustürgespräche. Heute, am 6. Juni, haben sie und circa 40 andere Aktivist*innen sich das Ziel gesetzt, die 10.000-Türen-Marke zu knacken. Bis zum Parteitag wollen sie 60.000, also die Mehrheit der Erfurter Haushalte, besuchen. In der Löbervorstadt sind ihre Hauptgegner Zeit und Desinteresse. Die Bewohner*innen der Jugendstilhäuser, mit Familienautos auf dem Parkplatz und Kinderwägen im Hausflur, haben bei der letzten Kommunalwahl mehrheitlich CDU gewählt, die AfD liegt hier hinter der SPD. Viele Anwohner*innen sind sich einig, dass etwas gegen die AfD unternommen werden müsste. Sie reden mit ihren Nachbarn und Freund*innen darüber, nur um bei der nächsten Wahl den blauen Balken wieder wachsen zu sehen.















