Effizient, abgezockt, reif: Nach dem starken Auftritt gegen Algerien dürfen die Schweizer Fussballer vom WM-Viertelfinal träumenDas Team von Murat Yakin zeigt beim 2:0 im Sechzehntelfinal seine ganze Klasse und Erfahrung – so könnte es an der WM weit gehen. Und selbst der Bundespräsident Guy Parmelin hat in Vancouver einen starken Auftritt.03.07.2026, 15.22 Uhr4 LeseminutenIst gegen Algerien einer der Besten im Schweizer Kollektiv: der Rechtsverteidiger Denis Zakaria.Bob Frid / EPADächlikappen haben etwas Ulkiges. Bedecken sie zudem noch die Häupter politischer Würdenträger, wirkt das nicht selten unfreiwillig komisch. Trotzdem ging der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin das modische Wagnis ein und trug am Donnerstagabend in Vancouver eine rote Mütze mit der Aufschrift «Switzerland – Great since 1291».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Zum einen war Parmelins Botschaft natürlich eine Parodie auf Donald Trumps berühmten Slogan «Make America Great Again». Zum anderen verdeutlichte der Bundesrat mit seiner Unterstützung des Schweizer Nationalteams vor Ort, dass sich geschäftliche und repräsentative Aufgaben durchaus miteinander verbinden lassen. Trump wiederum hat bisher noch kein einziges Spiel des amerikanischen Nationalteams im Stadion verfolgt.Auch Parmelin hat dieser Tage geschäftlich zu tun, er trifft sich in den USA, Kanada und Mexiko mit Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft. Aber einen Besuch beim WM-Sechzehntelfinal der Schweizer gegen Algerien – das liess er sich nicht nehmen. Mehr noch: Er spannte Trump für einen Abend sogar dessen Buddy aus: Parmelin setzte sich in der Loge neben den Fifa-Präsidenten Gianni Infantino, der sich ob der Mütze des Schweizer Bundesrats köstlich amüsierte.Und was die beiden, der Romand und der Walliser, da im BC-Place-Stadion zu sehen bekamen, war tatsächlich ziemlich «great». Mit der Jahreszahl 1291 kann es das Nationalteam zwar nicht ganz aufnehmen, aber zeitgeschichtlich Bedeutsames hat es am Donnerstagabend allemal geleistet: Das 2:0 gegen Algerien bedeutete den ersten Sieg der Schweiz in einem K.-o.-Spiel an einer WM seit 1938.Drei Schweizer WM-Siege nacheinander hat es bisher ebenfalls noch nie gegeben. Und dann ist da auch noch Granit Xhakas Meilenstein: Der Schweizer Captain absolvierte gegen Algerien sein 150. Länderspiel – er befindet sich nun auf einer Stufe mit dem Deutschen Lothar Matthäus.Erscheint mit roter Dächlikappe mit provokativer Aufschrift zum WM-Sechzehntelfinal der Schweizer in Vancouver: der Bundespräsident Guy Parmelin.Agustin Marcarian / ReutersZwei Tore zum besten ZeitpunktBeeindruckender als die blossen Zahlen war indes die Art und Weise, wie die Schweizer das Duell gegen die spielstarken Algerier für sich entschieden. Murat Yakins Team war effizient, abgezockt, reif.Effizient, weil es – im Gegensatz zur Auftaktpartie gegen Katar – aus wenigen Torchancen sehr viel machte. Wobei die beiden Tore der Schweiz zu den bestmöglichen Zeitpunkten fielen. Das 1:0 besorgte Breel Embolo in der 10. Minute nach einem irrwitzigen Dribbling des Schweizer Shootingstars Johan Manzambi, der zu einer immer grösseren Figur dieses WM-Turniers avanciert. Drei Tore und zwei Assists sammelte er bereits.Dieses Tor fiel nach einer Startphase, in der die Schweizer dem algerischen Kurzpassspiel wenig entgegenzusetzen hatten und immer einen Schritt zu spät kamen. Der Coach Murat Yakin sagte hinterher: «Manzambi half dem Team in einem wichtigen Moment, als wir sehr viel defensiv arbeiten mussten und gelitten haben.»Mit dem Führungstor brachen die Schweizer den Elan der Algerier. Weil sie schafften, was Embolo an der Pressekonferenz vor dem Spiel gefordert hatte: «Es ist wichtig, ihnen die Lust am Fussball wegzunehmen. Sie haben viele Spieler mit Weltklasse-Anlagen, aber sie sind launisch.»Definitiv verdorben haben die Schweizer den Algeriern die Laune dann mit ihrem zweiten Goal. Dan Ndoye traf 46 Sekunden nach dem Seitenwechsel. Damit war der Glaube der «Wüstenfüchse», noch einmal ins Spiel zurückzufinden, jäh gebrochen. Auf den Punkt parat sein, wenn es zählt: Yakins Equipe beherrscht das mittlerweile wie kaum ein anderes Team. Im letzten Gruppenspiel gegen Kanada hatte Rubén Vargas bereits 39 Sekunden nach Wiederanpfiff getroffen.Abgezockt war die Leistung der Schweizer, weil sie dieses Mal nach der Führung den Ball klug monopolisierten und so das Geschehen jederzeit kontrollierten. Hatte Yakins Team gegen Katar und Kanada in der Schlussphase jeweils noch die Souveränität verloren, spielte es nun gegen Algerien seine ganze Erfahrung und Klasse aus.In der zweiten Halbzeit verzeichneten die Nordafrikaner einen einzigen Torschuss – das sagt eigentlich schon alles über die Abgeklärtheit der Schweizer in diesem Spiel. In den Partien zuvor hatten sie diese zuweilen noch vermissen lassen. Doch nun, da es in der K.-o.-Phase ernst gilt, wirkt Yakins Mannschaft wieder so gefestigt wie in der WM-Qualifikation im Herbst, als sie in sechs Partien bloss zwei Tore zuliess.Doch von wegen Abgebrühtheit: Das vielleicht stärkste Indiz für die Reife dieser Mannschaft war Granit Xhakas Diskretion in dessen 150. Länderspiel. Das Schweizer Kollektiv ist mittlerweile so ausgewogen und balanciert, dass der Captain auch einmal unauffällig seine Aufgabe verrichten kann.Oder dass Murat Yakin in vier Spielen drei verschiedene Rechtsverteidiger nominieren kann – und alle funktionieren. Wobei Denis Zakarias Leistung am Donnerstagabend doch herausstach: Er gewann nicht nur fast jeden Zweikampf, sondern schaltete sich immer wieder in die Angriffe der Schweizer ein. Und er stand an diesem Abend sinnbildlich für die Hartnäckigkeit, die diese Mannschaft mittlerweile eben auch auszeichnet: Vor dem 2:0 setzte er mehrmals nach, unerbittlich. Eroberte den Ball zurück, provozierte den Fehler des Gegners, der den Abschluss Ndoyes überhaupt erst ermöglichte.Petkovic traut der Schweiz viel zuDer überzeugende, diskussionslose Sieg im WM-Sechzehntelfinal dürfte den Schweizer Fussballern viel Selbstvertrauen im Hinblick auf den Achtelfinal geben, der am Dienstag wiederum im BC-Place-Stadion in Vancouver stattfinden wird (22 Uhr MESZ). Der Gegner wird dann Kolumbien oder Ghana heissen.Aber eines ist jetzt schon klar: In dieser Verfassung darf die Equipe von Murat Yakin davon träumen, erstmals den WM-Viertelfinal zu erreichen. Der algerische Trainer Vladimir Petkovic, Yakins Vorgänger, zollte den Schweizern höchsten Respekt für ihre Leistung. Er sagte nach dem Spiel: «Die Schweizer haben heute ihre grossen Qualitäten gezeigt. Ich bin überzeugt dass sie auch im nächsten Spiel Favorit sein werden.» Klingt «great», würde Guy Parmelin wohl dazu sagen.Passend zum Artikel