Die neuesten EntwicklungenHantavirus: Weltgesundheitsorganisation erklärt Ausbruch für beendetWährend einer Kreuzfahrt haben sich mehrere Personen mit einer schweren Atemwegserkrankung infiziert. Drei von ihnen starben. Mehrere Passagiere wurden in Spitälern betreut.NZZ-Redaktion02.07.2026, 15.55 Uhr7 LeseminutenDas Kreuzfahrtschiff «Hondius» ist am Montag in die Niederlanden zurückgekehrt und hat am Hafen in Rotterdam angelegt.ReutersOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die neuesten EntwicklungenDie Weltgesundheitsorganisation hat am Donnerstag (2. 7) den mit dem Kreuzfahrtschiff «Hondius» in Verbindung stehenden Hantavirus-Ausbruch für beendet erklärt. Die letzte identifizierte Kontaktperson einer infizierten Person hatte ihre Quarantäne zuvor beendet und war negativ auf das Virus getestet worden. Insgesamt wurden bei dem Ausbruch 13 Personen infiziert, drei davon starben an dem Virus.Das Kreuzfahrtschiff, auf dem vor rund sieben Wochen des Hantavirus ausbrach, ist in die Niederlande zurückgekehrt. Laut einem Reporter der Deutschen Presse-Agentur machte das Schiff am Montag (18. 5.) im Hafen von Rotterdam fest. An Bord waren nach Angaben der Reederei eine Restbesatzung von 25 Seeleuten sowie ein Arzt und eine Pflegekraft, bei denen bisher keine Symptome einer Hantavirus-Infektion festgestellt wurden. Auch die Leiche der am 3. Mai auf See gestorbenen deutschen Frau wurde nach Rotterdam gebracht, dort eingeäschert und dann ihrer Familie übergeben. Das Schiff wird laut Angaben der Rotterdamer Gesundheitsbehörde gereinigt und desinfiziert.InhaltsverzeichnisWas ist passiert?Was ist das Hantavirus?Wie stecken sich Menschen mit Hantaviren an?Wie haben sich die Patienten auf dem Kreuzfahrtschiff «Hondius» infiziert?Wie kann man den Ansteckungspfad herausfinden?Was ist passiert?Auf dem Kreuzfahrtschiff «Hondius», das am 1. April in Argentinien gestartet war, ist das seltene, von Mensch zu Mensch übertragbare Andes-Hantavirus ausgebrochen. Die ersten Fälle bestätigte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 4. Mai. Bislang gibt es drei Todesopfer und mehrere Infizierte. Ein Infizierter wird in Zürich behandelt, eine Kontaktperson einer Verstorbenen in Düsseldorf. Die Behörden suchen weltweit nach mehreren Dutzend Passagieren, die das Schiff am 24. April auf St. Helena verlassen hatten, sowie Kontaktpersonen, um weitere Infektionsketten zu unterbinden. Die WHO bezeichnet den Ausbruch als «ernste Lage», stuft das Gesundheitsrisiko für die Öffentlichkeit aber als gering ein.Was ist das Hantavirus?Es gibt weltweit mindestens zwanzig verschiedene Varianten. Manche kommen nur in Europa und Asien, andere in Amerika vor. Alle vermehren sich in Nagetieren, vorwiegend Mäusen und Ratten. Die Tiere werden nicht krank, scheiden aber Viren mit Kot, Speichel oder Urin aus.Wie stecken sich Menschen mit Hantaviren an?Das ist über vier Wege möglich. Am grössten ist das Risiko, wenn jemand mit getrockneten Ausscheidungen von infizierten Nagetieren in Kontakt kommt. Ausgeschiedene Viren bleiben mehrere Wochen infektiös. Wenn also jemand Garage, Speicher oder Lebensmittellager aufräumt und dabei viel Staub und allfälligen Mäusekot aufwirbelt, kann er sich durch Einatmen der Viren anstecken.Zweitens kann eine Person sich anstecken, wenn sie von einem infizierten Tier gebissen wird.Drittens ist es möglich, dass Mäuse und Ratten Lebensmittel verunreinigen. Isst jemand diese roh, kann er sich infizieren.Der vierte Weg einer Ansteckung ist der seltenste: Man steckt sich bei einer bereits erkrankten Person mit dem Hantavirus an. Eine solche Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist allerdings nur beim Andesvirus möglich. Dieses kommt in Südamerika vor.Für alle Wege gilt: Nur eine grosse Menge von Viren löst eine Infektion aus. Eine Infektion mit einem Hantavirus ist also eine Zoonose. Hantaviren gelten nicht als potenzielle Pandemieerreger.Das Erbgut des Hantavirus eines Schweizer Infizierten liefert keine Hinweise darauf, dass der auf dem Schiff zirkulierende Erreger leichter von Mensch zu Mensch übertragbar ist als frühere Varianten. Das Virusgenom wurde von einem Genfer und einem Zürcher Labor zusammen entschlüsselt und am Freitag (8. 5.) auf der wissenschaftlichen Plattform Virological veröffentlicht.Wie haben sich die Patienten auf dem Kreuzfahrtschiff «Hondius» infiziert?Wo sich die Menschen mit dem Virus infiziert haben, ist noch immer unklar. Ein niederländisches Paar, das an der Hantavirus-Infektion starb, war nach Angaben des Gesundheitsministeriums der argentinischen Provinz Tierra del Fuego nach einer monatelangen Reise durch ganz Argentinien, Chile und Uruguay am 29. März in der Provinzhauptstadt Ushuaia eingetroffen und hatte sich am 1. April auf der «Hondius» eingeschifft. Nach Einschätzung der örtlichen Behörden liegt der Ursprung des Hantavirus-Ausbruchs aber nicht in Tierra del Fuego. «Die Wahrscheinlichkeit, dass die Ansteckung hier erfolgte, liegt praktisch bei null», sagte der Direktor für Epidemiologie im Gesundheitsministerium der Provinz im äussersten Süden des Landes, Juan Petrina Samstag (9. 5.). Bereits am 6. April hätten die beiden erste Symptome gezeigt, die Inkubationszeit des Hantavirus betrage allerdings mindestens zwei bis drei Wochen.Wie Die WHO vermutet, dass sich der erste Patient irgendwo an Land angesteckt hat, entweder vor der Abreise oder bei einem Landausflug unterwegs. Noch ist nicht bekannt, wer der erste Patient war. Es dauert zwischen zwei und acht Wochen, bis eine Hantavirusinfektion sichtbar wird.Da mehrere Passagiere gemäss den Laboranalysen das Andesvirus aufweisen, ist es wahrscheinlich, dass auf dem Schiff genau dieses Virus zirkuliert. Somit ist anzunehmen, dass der erste Infizierte weitere Personen auf dem Schiff angesteckt hat. Allerdings sind für diese Mensch-zu-Mensch-Übertragung enge körperliche Kontakte wie jene zwischen Paaren oder auch Pflegepersonal und Patienten erforderlich.Denkbar wäre zudem, dass Nagetiere die Vorratsräume des Schiffes als blinde Passagiere geentert haben. Dafür gebe es allerdings keine Hinweise, erklärte die Reederei.Wie kann man den Ansteckungspfad herausfinden?Das ist mühsame Detektivarbeit. Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder müssen intensiv befragt werden: «Wo waren Sie vor der Abreise? Bitte geben Sie alle Orte der letzten acht Wochen an. Wo waren Sie wann auf dem Schiff? Neben wem sassen Sie wann? Was haben Sie bei welchem Landausflug wann und wo gemacht?» Die Patienten oder ihnen nahestehende Personen müssen angeben, wann genau sie erste Symptome bemerkt haben. Zudem werden alle Viren der Patienten isoliert und genetisch untersucht. Ebenso müssen Epidemiologen untersuchen, wie leicht das auf dem Schiff zirkulierende Andesvirus von Mensch zu Mensch übertragbar ist.Gemäss dem Veranstalter Oceanwide Expeditions haben etwa 30 Passagiere das Kreuzfahrtschiff am 24. April auf der Insel St. Helena verlassen. Darunter befand sich auch die Ehefrau des ersten Todesopfers. Sie verstarb später in einem Spital in Südafrika. Behörden in Europa und Afrika versuchen die Betroffenen dieser Gruppe zwecks Quarantänemassnahmen ausfindig zu machen.Wie viele Passagiere sind verstorben?Drei Personen sind bislang ums Leben gekommen: Ein Deutscher starb laut dem Schiffsbetreiber Oceanwide Expeditions am Sonntag (3. 5.); im April war bereits ein niederländisches Ehepaar gestorben – der Mann an Bord und seine 69-jährige Ehefrau in einem Spital in Johannesburg in Südafrika. Das südafrikanische Gesundheitsministerium hat am Mittwoch (6. 5.) mitgeteilt, es sei eine Kontaktverfolgung eingeleitet worden. Die Frau war von der Atlantikinsel St. Helena nach Südafrika geflogen worden, nachdem ihr Mann auf dem Schiff am Virus gestorben war. Neben der Niederländerin sei auch ein infizierter Brite von St. Helena nach Johannesburg geflogen worden. Er werde derzeit auf der Intensivstation behandelt.Was ist über den Passagier bekannt, der derzeit im USZ behandelt wird?Es handelt sich laut BAG um einen Mann, der als Passagier auf dem Kreuzfahrtschiff «Hondius» mitgereist und Ende April in die Schweiz zurückgekehrt ist. Für die Schweizer Bevölkerung bestehe zurzeit keine Gefahr, erklärte die Behörde. Die Behandlung im USZ erfolge unter Sicherheitsvorkehrungen. Die Ehefrau des Patienten habe ihn auf der Reise begleitet. Sie zeige bislang keine Symptome und habe sich sicherheitshalber in Selbstisolation begeben.Bislang ist unklar, wann genau das Ehepaar von Bord gegangen und wie ihre Heimreise verlaufen ist. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf X erklärte, hat sich der Patient im USZ gemeldet, nachdem er von den Betreibern des Kreuzfahrtschiffs per E-Mail über den Gesundheitsvorfall informiert worden war.Swiss authorities have confirmed a case of #hantavirus identified in a passenger from the MV Hondius cruise ship.He had responded to an email from the ship’s operator informing the passengers of the health event, and presented himself to a hospital in Zurich, Switzerland, and… pic.twitter.com/4mmBd7qSA4— World Health Organization (WHO) (@WHO) May 6, 2026