KommentarTräume von einem KI-Staatsfonds: Firmen wie Open AI gehören nicht in öffentliche HandSam Altman möchte 5 Prozent von Open AI freiwillig an den amerikanischen Staat abtreten. Doch die US-Regierung sollte verzichten – und Vertrauen in den Kapitalismus haben.03.07.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenSam Altman will den amerikanischen Staat ins Aktionariat von Open AI holen.Florian Gaertner / ImagoBeim Open-AI-Chef Sam Altman ist es auch schon besser gelaufen. Seine Pläne, das Unternehmen mit einer Billionen-Bewertung an die Börse zu bringen, stocken. Aus Politik und Gesellschaft kommt vermehrt Kritik, dass KI-Firmen wie Open AI übermächtig werden und ihre Produkte Millionen Arbeitsplätze vernichten könnten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Altman will jetzt signalisieren, dass sich sein Unternehmen um das Wohl der Allgemeinheit kümmere. Laut der «Financial Times» hat er der US-Regierung angeboten, freiwillig 5 Prozent von Open AI an den Staat abzutreten. Am liebsten wäre es Altman, wenn auch andere KI-Firmen wie Anthropic Anteile in einen «public wealth fund» abgeben würden. Die Allgemeinheit solle von den Chancen der KI profitieren, meint er.Alte Debatte, neu aufgerolltAltman befeuert damit eine Debatte darüber, ob KI-Firmen in Staatshand gehören. Noch weiter gehen will etwa der linke US-Senator Bernie Sanders. Er möchte die grossen KI-Konzerne gesetzlich dazu zwingen, die Hälfte ihrer Aktien an einen KI-Staatsfonds zu übertragen, dessen Erlöse an die Bürger ausgeschüttet würden. Doch solche Verstaatlichungsphantasien sind gefährlich.Die Debatte ist alt, der Anlass neu. Es geht darum, wie tief der Staat in die Wirtschaft eingreifen soll. Die klassische Antwort lautet: am besten gar nicht. In einer Marktwirtschaft soll sich der Staat um gute Spielregeln kümmern. Seine wichtigste Aufgabe ist es, mit einem griffigen Kartellgesetz dafür zu sorgen, dass keine Firma eine Monopolstellung erlangen und so den Wettbewerb aushebeln kann.Darüber hinaus kann in manchen Branchen, in denen der Wettbewerb nicht richtig spielt oder die Produktsicherheit wichtig ist, eine sektorspezifische Regulierung sinnvoll sein. Die grosse Keule der Verstaatlichung ist für wenige Fälle vorgesehen – etwa für Stromnetze, bei denen es wegen eines natürlichen Monopols keine Konkurrenz gibt.Lebhafter WettbewerbIm KI-Sektor spricht vieles für eine Zurückhaltung des Staates. Der Wettbewerb ist dynamisch und offen. Noch vor einigen Jahren war Open AI mit seinem Produkt Chat-GPT der Platzhirsch. Doch jüngst ist plötzlich Anthropic mit seinem Chatbot Claude an Altman vorbeigezogen. Auch der Suchmaschinenriese Google macht Open AI mit seinen Gemini-Sprachmodellen harte Konkurrenz.Mit im Rennen sind ferner Elon Musk mit xAI oder der Meta-Konzern, zwischendurch sorgen chinesische Anbieter wie Deepseek für Aufsehen. Und niemand weiss, ob die Zukunft vielleicht gar nicht den grossen und teuren Sprachmodellen der US-Anbieter gehört, sondern kleineren und günstigeren Anwendungen von Unternehmen, die man heute noch gar nicht kennt.Wenn der Staat an Firmen beteiligt ist, besteht stets die Gefahr, dass er «seine» Unternehmen bevorzugt. Er ist dann nicht mehr Schiedsrichter, sondern Mitspieler. Die Doppelrolle von Eigentümer und Regulator schadet dem Wettbewerb. Das dürfte auch Altmans tieferer Beweggrund sein für das Angebot einer Staatsbeteiligung. Damit könnte er seine Firma schützen. Wenn der Staat Miteigentümer wäre, würde er Open AI bei geschäftlichem Misserfolg wirklich untergehen lassen? Würde er das Unternehmen bei Gesetzesverstössen hart anfassen? Würde er aufstrebenden Konkurrenten freie Bahn gewähren?Falsche Hoffnungen auf UmverteilungDen Befürwortern eines KI-Staatsfonds wie Bernie Sanders geht es aber noch um etwas anderes. Sie befürchten, dass die grossen Wohlstandsgewinne, die KI-Anwendungen womöglich bringen werden, allein «dem Kapital» – also den Eigentümern der KI-Firmen – zufliessen werden. Millionen von Arbeitnehmern könnten hingegen ihre Jobs verlieren und in die Armut absinken.Ein KI-Staatsfonds wäre aus ihrer Sicht ein Gegenmittel. Die Wohlstandsgewinne kämen zu einem guten Teil der Allgemeinheit zugute. Sie könnten breit unter der Bevölkerung verteilt werden. Der Staatsfonds wäre ein Instrument, um eine wachsende Ungleichheit zu verhindern und die drohende Übermacht einiger KI-Milliardäre zu brechen.Doch auch dieses Argument überzeugt nicht. Die meisten KI-Firmen schreiben bis jetzt keine Gewinne. Im Gegenteil: Sie sind riesige Geldverbrennungsmaschinen. Weil das Training von Sprachmodellen so teuer ist und die Einnahmen zu klein, hat etwa Open AI im vergangenen Jahr wohl einen Verlust von 21 Milliarden Dollar angehäuft. Von daher gibt es wohl für längere Zeit nichts, was ein KI-Staatsfonds an die Bürger verteilen könnte. Vielmehr könnte der Fall eintreten, dass der Staat frisches Kapital aus Steuergeldern einschiessen muss, um KI-Firmen am Leben zu erhalten.Konzentration auf das NötigsteGewiss: Niemand weiss, wie die Welt in fünf oder zehn Jahren aussehen wird. Vielleicht pflügen die KI-Anwendungen die Wirtschaft tatsächlich um, und die erfolgreichsten KI-Firmen werden enorme Gewinne erzielen. Doch auch in diesem Fall ginge der Staat nicht leer aus: Er würde über die normale Körperschaftssteuer auf Unternehmensgewinne viel Geld einnehmen.Die US-Regierung sollte Altmans Angebot widerstehen. Zwar spricht einiges dafür, dass sich die Politik sinnvolle Regulierungen überlegen sollte, wie bei KI-Anwendungen die Sicherheit und der Datenschutz gewährleistet werden können. Doch eine staatliche Miteigentümerschaft an KI-Firmen braucht es nicht. Bisher sind die USA ohne Staatskapitalismus ganz gut gefahren.Passend zum Artikel
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