Wer nach Gründen für das aktuelle Erstarken rechtskonservativer Parteien und Positionen sucht, wird ohne Zweifel bei ihren Kritikern fündig. Erst kürzlich veröffentlichte Claudius Seidl, im Bewusstsein des Besitzes höherer Moral, einen flammenden Appell an den Bundeskanzler, im Kampf gegen rechts eine neue Strategie zu entwickeln. Schluss mit dem Verständnis für Putin-Freunde und Migrationsskeptiker. Rechts der CDU befänden sich nur noch die „Vaterlandsverräter“, so Seidl, deren politisches Programm moralisch, wirtschaftlich und kulturell einer Bankrotterklärung des ganzen Landes gleichkäme.

In der Tat, die öffentlichen Auslassungen eines Höcke oder Kubicek lehren einen wieder das Gruseln, jedoch ist damit nicht erklärt, wieso eine zweifellos rechte Partei bei nunmehr einem Drittel aller Wähler in Deutschland Anklang findet. Es gäbe keinen Grund, rechts zu wählen, so Seidl, es sei denn, man habe die „Zerstörung Deutschlands“ im Sinn.

Politische Quacksalber, die Heilung versprechen

Man kann getrost davon ausgehen, dass diese Auslassungen eines aufgeschreckten Liberalen und ihr völliger Mangel an inhaltlicher Argumentationskraft niemanden davon abhalten werden, Alternativen zum politischen Trauerspiel der Gegenwart zu suchen. Die kritischen Positionen sind sämtlich bekannt. Was dem Mitte-Milieu vorschwebt, ist nichts anderes als eine Rückkehr zu den moralisch unangreifbaren Stellungen der Merkel-Ära und ihrer Ampel-Epigonen.