Dass viele Menschen in Frankfurt auf der Straße leben, zeigt sich zurzeit geballt in einer Parkanlage: Für 100 Personen hat die Feuerwehr Zelte in der Eschersheimer Anlage errichtet, weil ihre bisherige Notschlafstätte kurzfristig aufgelöst worden war.Wer nicht gelegentlich in den Abendstunden an der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor ein- oder ausstieg, hat vielleicht übersehen, dass dort das ganze Jahr über provisorische Schlafgelegenheiten von Leuten ohne Obdach genutzt wurden. Der Frankfurter Verein für soziale Heimstätten betreute zwei unterirdische Lagerplätze, der eine etwas versteckter hinter Stellwänden, der andere offener auf Höhe vorbeifahrender Bahnen mit einem weiteren Blickfeld. Weil es manche Menschen psychisch nicht ertragen, durch kleinere Räume eingeengt zu sein.Jene, die dort öfter vorbeigingen, schildern unterschiedliche Gefühle: Mitleid, Trauer, Hilflosigkeit. Aber auch Widerwillen – wegen des Gestanks, des Drecks und manchmal der Fäkalien. Die Spuren haben jeweils am nächsten Morgen Reinigungskräfte beseitigt. Regelmäßig gelagert haben in der U-Bahn-Station 100, zuletzt bis zu 150 Personen. So viele das sind, es sind noch längst nicht alle, die in Frankfurt kein Dach über dem Kopf haben.Nach der jüngsten Zählung der Stadt sind es 254 Menschen, die in Frankfurt auf der Straße schlafen. Aus finanzieller oder psychischer Not, einige auch aus freien Stücken. Sie lagern in Hauseingängen, vor Bibliotheken und in Einkaufspassagen. Wer diese einzelnen Obdachlosen oder kleine Gruppen von ihnen sieht, der sieht auch ein Problem, verkennt aber leicht dessen Ausmaß.Denn es gibt darüber hinaus noch 600 Notschlafplätze, die soziale Einrichtungen im Auftrag der Stadt betreiben und die jeden Abend belegt sind. Dort übernachten Obdachlose, die es in geschlossenen Räumen aushalten können und dort ein festes Bett zugewiesen bekommen. Darüber hinaus hat die Stadt 4200 Wohnungslose untergebracht, die sich selbst kein Dach über dem Kopf leisten können.Das neue Zeltlager in der Nähe des Stadtzentrums ist nur die Spitze des Eisbergs. Unübersehbar verweist es auf die Not der Menschen auf der Straße, die von der hochsommerlichen Hitze mittlerweile genauso bedroht sind wie im Winter von der Kälte. Das Provisorium im Park ist ein Weckruf, ein Anlass, genauer hinzusehen, wie es den Betroffenen geht. Möglich, dass das Zeltlager nicht so schnell wieder aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit geräumt werden kann, wie sich das manche wünschen. Nötig ist jetzt Empathie für die Betroffenen und Unterstützung sowie Respekt für die Helfer, die ihnen beistehen. Und die gemeinsame Anstrengung der neuen Stadtregierung, um für alle Beteiligten eine möglichst dauerhafte Unterbringungslösung zu finden.
Frankfurt hat ein Obdachlosen-Problem
Wer glaubt, eine Zeltstadt für 100 Obdachlose sei erschreckend groß, verkennt das Problem der Wohnsitzlosen in Frankfurt.










