Im Park hinter dem Hilton Hotel, in der Eschersheimer Anlage, steht bis auf weiteres eine Zeltstadt. „Katastrophenschutz“ ist auf einem Wagen der Helfer zu lesen, die am späten Montagabend im Schein von Flutlichtlampen das Lager errichtet haben. Die Feldbetten, die in den weißen Zelten aufgeschlagen werden, sollen Menschen ohne Obdach vorübergehend Schutz vor den Elementen bieten. Vor Hitze in der Nacht, aber auch vor den drohenden Gewittern. Bisher waren etwa 100 bis 150 Personen jede Nacht in den Untergrund der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor gezogen, um dort im Trockenen auf Matten zu schlafen.Seit Montag gibt es diese Möglichkeit nicht mehr, die Verkehrsgesellschaft hat als Eigentümer der Liegenschaft den Mietvertrag mit dem Frankfurter Verein für soziale Heimstätten, der die Obdachlosen dort betreut, zum 30. September gekündigt. Ein neues Brandschutzgutachten hat ergeben, dass aus Sicherheitsgründen ab sofort niemand mehr in der B-Ebene lagern darf. Die Notschlafstätte dort war ohnehin umstritten. Bei Anwohnern und Passanten löste sie wechselweise Mitgefühl wegen des menschlichen Leids und Ärger wegen der teils schlechten hygienischen Verhältnisse aus.120 freiwillige Feuerwehrleute helfen beim Aufbau der ZelteDas Sozialdezernat, das sich um die Obdachlosen kümmern muss, bittet am Montag die Feuerwehr um Amtshilfe. Um 17.30 erfolgt der Alarm, zum Anpfiff des WM-Deutschlandspiels sind die Übernachtungszelte bereits bezugsfertig. 120 Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr sind angetreten, um das Notlager in kürzester Zeit zu errichten, sagt Markus Röck, Amtsleiter der Branddirektion. Fünf Zelte für die Obdachlosen, ein Zelt für die Mitarbeiter des Frankfurter Vereins, die von nun an ebenfalls im Park übernachten werden, um als Ansprechpartner jederzeit verfügbar zu sein. Auch tagsüber werde der Verein die Zelte im Auge behalten.Das Lager ist bewusst in unmittelbarer Nähe zum Eschenheimer Tor gewählt: Für Obdachlose sei jeder Ortswechsel herausfordernd, sagt Sozialdezernentin Elke Voitl (Die Grünen). Weil die Sicherheit der eigenen Wände fehle, brauchten sie eine vertraute Umgebung. Nicht alle der Menschen ohne Wohnsitz würden von ihrer angestammten Schlafstätte in die Zelte umziehen, meint Heiko Ewald, Bereichsleiter des Frankfurter Vereins für Soziale Notlagen. Manche hätten die Weite der U-Bahn-Station gesucht, um sich sicher zu fühlen, ein Zelt, das sie mit 17 anderen teilen müssen, könne für sie keine Lösung sein. Sie würden absehbar weiterziehen, sich irgendwohin legen, wo sie sich sicher fühlen. Im Park sollen mobile Toiletten aufgestellt werden, doch die Sauberkeit in der Grünanlage werde leiden, sagt Ewald. Der Verein werde jedoch morgens nach besten Kräften die gröbsten Spuren beseitigen.Voitl sieht wie Ewald, dass das Lager am Eschenheimer Tor nur eine Übergangslösung sein kann. Wenn die nächste Hitzewelle kommt, bieten die Zelte nachts keinen Schutz vor den hohen Temperaturen. Doch auf die Schnelle sei keine Alternative verfügbar gewesen. „Wir sehen schon jetzt eine Überlastung der sozialen Infrastruktur“, sagt Voitl. Und die treffe als Erstes die Ärmsten der Gesellschaft, die vulnerablen Gruppen: „Es ist der Klimawandel, der uns in diese Notlagen bringt.“ Die Suche nach einer geschützten Schlafstätte für die Obdachlosen gehe jedoch unvermindert weiter, so Voitl. Bis sie gefunden sei, werde die Zeltstadt im Park jedoch als Übergangslösung bestehen bleiben.
Frankfurt: Notunterkunft geschlossen – Zeltlager für Obdachlose im Park
Die Feuerwehr errichtet in einer Frankfurter Parkanlage Schlafzelte für Obdachlose. Die bisherige Unterkunft in der U-Bahnstation Eschenheimer Tor wurde kurzfristig geschlossen.









