Der Wind zersaust Michael Nicolais Haare. Der Geschäftsführer des Rechenzentrums Telehouse geht an Reihen aus Metallschränken vorbei. Die Server darin versenden Mails, speichern Fotos, stellen Streaming bereit. Sie laufen nicht nur, sie laufen heiß. Damit sie nicht überhitzen, bläst die Kühlanlage die warme Luft aus den Serverschränken hinaus und kalte von unten hinein. Nicolai bekommt den heißen Schwall wie vor einem Ganzkörperföhn ab. „Angenehme 35 Grad“, sagt er. Mit der heißen Luft hat er Großes vor. Sie soll ab Herbst 1300 Wohnungen auf der gegenüberliegenden Straßenseite heizen.Das macht das Rechenzentrum im Frankfurter Gallus zu einem Vorreiter. Kaum ein anderes in Deutschland ist so weit bei der Umsetzung – auch wenn viele der mehr als 500 Rechenzentren in Deutschland ähnliche Pläne haben. Von Juli an müssen alle neu gebauten Rechenzentren mindestens zehn Prozent ihrer Abwärme nutzbar machen, vor allem dadurch, dass sie diese in das Wärmenetz einspeisen, damit Wohnungen beheizen und warmes Wasser bereitstellen. Bis Mitte 2028 soll dieser Wert auf 20 Prozent steigen. So will es das Energieeffizienzgesetz. Die Hitze, sozusagen ein Abfallprodukt, soll nutzbar gemacht werden. Doch noch stehen die Betreiber vor Hürden.Michael Nicolai, Senior Vice President bei Telehouse Germany, vor Datenschränken im Telehouse Rechenzentrum. Aufgenommen am 26.03.2026 in Frankfurt am Main.Janek StempelAlleine das Telehouse Rechenzentrum verbraucht so viel Strom wie Zehntausende Haushalte. Die Tendenz ist steigend. Derzeit wird ein neues Gebäude fertiggestellt – das sechste auf dem 50.000 Quadratmeter großen Areal. Auch dieses wird zehn Prozent seiner Abwärme nutzbar machen müssen. Der Betonklotz mit Wellblechverkleidung steht bereits, um ihn herum ist noch offener Schotterboden, liegen Absperrbänder und Kabel. „Unsere Kunden sind trotzdem schon im Gebäude und bauen ihre Server auf“, sagt Nicolai. Telehouse betreibt wie die meisten Rechenzentren in Deutschland keine eigenen Rechner, sondern vermietet Platz an Unternehmen. Die gesamte Fläche sei bereits vermietet gewesen, bevor das Gebäude gestanden habe. Zwei weitere sollen auf dem Gelände entstehen. „Die Nachfrage ist riesig“, sagt Nicolai.Wärmeenergie aus Rechenzentren verpufft ungenutztAuf der ganzen Welt werden immer mehr Rechenzentren gebaut. Die meisten hierzulande stehen in Frankfurt. Sie benötigen bereits so viel Strom wie ganz Hamburg. In Deutschland verbrauchten Rechenzentren im Jahr 2024 vier Prozent des Stroms. Weltweit waren es laut Internationaler Energieagentur 1,5 Prozent, der Anteil an den Kohlendioxid-Emissionen lag bei einem Prozent. Bis 2030 könnte sich der Strombedarf Schätzungen zufolge verdoppeln, was dem heutigen Bedarf der Industrienation Japan entspräche. Dieser Anstieg ergibt sich aus dem Wachstum Künstlicher Intelligenz, die bis 2030 fast die Hälfte des Stromverbrauchs von Rechenzentren ausmachen könnte.