Vertriebenenlager im Ebola-Epizenter Bunia: Zwischen Angst und Misstrauen

In der Demokratischen Republik Kongo haben die Behörden viel Erfahrung mit dem Ebolavirus. Als das Land in Zentralafrika Mitte Mai den 17. Ausbruch der tödlichen Krankheit seit Beginn der Aufzeichnung erklärte, war schnell klar: Dieses Mal wird es anders. Oft wurden Ausbrüche früh erkannt und schnell beendet, die jetzt grassierende Virusart Bundibugyo hatten Schnelltests nicht erkannt. Als die Weltgesundheitsorganisation den internationalen Gesundheitsnotstand ausrief, kursierte das Virus wohl schon Wochen im Osten des Kongos.

Inzwischen zählen die Behörden im Kongo 1307 bestätigte Erkrankungen und 377 Todesfälle. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen, schon jetzt ist es der bislang drittgrößte Ebolaausbruch. Hilfsorganisationen sind in die Krisenregion gereist, um die lokalen Gesundheitsbehörden beim Kampf gegen die Krankheit zu unterstützen. Theresa Berthold ist als Projektkoordinatorin für Ärzte ohne Grenzen vor Ort. Hier berichtet sie von Herausforderungen und Gefahren des Einsatzes.

SPIEGEL: Frau Berthold, wie ist die Lage im Ebolagebiet?Berthold: Ich bin in Beni, einer Stadt in der Provinz Nord-Kivu. Ituri, wo der Ausbruch begonnen hat, liegt etwa 200 Kilometer entfernt. Vor drei Wochen bin ich angekommen, vor etwa einer Woche konnten wir unsere tatsächliche Arbeit aufnehmen. Davor mussten wir erst die Test- und Behandlungsstrukturen aufbauen: Isolationszentren, in denen wir gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium vor Ort arbeiten. Laborkapazitäten müssen noch immer ausgebaut werden. Aktuell gibt es bei uns 22 bestätigte Fälle, von denen 17 Patienten bereits verstorben sind. Jeden Tag kommen zwei oder drei neue bestätigte Fälle hinzu, dazu 15 bis 30 Verdachtsfälle pro Tag. Leider kommen viele Patienten viel zu spät.