Ebola-Virus in Kongo: Engpässe erschweren den Kampf gegen die EpidemieIn der Demokratischen Republik Kongo breitet sich das Ebola-Virus unkontrolliert weiter aus. Der Mangel an medizinischem Material und die aufwendige Kontaktverfolgung machen den Helfern besonders zu schaffen.Bettina Rühl, Nairobi15.07.2026, 14.22 Uhr4 LeseminutenHelfer versorgen einen Ebola-Patienten in einem Gesundheitszentrum in der Provinz Ituri in Kongo-Kinshasa.Moses Sawasawa/ APWährend sich das Ebola-Virus in der Demokratischen Republik Kongo sehr schnell weiter ausbreitet, sind in der am schwersten betroffenen Provinz Ituri Dutzende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Ebola-Spitals in den Streik getreten. Sie seien seit fast zwei Monaten nicht mehr bezahlt worden, sagten sie der Nachrichtenagentur AP. Unter den Streikenden im Distrikt Rwampara waren am Montag Epidemiologen, Fahrer und Totengräber. Einige Mitglieder des Spitalpersonals hatten ihren Streik bereits in der vergangenen Woche begonnen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Wir beerdigen Menschen, die vier Tage lang ohne medizinische Hilfe zu Hause waren, und es ist offensichtlich, dass sie an Ebola starben», berichtete John Bahati Nguna der Nachrichtenagentur. Verstorbene Ebola-Patienten sind hoch infektiös und müssen unter strengen Hygienemassnahmen bestattet werden, um die Ausbreitung des Virus nicht weiter zu beschleunigen. Ohne diese Massnahmen ist das Risiko für die Bestatter extrem hoch.Die anscheinend ausstehenden Zahlungen sind nur eins von vielen Beispielen für die Engpässe, die den Kampf gegen die Verbreitung der potenziell tödlichen Viruserkrankung behindern. So mangelt es ausserhalb der Städte weiter an medizinischem Material wie Handschuhen, Masken und Schutzanzügen. Hinzu kommt, dass die betroffenen Gebiete schwer zu erreichen sind. Verdachtsfälle auf sicherem Weg zu verlegen, ist deshalb kompliziert.Die Krankheit hatte einen VorsprungDer jüngste Ausbruch war Mitte Mai bekanntgegeben worden. Zuvor hatte sich das Virus schon wochenlang verbreitet. Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, sagte am 2. Juni, die Krankheit habe einen Vorsprung gehabt; die WHO hinke der Epidemie hinterher. Für die Virusvariante Bundibugyo gibt es keinen zugelassenen Impfstoff und keine spezielle Behandlung.Der Ausbruch ist weiterhin ausser Kontrolle, die Fallzahlen steigen rasch an. Nach den jüngsten Zahlen der kongolesischen Regierung gibt es mehr als 2000 bestätigte Infektionen, darunter 754 bestätigte Todesfälle. Mittlerweile hat sich der Ausbruch auf 42 von 117 Gesundheitszonen in drei Provinzen ausgeweitet. Hinzu kommen 20 bestätigte Fälle, darunter zwei Todesfälle, im benachbarten Uganda.Wessam Mankoula vom Afrikanischen Zentrum für Krankheitsbekämpfung und Präventionsmassnahmen sagte kürzlich bei einer Pressekonferenz, der gegenwärtige Ebola-Ausbruch sei der mit dem schnellsten Wachstum überhaupt: «nicht nur im Vergleich zu früheren Bundibugyo-Ausbrüchen, sondern auch im Vergleich zu allen anderen Ebola-verursachenden Virusarten».Die Kontaktverfolgung ist kompliziertAls ein grosses Problem erweist sich die Verfolgung der Kontakte der Infizierten. Sie ist aber ein zentrales Mittel, um den Ausbruch einzudämmen und unter Kontrolle zu bringen. Die Kontaktverfolgung liegt je nach Region und Quelle zwischen 55 und 64 Prozent. Nach Angaben der WHO müssen 90 Prozent aller Kontakte einer infizierten Person identifiziert und 21 Tage lang beobachtet werden, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen.Gemäss Angaben des WHO-Notfalldirektors Chikwe Ihekweazu sind im Zentrum des Ausbruchsgeschehens in Bunia jedoch weiterhin 70 bis 80 Prozent aller neuen Fälle nicht auf einer Kontaktliste erfasst gewesen. Daraus folgert er, dass das wahre Ausmass des Ausbruchs zwischen zwei- und viermal so gross sein könnte, wie die offiziellen Daten nahelegen.Die schlechte Infrastruktur und die schwere Erreichbarkeit vieler abgelegener Dörfer erschweren die Kontaktverfolgung. In der rohstoffreichen Provinz Ituri gibt es ausserdem Dutzende bewaffnete Gruppen, Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht. In den Vertriebenenlagern leben sie sehr beengt, oft gibt es noch nicht einmal genug Wasser und Seife. Abstandsregeln sind schon aufgrund der Enge kaum einzuhalten. Viele Regionen muss das Hilfspersonal wegen der angespannten Sicherheitslage meiden.Der Mangel an Nahrung verschärft die SituationHinzu kommt, dass viele Geberländer ihre Zahlungen für humanitäre Hilfe drastisch gekürzt haben, vor allem im vergangenen Jahr. Auch die Vereinten Nationen bekommen weniger Geld, zum Beispiel das Welternährungsprogramm (WFP). Das hat Folgen für den Kampf gegen Ebola. «Die Hygienemassnahmen sehen vor, dass Menschen in bestimmten Gebieten bleiben sollen», sagte Olivier Nkakudulu vom Welternährungsprogramm in Ituri in einem Interview im Juni. «Aber wenn diese Menschen keine Nahrungsmittelhilfe bekommen, halten sie sich natürlich nicht an die Anordnung. Sie werden sich etwas zu essen suchen, auf den Märkten oder an anderen Orten. Dabei können sie andere Menschen anstecken.» Infolge der Kürzungen hat das WFP nicht mehr genug Lebensmittel für alle Bedürftigen.Auch viele internationale Hilfsorganisationen bekommen weniger Geld von den Geberländern. So wurde die Struktur der medizinischen Grundversorgung weiter ausgedünnt. Etliche Gesundheitszentren wurden geschlossen oder sind nur eingeschränkt funktionsfähig, haben beispielsweise Schwierigkeiten, das Personal zu bezahlen.Darüber hinaus breiten sich mit dem Virus auch Mythen und falsche Erzählungen aus. Quarantänemassnahmen, die Isolation von Kranken und Sicherheitsvorgaben bei Beerdigungen stossen oft auf massiven Widerstand. Angehörige lehnen es häufig ab, Kranke auf Isolierstationen allein zu lassen oder auf traditionelle Abschiedsrituale zu verzichten. Der WHO-Chef Tedros betonte Ende Mai in Ostkongo, der Ausbruch könne nur eingedämmt werden, wenn die betroffenen Gemeinden im Zentrum der Reaktion stünden und die Bevölkerung die Massnahmen mittrage.Passend zum Artikel