Ausländische Helfer in Venezuela beginnen, ihre Zelte abzubrechen. Was kommt nun?Erstmals hat das Regime in Caracas nach einem Notfall um ausländische Hilfe gebeten. Die internationale Solidarität mit Venezuela ist nach dem Erdbeben enorm. Doch China, Russland und Iran als traditionelle Verbündete des Regimes sind nicht zu sehen.02.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDie Region La Guaira – im Bild zerstörte Sozialbauten – wurde von dem Erdbeben besonders betroffen.Miguel Gutierrez / EPA EFEEine Woche ist seit dem verheerenden Erdbeben in Venezuela vergangen. Damit läuft auch die Zeit für die 44 internationalen Such- und Rettungsteams ab, die in den Tagen nach der Katastrophe aus 27 Staaten in das Karibikland geflogen sind. Die sogenannten Urban-Search-and-Rescue-Teams (Usar-Teams) können nun nicht mehr viel ausrichten. Unter den Trümmern werden sich kaum noch Überlebende finden lassen. Die ersten Teams werden diese Woche in ihre Herkunftsorte zurückfliegen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die hochspezialisierten Katastropheneinheiten kommen weltweit zum Einsatz, um nach Erdbeben oder Gebäudeeinstürzen Verschüttete zu retten. Sie sind nach den Standards der International Search and Rescue Advisory Group der Uno ausgebildet und zertifiziert. Sie arbeiten länderübergreifend eng zusammen. «Viele dieser Experten kennen sich aus vorherigen Einsätzen», sagt ein Katastrophenhelfer, der wie die meisten nicht mit Namen in den Medien erscheinen will.140 Hunde in Venezuela im EinsatzEin Usar-Team besteht aus Rettungsspezialisten für die Ortung und Bergung von Verschütteten sowie aus Statik- und Bauingenieuren, die einsturzgefährdete Gebäude beurteilen. Hinzu kommen Hundeführer mit Such- und Rettungshunden; in Venezuela sind derzeit 140 Hunde im Einsatz. Dazu kommen Ärzte und Sanitäter sowie Spezialisten für schwere Bergungsgeräte.Je nach Klassifizierung umfasst ein Team 40 bis 80 Personen und kann sich für mehrere Tage oder sogar zwei Wochen vollständig selbst versorgen. «Wir haben unser eigenes Benzin und Wasser dabei, produzieren unseren Strom», sagt ein gegenwärtig in Venezuela eingesetzter Helfer. «Wir wollen die lokale Infrastruktur nicht noch zusätzlich belasten.»«Heavy Usar» ist die leistungsfähigste Kategorie von Katastrophenhelfern. Diese Teams können im Schichtbetrieb rund um die Uhr an grossen Schadenstellen arbeiten. Zu den bekannten Heavy-Usar-Teams gehören auch das Technische Hilfswerk aus Deutschland, die Rettungskette Schweiz, die UME aus Spanien und Afad aus der Türkei. Neun Staaten haben solch grosse Teams nach Venezuela geschickt, darunter auch Katar, Jordanien und die Niederlande.Das amerikanische Kontingent ist gross – aber nicht zu sehenDas mit Abstand grösste Heavy-Usar-Team kommt aus den USA. Es umfasst 343 Experten und 29 Hunde. Kurz nach dem Erdbeben verkündete der amerikanische Aussenminister Marco Rubio, dass Elite-Rettungsteams aus Fairfax, Los Angeles und Miami-Dade nach Venezuela unterwegs seien. Sie bestehen überwiegend aus Feuerwehrleuten, Ärzten, Ingenieuren und Hundeführern der nationalen Katastrophenschutzbehörde.Doch vor Ort berichten Beobachter übereinstimmend von einer geringen Sichtbarkeit der amerikanischen Präsenz. Ein Diplomat sagt: «Eine koordinierende Rolle der Amerikaner sehe ich nicht. Sie sind relativ spät ins Land gekommen.»Überraschend ist, dass das amerikanische Aussenministerium am Sonntag die Entsendung von weiteren 250 Experten ankündigte. Möglicherweise werden diese in der nun folgenden kritischen Phase der Aufräumarbeiten stärker in Erscheinung treten. Sie haben nach bisherigen Berichten vor allem dazu beigetragen, dass der internationale Flughafen in Venezuela wieder nutzbar ist, zumindest für Hilfsflüge.Ein deutscher Katastrophenhelfer sagt, dass nun die schwierige Phase des Wiederaufbaus beginne. Die Regierung sei weiter auf internationale Hilfe angewiesen, doch die Gefahr sei gross, dass die Gelder für den Wiederaufbau veruntreut würden.Von den Alliierten Russland, China und Iran ist nichts zu sehenAuffällig ist, dass ausgerechnet die langjährigen Verbündeten des venezolanischen Regimes – Russland, China und Iran – bei den Rettungseinsätzen fehlen. Moskau und Teheran beschränken sich auf Solidaritätsbekundungen. Peking kündigte offizielle Hilfe in Höhe von lediglich 15 Millionen Dollar an, berichtet die nationale Nachrichtenagentur Xinhua. Vor allem chinesische Geschäftsleute und Unternehmen in Venezuela würden jedoch Hilfsgüter bereitstellen, meldet die Agentur.Lediglich Kuba, das lange Zeit Ärzte und Militärs im Austausch gegen venezolanische Öllieferungen nach Venezuela schickte, entsandte am Sonntag eine Einsatztruppe von 14 Mann nach Venezuela.Passend zum Artikel
Ausländische Hilfskräfte beginnen, ihre Zelte in Venezuela abzubrechen
Erstmals hat das Regime in Caracas nach einem Notfall um ausländische Hilfe gebeten. Die internationale Solidarität mit Venezuela ist nach dem Erdbeben enorm. Doch China, Russland und Iran als traditionelle Verbündete des Regimes sind nicht zu sehen.















