Ausländische Helfer fliegen nach Erdbeben nach VenezuelaInternationale Hilfsteams mit Spürhunden bereiten sich auf den Einsatz in Venezuela vor. Nach den tödlichen Erdbeben, die das südamerikanische Land erschüttert haben, werden aus Ländern wie Deutschland und Mexiko Rettungskräfte entsandt, um nach Überlebenden zu suchen. Knapp 50 Einsatzkräfte des deutschen Technischen Hilfswerks (THW) fliegen an diesem Freitag in das Katastrophengebiet.Laut der Regierung des südamerikanischen Landes wurden bislang 188 Tote gezählt. Mehr als 1500 Menschen wurden bei den Beben am Mittwochabend Ortszeit verletzt. Rund 200 weitere Menschen sollen noch immer unter den Trümmern verschüttet sein, wie der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, sagte. „In der Regel sagt man, 72 Stunden nach einem Erdbeben, das sind ganz entscheidende Stunden. Da können wir auch noch sehr viele Menschen lebend retten“, sagte THW-Präsidentin Sabine Lackner in Köln kurz vor der Abreise des Teams aus Deutschland. Es gebe aber auch danach immer wieder „Wunder“.Der Abflug des THW-Teams war für Freitagmorgen vom Fliegerhorst Wunstorf in Niedersachsen mit einer Bundeswehr-Maschine geplant. Im Vordergrund stünden die Bergung und Rettung von Personen aus zerstörten Gebäuden, sagte Lackner. Zu der Schnell-Einsatz-Einheit gehörten vier Rettungshundeführer mit jeweils einem Hund.Mehr anzeigenZahl der Todesopfer steigt auf mindestens 188 – Tausende Opfer befürchtetBei den Erbeben in Venezuela sind laut Jorge Rodriguez, Präsident der Nationalversammlung und Bruder der amtierenden Präsidentin Delcy Rodriguez, mindestens 188 Personen ums Leben gekommen. Von 200 Personen wisse man weiter, dass sie in den Trümmern eingeschlossen seien. Bei den Erdbeben seien zudem 1520 Personen verletzt und mehr als 250 Gebäude zerstört oder beschädigt worden.Die Anzahl der Todesopfer dürfte jedoch laut einem Experten noch erheblich steigen. «Es würde mich nicht wundern, wenn wir nicht schon bei Tausenden oder vielleicht sogar bei Zehntausenden liegen», sagte Jeffrey Park, Seismologe an der Universität Yale, zu CNN. «Ich habe Videos von komplett in sich zusammenfallenden Wohnhäusern gesehen.»Park warnt, es werde noch wochenlang zu Nachbeben kommen, die teils eine Stärke zwischen 6,0 und 6,5 erreichen könnten. Sie würden keine vergleichbaren Schäden verursachen, könnten aber wegen herabfallender Trümmer gefährlich werden.Uno-Generalsekretär Guterres «tief betroffen» über Tote und Zerstörung in VenezuelaNach den schweren Erdbeben in Venezuela hat Uno-Generalsekretär António Guterres Betroffenen und Hinterbliebenen sein Mitgefühl ausgesprochen und der Regierung sowie der Bevölkerung Solidarität zugesichert. «Der Generalsekretär ist tief betroffen über die Todesopfer und die weit verbreitete Zerstörungen», teilt der Sprecher Stéphane Dujarric mit. «Die Vereinten Nationen in Venezuela, einschliesslich des humanitären Länderteams, mobilisieren Hilfe und arbeiten eng mit der Regierung und unseren Partnern zusammen, um die Hilfsmassnahmen zu unterstützen», so Dujarric. Das Uno-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) koordiniere zudem den Einsatz von Such- und Rettungsteams für städtische Gebiete.Kleinkinder nach Erdbeben lebend gerettetIn Venezuela kämpfen die Rettungsteams gegen die Zeit, um nach den verheerenden Erdbeben Überlebende aus den Trümmern zu retten. Die Hoffnung wird nicht aufgegeben: Dutzende Personen sind bereits lebend geborgen worden, darunter zwei verletzte Kleinkinder in der Region La Guaira, deren Mutter noch vermisst wird, wie Fernsehsender berichten. Die erfolgreichen Bergungen lösen an vielen Orten Beifall bei den Nachbarn und Angehörigen aus, wie Fernsehbilder zeigen.Präsidentin Delcy Rodríguez ruft den Privatsektor dazu auf, der Regierung die für die Rettungsarbeiten dringend benötigten Bagger zu vermieten. Such- und Rettungsteams aus dem Ausland seien zudem bereits auf dem Weg nach Venezuela, um sich an der Suche nach Verschütteten zu beteiligen, sagt sie.Rettungskräfte suchen in den Trümmern in Chacao im Osten von Caracas.Boris Vegraga / EPADeutschland bereitet Erdbebenhilfe für Venezuela vorDeutschland will Venezuela nach den schweren Erdbeben schnell Hilfe leisten. «Dafür stehen Hilfsgüter, wie etwa Wasserfilter, Feldbetten, Zelte oder Generatoren bereit», teilten das Auswärtige Amt und das Verteidigungsministerium nach einer koordinierenden Sitzung des Krisenstabs der Bundesregierung mit. Die einzelnen Ressorts seien zudem in Abstimmungsgesprächen mit zivilen Hilfs- und Katastrophenschutzorganisationen.Das Auswärtige Amt sei seit der Nacht mit den deutschen Einsatzteams in der Katastrophenhilfe und internationalen Partnern in Kontakt. Noch am Donnerstag sollen Vorab-Teams des Technischen Hilfswerkes (THW) und weiterer Organisationen gemeinsam mit Kollegen aus der Schweiz zur Abklärung der Lage in die Region aufbrechen.Schweiz schickt Rettungskräfte und MaterialDie Schweiz bietet den venezolanischen Behörden ihre Unterstützung an. Laut einer Mitteilung des Schweizer Aussendepartements (EDA) hat der Delegierte des Bundesrates für humanitäre Hilfe beschlossen, die Rettungskette Schweiz mit 80 Mitgliedern und acht Suchhunden sowie 18 Tonnen Rettungsmaterial zu mobilisieren. Die Rettungskette soll Erdbebenopfer in den Trümmern suchen, bergen und retten.Da der venezolanische Luftraum für die meisten europäischen Fluggesellschaften geschlossen ist, laufen laut EDA derzeit Abklärungen, um möglichst rasch einen Flug für den Transport der Schweizer Rettungskräfte und ihrer Ausrüstung zu organisieren.Schweizerisches Rotes Kreuz unterstützt Nothilfe in VenezuelaDas Schweizerische Rote Kreuz (SRK) leistet Nothilfe für die Bewältigung der Folgen der Erdbeben in Venezuela. Mit Unterstützung des Bundes werden 200 000 Franken zur Verfügung gestellt, heisst es in einer Mitteilung des SRK. Die Organisation ruft die Bevölkerung zu Spenden auf. Zudem würden Fachpersonen zur Verfügung gestellt. Zwei Logistikexperten seien bereits in der Region und könnten rasch mobilisiert werden, teilt das SRK mit.Weiter organisiert die SRK-Rettungsorganisation REDOG aktuell die Entsendung von Such- und Rettungshundeteams in das Katastrophengebiet, um die Suche nach verschütteten Personen zu unterstützen. Die Teams bestehen jeweils aus einem speziell ausgebildeten Rettungshund und seiner Hundeführerin beziehungsweise seinem Hundeführer.Wieso bebte die Erde in Venezuela so heftig?Während das Ausmass der Schäden nach den Erdbeben in Venezuela noch längst nicht klar ist, lassen sich über die Entstehung und die geologischen Besonderheiten des Ereignisses bereits einige Aussagen treffen. Aussergewöhnlich ist vor allem, dass es zu zwei starken Erdbeben in grosser räumlicher und zeitlicher Nähe gekommen ist. Geologen sprechen von einer sogenannten Erbebendublette.Lesen Sie mehr dazu in unserer Analyse:Ein von der NZZ verifiziertes Video zeigt massive Verwüstungen an der Küste von La GuairaDas Erdbeben trifft ein Land in wirtschaftlichen Schwierigkeiten – und nun kommen durch das Erdbeben enorme Verluste dazu
Erdbeben in Venezuela: Präsidentin Rodríguez ruft Notstand aus
Innerhalb weniger Minuten richteten zwei Erdbeben in Venezuela verheerende Schäden an. Rettungskräfte suchen unter den Trümmern nach Überlebenden. Über das Ausmass der Schäden ist wenig bekannt.










