Die Biotechfirma Idorsia ernennt ihren nächsten Chef. Es ist der vierte in gut zwei JahrenDer designierte CEO Roland Wandeler gilt unter Investoren als unbeschriebenes Blatt. Der Börsenwert hat sich trotz der angespannten Finanzlage des Unternehmens verdreifacht.02.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDer Firmensitz von Idorsia befindet sich in der Basler Vorortsgemeinde Allschwil.PDBeim Baselbieter Biotechnologieunternehmen Idorsia wechseln die Chefs so oft wie die Trainer bei manchen Fussballklubs. Per Anfang Oktober soll Roland Wandeler die Firmenführung von Jean-Paul Clozel übernehmen, welcher der Geschäftsleitung interimistisch seit Mitte März vorsteht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Roland Wandeler, designierter neuer Chef von Idorsia.PDSrishti Gupta musste vor gut drei Monaten ihren Posten als CEO Knall auf Fall abgeben, nachdem sie ihn erst Anfang Juli 2025 angetreten hatte. Ihr Vorgänger war nach nur einem Jahr aus dem Amt ausgeschieden.Patron mit hohen ErwartungenGupta, die mit Vas Narasimhan, dem Chef des Pharmakonzerns Novartis, verheiratet ist, hatte die Erwartungen Clozels nicht erfüllt. Clozel, der bis zu seinem Wechsel ins Präsidium 2024 selbst jahrelang als Geschäftsführer amtiert hatte, warf der Amerikanerin in Medieninterviews kurz nach dem Ausscheiden vor, zu wenig delegiert und zu viel Zeit in Sitzungen verbracht zu haben. Auch habe es grosse Differenzen bei der Umsetzung der Strategie gegeben.Srishti Gupta, ehemalige Chefin von Idorsia.PDClozel stammt aus Frankreich, besitzt mittlerweile aber auch den Schweizer Pass. Der neue Chef ist ebenfalls Schweizer Bürger und durchlief seine Ausbildung mit Promotion an der ETH Zürich. Er verfüge über mehr als 25 Jahre internationale Erfahrung in der Pharma- und Biotechnologiebranche, heisst es in der Medienmitteilung zu seiner Ernennung.Seit Anfang 2024 leitet Wandeler den Geschäftsbereich Biopharma des spanischen Medikamentenherstellers Grifols. Die bisher längste Phase seiner beruflichen Karriere verbrachte er, von 2006 bis 2020, beim amerikanischen Biotechnologiekonzern Amgen.Unbekannt bei InvestorenUnter Investoren gilt Wandeler, der Jahrgang 1972 hat und zurzeit noch in den USA lebt, als unbeschriebenes Blatt. Trotz seinen Stationen bei mehreren bekannten Pharma- und Biotechnologieunternehmen, die auch einen anderthalbjährigen Einsatz bei der deutschen Firma Morphosys umfassten, ist er bis anhin noch keiner kotierten Firma vorgestanden.Der Aktienkurs von Idorsia verlor am Mittwoch nach der Bekanntgabe der Ernennung des neuen Firmenchefs um 3,8 Prozent auf 6.60 Franken. Allerdings büssten gleichentags auch die Titel der beiden Branchenschwergewichte Roche und Novartis an Wert ein.Nach einem jahrelangen Krebsgang ist es mit den Valoren von Idorsia in den vergangenen zwölf Monaten endlich wieder nach oben gegangen. Dabei verdreifachte sich der Börsenwert des Unternehmens auf 1,7 Milliarden Franken. Die Erholung spiegelt die Hoffnung, dass es die von Jean-Paul Clozel und seiner Frau Martine Clozel 2017 gegründete Firma doch noch schafft, in die schwarzen Zahlen zu gelangen.Dieses Ziel musste wegen zu geringer Umsätze mehrfach verschoben werden. Vergangenes Jahr verdoppelte sich zwar der Konzernerlös von 113 auf 221 Millionen Franken, doch konnte trotz dem Abbau von über 200 Stellen der Verlust erst auf 112 Millionen Franken eingegrenzt werden.Bei amerikanischen Ärzten abgeblitztMit Abstand wichtigster Umsatzträger blieb das Schlafmittel Quviviq. Es trug Idorsia 134 Millionen Franken ein. Damit wurde aber erneut die Zielmarke eines Umsatzes von 1 Milliarde Dollar verfehlt, an deren Erfüllung das Unternehmen seit Jahren arbeitet.Analysten bezweifeln, dass dies in den kommenden Jahren noch zu schaffen ist. Dafür fehlen Idorsia die nötigen Verkaufsleute, um das Produkt bei den Zehntausenden von Allgemeinärzten anzupreisen, die allein in den USA Schlafprobleme behandeln. Auch hatte es das Unternehmen in einem ersten Anlauf nach der Zulassung des Medikaments 2022 verpasst, einen bedeutenden Teil der amerikanischen Ärzteschaft zu überzeugen. Wer einmal scheitere, habe es sehr schwer, mit demselben Produkt bei den Medizinern nochmals vorzusprechen, sagt ein Marktbeobachter.Passend zum Artikel