Inzwischen hat er die Bahn des Jupiters hinter sich gelassen. In einer Entfernung von etwas über 1,4 Milliarden Kilometern steht der Komet 3I/ATLAS aktuell im Sternbild der Zwillinge und erscheint von der Erde aus gesehen nur noch als ein Fleck 21. Größe. Damit ist er rund hundertmal lichtschwächer als alles, was man mit den größten und teuersten Amateurteleskopen noch sehen kann. Trotzdem ist dieser Komet noch immer im Gespräch, stammt er doch offenkundig aus einem anderen Sonnensystem.Nun ist in „Nature“ eine Analyse der Wasserstoff- und Kohlenstoffisotope in den Ausgasungen des Kometen erschienen. Sie vermag Aufschlüsse darüber zu geben, in was für einer Umgebung sich der Brocken einst gebildet hatte – und wann das geschehen sein könnte. 3I/ATLAS ist der dritte interstellare Besucher, von dem wir wissen. Und obgleich er der Sonne zum Zeitpunkt seiner größten Annäherung am 29. Oktober 2025 nur wenig näher kam als der Mars und sich die Erde zu diesem Zeitpunkt auf der anderen Seite der Sonne befand, ist er dank seiner frühen Entdeckung im Juli 2025 das am besten untersuchte der drei interstellaren Objekte.Sehr viel schwerer WasserstoffEin ganzes Arsenal überwiegend weltraumgestützter Instrumente ist auf das Objekt gerichtet worden und hat unter anderem die Größe des Kometenkerns bestimmen können – also des staubdurchsetzten Eisklumpens selbst: Dieser hat einen Durchmesser von 1,3 Kilometern. Die nun veröffentlichte Untersuchung eines Teams um Martin Cordiner von der Catholic University of America beruht auf Daten des James Webb Space Telescope sowie des erdgestützten Atacama Large Millimeter Array (ALMA) in Chile.Damit war es möglich, die Gase, welche der Brocken infolge der Erwärmung durch das Sonnenlicht ausdünstete, auf ihren Gehalt verschiedener Isotope des Wasserstoffs und des Kohlenstoffs zu untersuchen.Dabei gaben die Wasserstoffisotope Auskunft über die Temperaturen, bei denen sich die Bestandteile der Eismassen in 3I/ATLAS einst zusammengefunden haben. Wie sich schon früh zeigte, enthält der Komet rund zehnmal so viel Deuterium – also das schwerere der beiden stabilen Wasserstoffisotope – wie die Kometen des Sonnensystems. Cordiner und seine Kollegen leiten aus ihren Beobachtungen ab, dass sich dieses Eis bei extrem tiefen Temperaturen gebildet haben muss, weniger als 30 Grad über dem absoluten Nullpunkt.Das Isotopenprofil des Kohlenstoffs wiederum gibt einen Hinweis darauf, wo im Universum das Eis entstanden ist und damit, woher 3I/ATLAS ursprünglich gekommen sein muss. Die Kohlenstoffsignatur passt weder zum Sonnensystem noch zu interstellaren Gaswolken oder protoplanetaren Scheiben in der interstellaren Nachbarschaft der Sonne.Vielmehr muss das Objekt in einer Umgebung entstanden sein, in der gerade intensive Sternentstehung im Gange war. Damit könnte 3I/ATLAS – oder der Mutterkörper, von dem er vielleicht abbrach, bevor er aus seinem heimatlichen Sternsystem hinausgeschleudert wurde – bis zu zwölf Milliarden Jahre alt sein. Der Besucher vom vergangenen Herbst wäre damit mehr als zweieinhalb Mal so alt wie unsere Sonne und ihre Planeten.
Der Komet 3I/ATLAS ist zwölf Milliarden Jahre alt
Von den drei interstellaren Objekten, die bisher entdeckt wurden, ist der Komet 3I/ATLAS am besten untersucht. Eine neue Untersuchung konnte nun unter anderem das Alter des Eisbrockens abschätzen.













