Feierende junge Menschen, die mit Fahnen dekoriert aus offenen Schiebedächern hängen, prägen längst kein Stadtbild mehr. Und das liegt nicht daran, dass die Autos keine Schiebedächer mehr haben.Wer erinnert sich nicht an die lauen und lauten Fußball-Sommer, die einst den Lebensrhythmus der Gesellschaft bestimmten? Und in denen unmittelbar nach Schlusspfiff schon die Zündschlüssel gedreht wurden. Jedes WM-Spiel ein Ereignis, das nachhallte. Laut, aber mit einer gewissen Leichtigkeit.Doch es ist still geworden in Fußball-Deutschland. Vorbei die Zeiten, als nach jedem besseren Kick ein Korso durch die Stadt hupte. Oder besser: Korsi durch die Städte. An der Siegessäule ebenso wie rund um den Dorfbrunnen. Und das liegt nicht nur daran, dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mal wieder den Einzug ins Achtelfinale verpasst hat. Auch die anderen Teams, für die viele Herzen in der bunten Bundesrepublik schlagen, sind nicht erfolgreicher.Ein Muster fällt aufDie Italiener hatten sich erst gar nicht qualifiziert. Der Gag über die Pizza „Endstazione“ war schon erkaltet, bevor das Turnier überhaupt begonnen hatte. Auch Griechenland und Polen fehlen bei dem Weltereignis. Und das, obwohl das Teilnehmerfeld doch ausreichend groß geschnitten war. Die Türkei war zwar dabei, aber schon nach zwei Spielen chancenlos ausgeschieden. Ihr Sieg gegen die Amerikaner, als das Aus bereits besiegelt war, war kein Grund, den Wagen zu starten.Türkische Fußballfans einst beim Autokorso in der Frankfurter InnenstadtWolfgang EilmesAber aufgepasst, Fußballfreunde aller gebeutelten Nationen. Zusammen mit den Deutschen ließe sich in einem Parallelturnier der Gescheiterten ein Achtelfinale austragen.Die Ukrainer haben sich ebenso wenig qualifiziert wie Rumänen, Bulgaren, Kosovaren und Serben. Syrien, Afghanistan und Indien? Chancenlos in der Vorqualifikation. Irak: immerhin dabei, aber sang- und klanglos ausgeschieden. Russen: nicht zugelassen. Einzige Ausnahmen: Kroatien und Bosnien-Hercegovina spielen noch mit.Es drängt sich ein Verdacht auf, woran das alles liegen könnte. Denn kaum hatte Jonathan Tah seinen Elfmeter gegen Paraguay in bester Uli-Hoeneß-Manier über den Querbalken gekloppt, wurden schon die Analogien aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gequält. Typisch Deutschland, hier klappt ja gar nichts mehr. Nicht mal Elfmeterschießen können sie noch.Wir schaffen das? Von wegen! Stuttgart 31 lässt grüßen, überall Baustellen und immer diese Staus. Und die Bahn! Ständig zu spät. Und das Wetter. Viel zu heiß! Erst kein Wille und dann auch kein Weg. Das Ergebnis erinnert an Pisa: eingereiht irgendwo zwischen Platz 17 und 32. Eine Teilnehmerurkunde wird es wohl noch geben. Wie bei den Bundesjugendspielen.Kein Wunder, dass es keinen Autokorso mehr gibt. Es gibt ja nichts zu feiern. Und außerdem war das Rumfahren und Hupen schon immer sinnlos und schlecht für die Umwelt. Gefährlich sowieso. Deutschland ist mal wieder schlecht gelaunt. Und jetzt scheint das Dilemma auch noch abzufärben.
Fußball-WM 2026: Warum es in Deutschland so still geworden ist
Kein Wunder, dass es hierzulande kaum noch einen Autokorso gibt: Bei dieser Fußball-WM gibt es nichts zu feiern. Und das liegt längst nicht nur am Abschneiden der Deutschen.








