Seit vielen Wochen haben die Gläubigerbanken und Großaktionäre um eine Rettung der Baywa AG gerungen. Am Dienstagabend, dem Stichtag, konnten sich beide Seiten auf eine Lösung einigen. Mit Deutschlands größtem Agrarkonzern geht es weiter, das ist aus Sicht der Beschäftigten und der Landwirte in Süddeutschland die wohl wichtigste Nachricht.Der Vorstand der hoch verschuldeten Baywa erhält zwei Jahre mehr Zeit für das Sanierungsprogramm, das eigentlich bis Ende 2028 umgesetzt sein soll. Die beiden Großaktionäre aus dem Raiffeisen-Genossenschaftswesen, die zwei Drittel der Aktien halten, geben dazu ihre Anteile an einen Treuhänder ab. Die Großbanken wiederum verzichten auf Forderungen und erklären sich bereit, weitere Risiken zu schultern, sollte die Sanierung abermals misslingen. Bis zum Herbst soll nun „die Grundsatzverständigung in eine entsprechende Sanierungsvereinbarung überführt werden, die wiederum der Zustimmung der Gremien der Baywa AG, der Großaktionäre und sämtlicher Finanzierungspartner der ursprünglichen Sanierungsvereinbarung bedarf“, teilte der börsennotierte Konzern in einer Ad-hoc-Meldung am späten Dienstagabend mit.Expansion auf PumpDie Baywa war im Spätsommer 2024 nach einem waghalsigen, auf Basis von Krediten finanzierten Expansionskurs an den Rand der Insolvenz geraten. Unter dem langjährigen Vorstandschef Klaus Josef Lutz baute die Baywa das Geschäft mit erneuerbaren Energien aus, kaufte die niederländische Agrarhandelsgruppe Cefetra, den neuseeländischen Apfelplantagenbetreiber Turners & Growers und zahlreiche andere Unternehmen – und häufte Schulden von fast sechs Milliarden Euro an. Der damals beschlossene Sanierungsplan sollte die Schuldenlast bis Ende 2028 um vier Milliarden Euro reduzieren – und scheiterte aufgrund neuer Schwierigkeiten.Am Mittwochmorgen überwog die Erleichterung darüber, dass der Baywa das schlimmste Szenario, die Insolvenz, erspart geblieben ist. „Es ist erfreulich, dass eine Einigung erzielt werden konnte. Sie ist das Ergebnis harter Verhandlungen. Dabei war immer klar: Die genossenschaftlichen Hauptaktionäre stehen zur Baywa“, sagte Stefan Müller, der Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern. Dabei hatten sich die Aktionäre lange gegen die von den Banken favorisierte Treuhandlösung gewehrt.Haupteigner des Agrarkonzerns sind die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG (BRB), die vor allem von den Raiffeisen- und Volksbanken getragen wird, und die österreichische Raiffeisen Agrar Invest. Sie erhalten ihre Aktien nur unter der Bedingung zurück, wenn sie bei einer Kapitalerhöhung in drei Jahren zusammen mindestens 220 Millionen Euro Eigenkapital nachschießen. Sollten sie das nicht tun, kann der Treuhänder die Aktien zugunsten der Banken verkaufen.Auch die Gläubigerbanken verzichtenDie Gläubigerbanken erklärten sich im Gegenzug bereit, Kredite über 700 Millionen Euro zu verlängern und „nachrangig“ zu besichern – falls auch der neue Sanierungsfahrplan scheitert, würden also die Forderungen anderer Gläubiger Vorrang vor dem Anspruch der Banken haben. Weitere 900 Millionen bekommen die Gläubiger nur insoweit zurück, als der Verkauf der Tochtergesellschaft Baywa r.e. eine solche Summe einbringt.Die Baywa r.e. ist stark im Ökostromgeschäft investiert, und ihre kapitalintensiven Wind- und Solarparks trugen maßgeblich zur neuerlichen Schieflage des gesamten Konzerns bei. Im ersten Sanierungsplan sollte ihr Verkauf 1,7 Milliarden Euro einbringen. An der Baywa r.e. ist zu 49 Prozent der schweizerische Investor Energy Infrastructure Partner (EIP) beteiligt, der nun seine Anteile ebenso wie der Mutterkonzern auf einen Sanierungsgesellschafter überträgt. Damit verschwindet die Baywa r.e. aus der Konzernbilanz und bindet dort somit auch kein Kapital mehr.Deutschlands größter Agrarkonzern, der in der Spitze fast 25.000 Mitarbeiter beschäftigte und einen Umsatz von 24 Milliarden Euro erwirtschaftete, wird sich von einigen Geschäftsbereichen trennen. Die neue Grundsatzverständigung sieht die Ausrichtung auf die Kernbereiche Agrar, Technik und Baustoffe vor, heißt es in der Mitteilung. Der Geschäftsbereich Wärme und Mobilität soll bis zum Ende des Jahres 2029 verkauft und die Erlöse daraus sollen zur Tilgung von Finanzverbindlichkeiten verwendet werden. „Der Vorstand der Baywa AG“, heißt es weiter, „ist zuversichtlich, dass es auf Basis der jetzt vorliegenden Verständigung gelingen wird, bis zum Herbst 2026 den Abschluss einer rechtsverbindlichen neuen Sanierungsvereinbarung zu erreichen.“
Baywa gerettet: Gläubigerbanken einigen sich in letzter Minute
Das Aus für Deutschlands größten Agrarhändler konnte gerade noch abgewendet werden. Gläubigerbanken verzichten auf Forderungen, und die Großaktionäre geben ihre Anteile an einen Treuhänder ab.











