Deutschlands größter Agrarkonzern, die hochverschuldete Baywa mit Sitz in München, ist gerettet – vorläufig jedenfalls. Für die Landwirte in Süddeutschland, die ihren Weizen, Roggen oder Dinkel an die Baywa verkaufen, ist das passend zur Erntezeit eine gute Nachricht. Ansonsten kennt die Rettungsaktion, zu der sich Gläubigerbanken und Großaktionäre in letzter Minute durchgerungen haben, nur Verlierer.Auf die Mitarbeiter des 1923 als „Bayrische Warenvermittlung landwirtschaftlicher Genossenschaften“ gegründeten Unternehmens kommen harte Jahre zu. Denn die Sanierung wird nicht nur zwei Jahre länger dauern als ursprünglich geplant, sie wird die Baywa noch stärker schrumpfen. Von dem börsennotierten Konzern, der nach einer wilden Expansion in seiner Blüte fast 25.000 Mitarbeiter beschäftigte und einen Umsatz von 24 Milliarden Euro auswies, wird bestenfalls noch ein Drittel übrigbleiben.Weitere Ausgliederungen zur Schuldentilgung drohenDie beiden Großaktionäre aus dem Raiffeisen-Genossenschaftswesen, die nicht neues Eigenkapital einbringen wollten, sind nun ihre Aktien los. Die Anteile gehen an einen Treuhänder und fallen nur an sie zurück, wenn sie in drei Jahren mindestens 220 Millionen Euro an zusätzlichem Kapital für die Baywa aufbringen. Ansonsten verkauft der Treuhänder die Aktien an die Banken. Aber auch die werden kräftig zur Kasse gebeten, müssen sie doch auf Forderungen von 700 Millionen Euro verzichten. Die marode Tochtergesellschaft Baywa r.e. wird vollständig abgegeben. Das Unternehmen, das überall auf der Welt Wind- und Solarparks betreibt, ist Auslöser der Milliardenpleite und sollte sein Verkauf nicht zur Schuldentilgung reichen, was wahrscheinlich ist, kommen viele weitere Millionen hinzu.Wie weit das Sanierungsprogramm, das bis 2030 umgesetzt werden soll, die Baywa trägt, ist heute nicht absehbar. Bereiche wie das Heizölgeschäft oder sogar die Agrartechnik, die eigentlich Kerngeschäft sein sollten, dürften womöglich noch ausgegliedert und zur Schuldentilgung verwendet werden. Niemand kann überrascht sein, wenn sich die Baywa bald auf den Zweck konzentrieren muss, zu dem sie dereinst gegründet wurde: den heimischen Landhandel.
Baywa: Enteignung auf bayrisch
In letzter Minute ringen sich Gläubigerbanken und Großaktionäre zu einer Rettung der Baywa AG durch. Doch die Sanierung kennt nur Verlierer, und von dem Agrarhändler wird am Ende nicht viel übrig bleiben.












