Der Technologiekonzern Siemens investiert 300 Millionen Euro in der Rhein-Main-Region. Einer Mitteilung des Unternehmens zufolge fließt das Geld in die Erweiterung der bestehenden Schaltanlagenfertigung in Frankfurt-Fechenheim und in ein neues Zulieferwerk in Offenbach. In Frankfurt produziert Siemens schon seit 40 Jahren elektrische Schaltanlagen, die den Strom in Fabriken oder in Rechenzentren verteilen und regulieren. Diese Systeme werden weltweit immer mehr nachgefragt, getrieben durch das Wachstum bei der Elektromobilität oder den Bau neuer Rechenzentren, aber auch durch die steigende Elektrifizierung von Fabriken.Insgesamt will Siemens dabei an beiden Standorten bis 2030 rund 700 neue Arbeitsplätze schaffen, teilte das Unternehmen mit. Schon im Juli soll mit dem Bau des neuen Werks in Offenbach begonnen werden, die Produktion dort soll im Frühjahr 2027 anlaufen.In Offenbach siedelt sich Siemens auf dem Gelände des ehemaligen Druckmaschinenherstellers Manroland an. Der Konzern wird das Gelände in Offenbach von Juli an mieten und ausbauen. Dabei soll die Vorfertigung vom Stammwerk in Frankfurt nach Offenbach verlagert werden. In Frankfurt-Fechenheim wird stattdessen bis Oktober 2027 eine weitere Halle entstehen, so sollen insgesamt mehr Schaltanlagen produziert werden können.Siemens erweitert Kapazitäten weltweitDie Investition ist Teil einer weltweiten Kapazitätserweiterung von Siemens: Im März hatte der Dax-Konzern eine Investition von 165 Millionen Dollar in Werke in den Vereinigten Staaten bekanntgegeben, um dort das schnelle Wachstum von KI und Datacentern zu unterstützen. Der Ausbau in Frankfurt und Offenbach soll auf diese Strategie einzahlen. Es gehe darum, bei Technologien eine Führungsrolle einzunehmen, die das Rückgrat der Industrien von morgen bildeten, sagte Siemens-Vorstandschef Roland Busch. „Die Nachfrage nach intelligenter Elektrifizierung wächst weltweit“, so Busch. Um diese zu bedienen, baue Siemens einen Standort aus, „der schon heute für außergewöhnliche Flexibilität und höchste Variantenvielfalt steht“.Produziert werden in Fechenheim und künftig auch Offenbach sogenannte gasisolierte Schaltanlagen zur Stromverteilung. Sie zeichnen sich durch eine von Siemens „blue GIS“ genannte Technik aus: Als Schutzgas zur Isolation wird nicht Schwefelhexafluorid, das stärkste Treibhausgas, sondern gefilterte Umgebungsluft verwendet. Als Vorteile nennt Siemens neben dem geringen Treibhausgasanteil den Einsatz eines ungiftigen, aber „hochstabilen“ Gases. Außerdem zeichneten sich die Anlagen, heißt es vom Hersteller, durch eine kompakte Bauweise und hohe Zuverlässigkeit aus.Zukunftstechnologie: Siemens investiert in den Bau von Schaltanlagen, unter anderem im Werk in Frankfurt-Fechenheim.Lando HassNach dem für die Stadt Offenbach bitteren Aus des Druckmaschinenherstellers Manroland, das vor wenigen Monaten angekündigt worden war, bietet sich für die Kommune eine fast unverhoffte Perspektive, weil Hunderte Arbeitsplätze in der Industrie erhalten bleiben. Es sei, so sagte Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD), ein „guter Tag für Offenbach“ und eine Bestätigung der städtischen Wirtschaftspolitik. Mit einem Masterplan sichere die Stadt gezielt Flächen für Gewerbe und Industrie, zum anderen steuere Offenbach mit einem Konzept die Ansiedlung von Rechenzentren.Der Hinweis Schwenkes zielte darauf ab, dass die britische Langley Holding das Manroland-Gelände an der Mühlheimer Straße für ein solches Serverzentrum nutzen wollte. Dem schiebt die Stadt aber durch angepasste Bebauungspläne einen Riegel vor, um auf dem Areal Industriearbeitsplätze zu erhalten. Diese Festlegung wird in der Stadt parteiübergreifend unterstützt, die Linie ist auch mit der Industrie- und Handelskammer abgestimmt: „Würden wir die Ansiedlung von Rechenzentren, die wir ebenfalls in der Stadt haben wollen, nicht gezielt steuern, würden viele Grundstückseigentümer ausschließlich auf ein Rechenzentrum hoffen, statt in Industrie und Gewerbe zu vertrauen“, hieß es von Schwenke.Siemens in Offenbach: Drittgrößte Ansiedlung der vergangenen JahreDer Oberbürgermeister zeigte sich zudem „dankbar“ für das Vertrauen von Siemens. Die Stadtverwaltung habe schnell gehandelt, als Siemens sich mit Fragen zum Standort an sie wandte. Laut Schwenke reicht das von Bauplänen, die bei Manroland nicht mehr vorlagen, aber von den städtischen Behörden zur Verfügung gestellt werden konnten, bis hin zu Parkplätzen, die auf einem städtischen Gelände geschaffen werden. Auch über Baugenehmigungen gebe es schon „konkrete Abstimmungen“, Siemens habe in dem Prozess „extrem professionell“ agiert. Der Offenbacher Oberbürgermeister nannte keinen genauen Zeitrahmen, aber offenbar sind die Weichen innerhalb von ungefähr drei Monaten gestellt worden. Ausgeräumt wurden in dieser Zeit offenbar Spannungen zwischen der Stadt und Grundstückseigentümer Langley, den Schwenke scharf kritisiert hatte, nachdem die Schließung von Manroland mitgeteilt worden war.Millioneninvestition von Siemens: „Ein großartiges Signal für Frankfurt“Gemessen an der Zahl der neuen Stellen bedeutet die Entscheidung von Siemens für Offenbach die drittgrößte Ansiedlung in den vergangenen Jahren, übertroffen nur vom Aufwuchs durch den Hersteller von Stellventiltechnik Samson und das Biotechnologieunternehmen Biontech. Zur Geschichte gehört auch, dass Siemens vor sechs Jahren seinen Offenbacher Standort der Kraftwerkssparte mit 700 Arbeitsplätzen geschlossen hatte: Der Konzern ist somit ein Rückkehrer in die Industriestadt.Auch in Frankfurt wurden die Investitionen positiv bewertet. „Das ist ein großartiges Signal für die Region Frankfurt/Rhein-Main“, sagte Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (SPD). Abermals zeige sich, dass Frankfurt und die Region ein attraktives Ansiedlungsgebiet für Wirtschaft und Industrie seien. „Es ist gut, dass das Rhein-Main-Gebiet auch in der industriellen Produktion gestärkt wird. Sie ist ein essenzielles zweites Standbein neben der starken Finanzwirtschaft.“ Positiv wertete Josef, dass die frei werdenden Flächen im Stammwerk in Fechenheim dazu genutzt würden, die Fertigungskapazitäten für Schaltanlagen zu steigern und dass die Endproduktion in Frankfurt stattfinde.Das Schaltanlagenwerk Frankfurt besteht derzeit aus zwei Werken mit rund 2800 Mitarbeitenden in Produktion, Forschung und Entwicklung sowie Automatisierung. 2024 hatte Siemens angekündigt, in Frankfurt 400 Stellen schaffen zu wollen. Ein Sprecher sagte, die neuen Stellen seien darin nicht enthalten, sondern zusätzlich. Frankfurt ist schon seit 1971 der wichtigste Siemens-Standort für die Entwicklung von luft- und gasisolierten Mittelspannungsanlagen. Das Werk in Fechenheim gibt es seit 1984. Seit 2018 werden hier auch Anlagen gefertigt, die ohne das Gas Schwefelhexafluorid auskommen und stattdessen als Isoliermedium natürliche Bestandteile der Umgebungsluft nutzen.Außer in Fechenheim ist Siemens in Frankfurt an drei weiteren Standorten vertreten: Im Stadtteil Gateway Gardens am Flughafen sitzt die Vertriebsorganisation des Konzerns für Hessen, in der Innenstadt gibt es ein Entwicklungs- und Servicebüro für das Industriesoftwaregeschäft, und im Industriepark Höchst entwickelt Siemens Digitalisierungslösungen für Prozesse und Produktionsanlagen.
Frankfurt und Offenbach: Siemens schafft 700 neue Stellen
Der Dax-Konzern Siemens investiert in Frankfurt und Offenbach Hunderte Millionen Euro in Schaltanlagen. In Offenbach bleiben dadurch Hunderte Industriearbeitsplätze erhalten, die eigentlich als verloren galten.








