Die Mitteilung lässt aufhorchen: Siemens investiert und stellt ein – nicht in Fernost oder Amerika, sondern mitten in Deutschland, im Rhein-Main-Gebiet. Während andere Branchen Personal und Kapazitäten abbauen und verlagern, setzt der Konzern ein Zeichen, indem er den Standort Frankfurt ausbaut und um ein Werk in Offenbach ergänzt. Das alles für zukunftsträchtige Produkte. Die Schaltanlagen made in Hessen werden gebraucht: für Rechenzentren, für Elektromobilität.Der Konzern setzt ein Zeichen für den Standort und gegen die Angst vor einer Deindustrialisierung des Landes. Deutschland kann Spitzentechnologie entwickeln und herstellen – die Bauweise der Schaltanlagen ist für den Konzern ein Alleinstellungsmerkmal, der von der Konkurrenz zum Beispiel in Fernost noch nicht kopiert werden kann. Der Verzicht auf ein besonders umweltschädliches Gas zur Isolation der Bauteile zeigt nebenbei auch, wie technische Innovation zum Klimaschutz beiträgt.Hohes Tempo in zwei StädtenZur Wahrheit gehört aber auch, dass das Rhein-Main-Gebiet den Strukturwandel in der Industrie zu spüren bekommen hat. Automobilzulieferer haben Stellen gestrichen, in Fulda hat Goodyear seine traditionsreiche Reifenfabrik geschlossen, in Offenbach ist gerade das Werk des Druckmaschinenherstellers Manroland dichtgemacht worden. Umso größer dürfte daher beim Frankfurter Nachbarn die Erleichterung über die neuen Arbeitsplätze auf dem Areal sein und auch das von Siemens angeschlagene Tempo. Der Umbau auf dem Manroland-Grundstück, das der Konzern gemietet hat, beginnt in diesem, die Produktion im neuen Zulieferwerk im nächsten Jahr.Apropos Tempo: Das haben offenbar auch die Verantwortlichen in den Stadtverwaltungen von Frankfurt und Offenbach eingehalten. Während oft und meistens mit Recht die Dauer solcher Verfahren in Deutschland beklagt wird, haben sie in diesem Fall in wenigen Monaten die Weichen für den Aus- und Neubau nördlich und südlich des Mains gestellt. Das dürfen sich die sozialdemokratischen Oberbürgermeister Mike Josef in Frankfurt, Felix Schwenke in Offenbach und ihre Mitarbeiter als Verdienst gutschreiben. Der Lohn: 2800 Menschen arbeiten an dem dortigen Siemens-Standort schon jetzt, 700 werden bis 2030 dazukommen, in der Verwaltung, der Logistik und in der Produktion.Kleiner Bonus am Rande: Das Siemens-Werk in Fechenheim liegt an der Carl-Benz-Straße, einer der miesesten Kopfsteinpflasterpisten der Stadt. Aber Besserung naht: Hessen Mobil hat vor einigen Tagen mit ihrer Sanierung begonnen. Wenn die erledigt ist, können Menschen und Maschinen hoffentlich weniger durchgerüttelt von der Vorproduktion in Offenbach zur Montage in Frankfurt kommen. Auch nicht schlecht.