»Ich arbeite in einem mittelständischen Unternehmen. Vor Kurzem gab es eine Generationenübergabe. Der junge Chef: Basecap, Kopfhörer, lässig tiefsitzende Jeans. Leider sitzt die Hose oft so tief, dass einige Zentimeter Hintern-Ritze zu sehen sind. Alle reden darüber, niemand möchte das sehen, aber niemand wagt es auch, ihm das zu sagen. Soll ich es ansprechen? Aber damit schieße ich mich doch ins Aus.« Anonym, per MailVielen Dank für das Bild, das wir nun wohl alle sehr lebendig in unseren Köpfen haben. Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke. Was mussten wir da nicht schon alles sehen in unserem doch sowieso schon anstrengenden Leben. Aus einem Grund, den ich nicht mehr weiß, denke ich bei diesem Anblick unweigerlich an eine Münze. Na ja.Bevor ich zur Antwort auf Ihre Frage komme, möchte ich zunächst noch ein paar Worte über diese besonders tief geschnittene Jeansmode verlieren. Bumster wird dieser Schnitt genannt (bum: Po), der den oberen Teil der Interglutealfalte freilegt oder, etwas gröber gesagt, den plumber’s crack, die Klempner-Ritze. Modegeschichtlich wird dafür der englische Designer Alexander McQueen (1969–2010) verantwortlich gemacht, der 1993 in seiner Kollektion »Taxi Driver« erstmalig solche Bumster-Hosen zeigte, allerdings nur für Frauen. (Passenderweise präsentierte er diese Kollektion in einem Zimmer des Londoner Hotels »Ritz«.) Anfang des Jahrtausends war dieser Trend dann sehr groß. Wir erinnern uns alle an die zahlreichen, pardon, Arschgeweihe, also knapp oberhalb des Steißbeins sitzende Tribal Tattoos, die man plötzlich überall sah, weil tiefsitzende Jeans den Blick darauf freilegten. Aber die Mode ist nicht vorbei: Unlängst erst schickte etwa die Marke Diesel Models mit Jeans über den Laufsteg, die so tief saßen, dass man sich fragte, wie es statisch überhaupt möglich war, dass sie oben hielten. Darin jedenfalls muss sich niemand mehr bücken, um seine Klempner-Ritze zu zeigen.Vielleicht möchte Ihr Chef, der ja sehr jung auf seinen Posten kam, mit seinen Jeans eine gewisse Volksnähe zeigen. Vielleicht ist er auch einfach extrem modebewusst. Es ist auf jeden Fall seine Sache, was er trägt. Und Ihre, was Sie darüber denken. Und zwischen diesen beiden Sätzen besteht keine Verbindung.
Soll ich was sagen, wenn ich die Kleidung meines Chefs unpassend finde?
Kleidung ist schließlich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Aber gilt das auch im Büro? Ein Leser fragt sich, ob er seinen (noch ziemlich jungen!) Chef auf die (seiner Meinung nach zu) tief sitzende Jeans ansprechen sollte.







