Atlanta (dpa) - Eine Gemeinsamkeit gibt es dann zwischen Ralf Rangnick und Luis de la Fuente doch. Wobei diese eher unter die Kategorie witzige Fakten fällt. Sowohl Österreichs Trainer Rangnick als auch Spaniens Europameister-Coach de la Fuente hatten während der laufenden Fußball-WM Geburtstag, feierten ihren 68. beziehungsweise 65. Ehrentag.Im Kern ist das Aufeinandertreffen der beiden am Donnerstag (21.00 Uhr/ARD und Magenta) im Sechzehntelfinale ein Duell der Gegensätze. Von der Spielphilosophie über den Lebensweg bis zur Persönlichkeit sind die beiden Mittsechziger weit voneinander entfernt.Zwei KarrierewegeRangnick ist mehr als ein Trainer. Der Fußball-Professor, wie er nach einem Taktiktafel-Auftritt im „Aktuellen Sportstudio“ anerkennend genannt wurde, hat mehrere Vereine sowie den Teil einer Trainer-Generation geprägt.Auf die Karrieren und Ideen von Julian Nagelsmann, Oliver Glasner, Marco Rose oder Thomas Tuchel hatte der 68-Jährige entscheidenden Einfluss. So arbeitete der heutige England-Coach Tuchel nach dem verletzungsbedingten Ende seiner Spieler-Laufbahn in einer Bar in Stuttgart, ehe Rangnick ihn in die Nachwuchsabteilung des VfB Stuttgart holte.Ralf Rangnick (r) wurde einst nach einem Auftritt im „Aktuellen Sportstudio“ zum Fußball-Professor. (Archivbild) picture alliance / dpaRangnick kennt alle Rollen, war Sportchef, Manager, Trainer in Clubs und bei Nationalmannschaften, arbeitete u.a. in Moskau, Manchester, Salzburg, Stuttgart, Schalke, Hoffenheim und Leipzig. Er spielte seine Stärken immer dann am besten aus, wenn er möglichst viel Macht hatte.De la Fuentes Karriere verlief bisher gänzlich anders. Nach wenigen Club-Stationen heuerte er 2013 beim spanischen Verband an. Bis 2018 betreute er die U19, stieg dann zur U21 auf. Nach den dortigen Erfolgen wurde er im Dezember 2022 als Nachfolger von Luis Enrique vorgestellt. De la Fuente ist eher der loyale Verbandsmann und weniger Machtmensch oder prägender Architekt - was seine Arbeit allerdings nicht weniger einflussreich macht.Zwei SpielideenTiki-Taka-Eleganz gegen Pressingmonster, Ballbesitz gegen Umschaltspiel - der größte Unterschied zwischen de la Fuente und Rangnick zeigt sich in ihren Spielphilosophien. Rangnick ist Ballbesitz nicht wichtig, er lässt aggressiv und extrem hoch pressen. Der Gegner wird schon im Moment des Ballverlustes attackiert und unter Stress gesetzt. Die Zurückeroberung erfolgt nah am gegnerischen Tor, der Gegner soll unvorbereitet erwischt werden. Hohe Intensität prägt das Spiel von Rangnicks Mannschaften.De la Fuente ist dagegen ein Mann der Kontrolle. Im Kern soll Ballbesitz mit vertikalen Angriffen verbunden werden, was bei dieser WM allerdings bisher selten gezeigt wurde.Luis de la Fuente arbeitet seit 13 Jahren im spanischen Verband. (Archivbild) Ricardo Mazalan/AP/dpaGrundsätzlich tickt der Spanier wie Rangnick: „Ich verstehe ein Modell, eine Idee als nicht verhandelbar. Und das passt sich an jedes System an.“ De la Fuente setzt auf den Außenbahnen auf Vertikalität, hat in Lamine Yamal und dem aktuell verletzten Nico Williams dafür zwei begnadete Spieler. In spanischen Medien wird darüber sinniert, dass ausgerechnet Rangnicks Idee das perfekte Gegengift zum Ansatz von de la Fuente ist.Zwei ErfolgsbilanzenGemessen an seinem Einfluss auf die Entwicklung des Fußballs ist Rangnicks Trophäensammlung überraschend überschaubar. Zwei Double in Österreich mit Salzburg sowie der DFB-Pokalsieg mit Schalke stehen dort als größte Erfolge. Der Schwabe glänzt vielmehr als Entwickler. Hoffenheim führte er aus der 3. Liga in die Bundesliga, Leipzig verordnete er nach Jahren der Geldverschwendung eine klare Philosophie und die Reise führte von der vierten Liga bis in die Champions League.Mit Schalke gewann Rangnick den Pokal, mit Leipzig verlor er das Finale. (Archivbild) Christian Charisius/dpaRangnicks Mannschaften spielen oft den besseren Fußball, liefern in großen Spielen aber zu selten. Bei der EM 2024 gewann er mit Österreich vor Frankreich und den Niederlanden die Gruppe, schied dann im Achtelfinale gegen die Türkei aus. Bei der aktuellen WM rettete erst ein Tor in der sechsten Minute der Nachspielzeit den Einzug in die K.o.-Phase.Während de la Fuente auf Clubebene keine Titel vorweisen kann, sieht es im Verband anders aus. EM-Titel mit der U19 und der U21, Olympia-Silber 2021, Gewinn der Nations League 2023 und der EM-Titel 2024. Der 65-Jährige kam nach dem Achtelfinal-Aus bei der WM 2022 ins Amt des Nationaltrainers, gewann nur sieben Monate später die Nations League. Damit endete eine titellose Zeit von elf Jahren. Bisher liefert de la Fuente ab.Ein TeamgeistWas beide Trainer wiederum eint, ist ihre Anerkennung in der jeweiligen Mannschaft. Auf der einen Seite Rangnick, der die chronisch erfolglosen Österreicher wachgeküsst hat. Laut Kapitän David Alaba sei Rangnick „das fehlende Puzzleteil“ gewesen. Das Team sei zu einer Familie zusammengewachsen.Unter Ralf Rangnick (M) qualifizierte sich Österreich erstmals nach 28 Jahren für eine WM. (Archivbild) XinHua/dpaÄhnlich ist die Gefühlslage in Spanien. Durch den Weg von de la Fuente durch die Nachwuchsmannschaften, kennt er viele Spieler schon seit dem Teenager-Alter. „Luis kennt uns und wir kennen ihn, wir sind fast unser ganzes Leben zusammen. Mit einem Blick wissen wir schon, was wir voneinander wollen. Das ist wirklich wichtig“, sagte Mittelfeldchef Rodri.© dpa-infocom, dpa:260701-930-313883/1