Der Einsatz von KI macht den Journalismus nicht besser, sondern verdichtet Arbeit. Im Sportjournalismus zeigt sich diese Entwicklung seit Langem.

I ch habe einmal mit einem Kollegen zusammengearbeitet, der Texte, die Nachrichtenagenturen lieferten, einfach unter seinem Namen veröffentlichte. Er tat dies, weil er der festen Überzeugung war, die Geschäftsführung der Zeitung, bei der er als Redakteur angestellt war und für die ich auf Grundlage eines Honorarvertrags arbeitete, zähle die Artikel, die er schreibe. Wer binnen eines Jahres am wenigsten verfasst hätte, drohe gekündigt zu werden, so erklärte er es mir einmal. Das ist alles schon über zwanzig Jahre her, und es war damals so falsch wie heute.

Der Kollege jedoch glaubte, auf eine Zeitungskrise reagieren zu müssen. Wie er das tat, war illegal, unkollegial und betrügerisch. Gleichwohl habe ich den Kollegen damals nicht denunziert, und das würde ich auch heute nicht tun, wenn er oder jemand anderes Artikel von künstlicher Intelligenz (KI) schreiben ließe und dies als eigenes Werk präsentierte.

Irgendwie intervenieren müsste ich, das weiß ich, denn das Verhalten schadete ja auch mir. Aber in diesem Text geht es mir nicht um ein Urteil über diesen einen Kollegen, denn mir scheint, er hat vieles nur auf die Spitze getrieben, das gerade in Krisenzeiten sehr verbreitet ist und das heute in der Debatte um den Einsatz von KI erörtert wird.