Litauen hat einen neuen Regierungschef. Staatspräsident Gitanas Nauseda ernannte den Sozialdemokraten Mindaugas Sinkevicius zum Ministerpräsidenten des baltischen EU- und NATO-Landes. Der 42 Jahre alte Chef der Regierungspartei war zuvor vom Parlament in Vilnius bestätigt worden – für ihn votierten 80 Abgeordnete bei zwei Gegenstimmen und 28 Enthaltungen. Sinkevicius war im Zuge einer Koalitionsumbildung in der Vorwoche von Nauseda als Kandidat für die Regierungsspitze nominiert worden. Er löst seine Parteikollegin Inga Ruginiene ab.Nach seiner Ernennung hat Sinkevicius nun 15 Tage Zeit, eine neue Regierung zu formen, deren Mitglieder formal von Nauseda bestätigt werden müssen. Danach muss er sich mit seinem Kabinett und Regierungsprogramm einer weiteren Abstimmung im Parlament stellen. In seiner Rede vor den Abgeordneten versprach der mit einigen Unterbrechungen seit 2011 als Bürgermeister seiner Heimatstadt Jonava amtierende Politiker Stabilität und verantwortungsvolle Regierungsführung.„Litauen durchlebt schwierige Zeiten“, sagte Sinkevicius mit Blick unter anderem auf Russlands Krieg in der Ukraine und die angespannte geopolitische Lage. Das baltische EU- und NATO-Land grenzt an die russische Exklave Kaliningrad und an Russlands Verbündeten Belarus. Der Krieg in der Ukraine wird in Litauen als direkte Gefahr für die nationale Sicherheit gesehen.Die Sozialdemokraten hatten Mitte Juni den Austausch eines Koalitionspartners beschlossen und die Zusammenarbeit mit der populistischen Partei Morgenröte von Nemunas aufgekündigt. Stattdessen haben sie die bislang oppositionelle Demokratische Union Für Litauen in die Regierung eingebunden. Zusammen mit zwei weiteren Partnern hält die neue Koalition 75 der 141 Sitze im Parlament.