Nach der Hitzewelle ist vor dem Unwetter. Noch am vergangenen Wochenende wurden in Deutschland für den Juni Temperaturrekorde gemessen, die sich gleich mehrfach überboten haben. Am Sonntag gab es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mit 41,7 Grad Celsius im brandenburgischen Neißemünde-Coschen einen neuen Hitze-Rekord.Vorläufigen Messergebnissen zufolge soll es sich um den zweitwärmsten Juni seit Beginn der Aufzeichnungen gehandelt haben. DWD-Meteorologen bezeichneten die jüngsten Extremtemperaturen bereits am Montag als eine „Hitzewelle für die Geschichtsbücher“, die den Klimawandel sichtbar mache: „Was früher Ausnahme war, häuft sich zunehmend.“Doch während weite Teile Deutschlands sich gerade noch von Temperaturen oberhalb der 40-Grad-Marke erholen, droht offenbar schon die nächste Extremwetterlage. Bereits am Dienstag prognostizierten die Experten im DWD-Warnlagebericht für einige Regionen „kräftige Gewitter“, die vor allem in der Südosthälfte des Landes Unwetter mit „Starkregen, Hagel und Sturmböen“ mit sich führen können.Es kann zu Überflutungen, vollgelaufenen Kellern, Hochwasser an kleinen Bächen und Flüssen sowie zu Erdrutschen kommen.Adrian Leyser Sturm, „Tornado-Expertengruppe“ des DWD Deutschland: wettertechnisch ein geteiltes Land Wettertechnisch ist Deutschland aktuell ein geteiltes Land. Den DWD-Experten zufolge trennt „eine Luftmassengrenze über der Mitte Deutschlands sehr warme und feuchte Luft im Süden und Südosten von etwas kühlerer Luft im Nordwesten“. In der Nacht zum Mittwoch soll sich die kühlere Luft demnach nur „sehr langsam“ gen Südosten vorwärtsbewegen. Unwetter im Anmarsch: Nach der Hitze folgen Blitze. © dpa/Patrick Pleul Adrian Leyser Sturm von der „Tornado-Expertengruppe“ des Deutschen Wetterdienstes bestätigte dem Tagesspiegel auf Anfrage, dass in Regionen wie Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen und Sachsen „die größte Unwettergefahr“ bestehe. Hier könne es „im Zuge des Luftmassenwechsels“ in der Nacht zum Mittwoch teils zu „schweren Gewittern und Starkniederschlägen kommen“. Drohen Tornados in Deutschland? Bringt die aktuelle Wetterlage in der Knautschzone Mitteldeutschlands mit kalter Luft im Nordwesten und warmer Luft im Südosten ein erhöhtes Risiko für Windhosen oder gar Tornados mit sich? Tornado-Experte Sturm hält solche Bedrohungsszenarien eher für weniger wahrscheinlich: „Einzelne Tornados sind zwar nicht komplett ausgeschlossen, es handelt sich insgesamt aber nicht um eine ausgewiesene Tornadolage“, sagte er dem Tagesspiegel. DWD-Experte warnt vor anderer Wetter-Gefahr Der DWD-Experte warnt stattdessen vor anderen Wetterwidrigkeiten, die es in sich haben könnten: „Die größte Gefahr geht von heftigem Starkregen aus.“ Demnach könnten innerhalb kurzer Zeit Regenmengen von 30 bis 50 Litern pro Quadratmeter niederfallen, regional könnten auch „extreme Mengen“ von bis zu 80 Litern pro Quadratmeter erreicht werden. Sturm ergänzte: „Das entspricht dem ein- bis zweifachen einer üblichen Monatssumme an Niederschlag binnen weniger Stunden.“Dem Tornado-Experten zufolge könne es im Rahmen dieser Starkregenlage zu „Überflutungen, vollgelaufenen Kellern und Hochwasser an kleinen Bächen und Flüssen sowie Erdrutschen kommen“. Autos müssten zudem mit Aquaplaning rechnen. Der Meteorologe ergänzte, dass regional auch „Hagel in Kronkorkengröße“ sowie Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 85 Kilometern pro Stunde möglich seien. DWD-Experte erwartet „herbstlichen Touch“ Sturm zufolge soll sich die Unwetterlage im Hinblick auf Gewitter im weiteren Wochenverlauf beruhigen. Allerdings könnten Tiefausläufer in der Nordhälfte Deutschlands weiterhin für eher „unbeständiges Wetter“ sorgen. „Ein böiger, vor allem an der See teils auch stürmischer West- bis Nordwestwind sorgt bisweilen sogar für einen herbstlichen Touch“, prognostiziert der Tornado-Experte.In der Südhälfte dominiere demnach weiterhin der Hochdruckeinfluss, weshalb es dort viel Sonnenschein und eher wenig Niederschlag geben könnte. „Der Wettergegensatz manifestiert sich auch bei den Temperaturen“, so Sturm. So werde es im Norden Deutschlands nur selten über 25 Grad heiß werden, während es im Süden „insgesamt recht sommerlich weitergeht“. Der Meteorologe betont: „Extreme Hitze ist binnen Wochenfrist aber erst mal nicht zu befürchten.“