5 Milliarden Pfund für Drohnen: Grossbritannien nimmt sich die Ukraine zum VorbildDer scheidende Premierminister Keir Starmer erhöht den Verteidigungsetat des Königreichs um 15 Milliarden Pfund – ein Grossteil davon soll in unbemannte Systeme fliessen. Stattdessen wird bei der Infrastruktur gespart. Bereits hagelt es Kritik.30.06.2026, 16.44 Uhr3 LeseminutenInmitten von Drohnen stellt Keir Starmer am Dienstag seinen Investitionsplan für die Verteidigung Grossbritanniens vor.Stefan Rousseau via APEs war wohl einer der letzten bedeutsamen Auftritte des britischen Noch-Premierministers: Am Dienstag hat Keir Starmer den lange erwarteten Defence Investment Plan vorgestellt. Über die nächsten vier Jahre soll der Verteidigungsetat um 15 Milliarden Pfund (16 Milliarden Franken) aufgestockt werden. Ein Drittel davon soll allein in die Drohnentechnologie investiert werden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Starmer sparte nicht mit Superlativen: Der Plan werde einen grundlegenden Wandel in den Streitkräften herbeiführen, fast 60 000 Arbeitsplätze schaffen und dazu beitragen, eine «europäischere Nato» aufzubauen. In den vergangenen Jahren sei der britische Verteidigungshaushalt ein Fass ohne Boden gewesen, sagte Starmer. «Diesmal muss es anders sein. Wir können nicht einfach mehr Geld ausgeben. Wir müssen es besser ausgeben.»Aus den Plänen des Premierministers lassen sich primär zwei Schlüsse ziehen: Erstens hat Grossbritannien Lehren aus dem Drohnenkrieg in der Ukraine gezogen und setzt einen Schwerpunkt auf günstige, unbemannte Systeme. Zweitens scheint schon jetzt klar, dass das Land bei der Erhöhung seiner Verteidigungsausgaben hinter anderen europäischen Nato-Staaten zurückbleiben wird.Bereits jetzt üben die britischen Streitkräfte mit Drohnen. Künftig werden unbemannte Systeme noch wichtiger sein.Finnbarr Webster / GettyEine «hybride Marine»Für die britischen Streitkräfte wird mit Starmers Plänen durchaus ein grösserer Wandel eingeleitet. Künftig sollen auf allen Ebenen Drohnen und autonome Systeme zum Einsatz kommen. So sollen unter dem Stichwort einer «hybriden Marine» sechs neue Kampfschiffe gebaut werden, die als Kontrollzentren für unbemannte Systeme dienen – etwa Unterwasserdrohnen, die feindliche U-Boote aufspüren können. Stattdessen verwirft die Regierung bestehende Pläne, die veraltete Flotte von Zerstörern mit neuen Modellen zu ersetzen.Die Luftwaffe soll autonome Kampfjets erhalten, die im Verbund mit bemannten Kampfflugzeugen fliegen. Und für die Armee gibt es bereits in den nächsten 12 Monaten 50 Millionen Pfund für die Anschaffung kleiner Propellerdrohnen und von Abfangdrohnen. Teil der Pläne sind auch ein Testzentrum für Drohnen sowie eine Task-Force für die Skalierung der Drohnenproduktion.Die Kriege in der Ukraine und Iran hätten gezeigt, dass sich die Kriegsführung rasch verändere, schrieb das Verteidigungsministerium in einer Mitteilung am Montag. «Kostengünstige Systeme zerstören hochwertige Ziele, und die Innovationszyklen werden in Wochen statt in Jahren gemessen.»Grossbritanniens Streitkräfte sollen also zukunftsfähig gemacht werden – doch woher kommt das Geld dafür? Starmer kündigte am Dienstag an, dass man keine Schulden aufnehmen, sondern Ressourcen umverteilen werde. Öffentliche Dienste wie Schulen und Spitäler sollen dabei verschont bleiben. Stattdessen will die Regierung nicht näher beschriebene Grossprojekte im Strassen- und im Energiebereich zusammenstreichen.Starmer kündigt an, Burnham muss liefernSchon lange ist klar, dass Grossbritannien seine unterfinanzierten Streitkräfte modernisieren muss. Doch die Ausarbeitung des Defence Investment Plan erwies sich als Zangengeburt. Eigentlich hätte er schon im vergangenen Herbst präsentiert werden sollen. Während das Verteidigungsministerium 28 Milliarden Pfund forderte, stellte sich die Finanzministerin Rachel Reeves quer. Anfang Juni reichte der Verteidigungsminister John Healey deshalb seinen Rücktritt ein und warf Starmer vor, die Sicherheit des Landes aufs Spiel zu setzen.Sein Nachfolger Dan Jarvis scheint kompromissbereiter zu sein. Doch mit 15 Milliarden Pfund bleibt die Aufstockung der Verteidigungsausgaben hinter den Erwartungen vieler Politiker zurück. Die Oppositionsführerin Kemi Badenoch bezeichnete den Plan als ungenügend. Er umfasse kaum die Hälfte dessen, was die Streitkräfte forderten. Als «verspätet und unterfinanziert» bezeichneten die Liberaldemokraten das Vorhaben.Tatsächlich werden die angekündigten 15 Milliarden Pfund die britischen Verteidigungsausgaben bis 2030 um lediglich 0,1 Prozentpunkte auf 2,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) erhöhen. Dabei hat sich Grossbritannien verpflichtet, den Etat bis 2035 auf 3,5 Prozent des BIP anzuheben. Starmer verkauft diese Erhöhung im Schneckentempo als grossen Erfolg, während andere europäische Nato-Partner wie Deutschland, Frankreich oder Polen schon viel weiter sind.Ohnehin wird es Keir Starmers wahrscheinlichem Nachfolger Andy Burnham obliegen, das Vorhaben umzusetzen und das Geld zusammenzukratzen. Starmer äusserte sich am Dienstag nicht dazu, ob dieser eingeweiht wurde. Stattdessen deutete er an, dass Burnham dereinst noch höhere Verteidigungsausgaben wird aufgleisen müssen. Der Plan sei «eine Plattform, auf der mein Nachfolger sicherlich aufbauen wird».Passend zum Artikel
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