Tayfun Coskun / Anadolu / GettyEr war der «böseste Mann der Welt», biss einem Gegner ein Stück des Ohrs ab und brachte später Millionen Kinobesucher zum Lachen. Mike Tyson hat sich im Laufe seines Lebens mehrfach neu erfunden.30.06.2026, 16.27 Uhr4 LeseminutenKaum eine Karriere im Weltsport ist von so extremen Gegensätzen geprägt wie die von Mike Tyson. Der Amerikaner gilt als einer der prägendsten Boxer der Geschichte. Doch Tyson war nie nur Sportler: Er war Weltmeister, Straftäter und Skandalfigur zugleich – und später auch Pop-Kultur-Ikone. Bis heute zählt er zu den faszinierendsten und zugleich umstrittensten Persönlichkeiten des Weltsports.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Im November 1986 beginnt Mike Tysons beispielloser Aufstieg. Mit 20 Jahren und 144 Tagen wird er zum bisher jüngsten Schwergewichtsweltmeister der Geschichte. In den kommenden Jahren dominiert er das Schwergewicht, schlägt einen Gegner nach dem anderen. Viele seiner Kämpfe beendet er bereits in der ersten Runde. Durch seine aussergewöhnliche Schlagkraft erhält Tyson den Spitznamen «Iron Mike». Der Weg an die Weltspitze ist jedoch alles andere als einfach.Der junge Mike Tyson auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1985.Manny Millan / Sports Illustrated via GettyVon Brooklyns Armenviertel in den BoxringGeboren wird Mike Tyson am 30. Juni 1966 in Brooklyn, New York. Sein Vater verlässt die Familie, als Tyson zwei Jahre alt ist. Er wächst als Sohn einer alleinerziehenden Mutter in grosser Armut auf und gerät schnell auf die schiefe Bahn. Mit zwölf Jahren soll er bereits 38 Mal von der Polizei festgenommen worden sein. Er kommt an eine Schule für schwer erziehbare Kinder, wo sein Sportlehrer seine Fähigkeiten im Faustkampf erkennt.Der legendäre Boxtrainer Cus D’Amato nimmt den dreizehnjährigen Tyson unter seine Fittiche. Er soll einst über den jungen Tyson gesagt haben: «Der Junge könnte als einer der grössten Kämpfer aller Zeiten in die Geschichte eingehen.» D’Amato bereitet den Jungen in den folgenden Jahren auf eine Laufbahn als Boxer vor. Den grössten Erfolg seines Schützlings erlebt D’Amato nicht mehr. Er stirbt 1985 an einer Lungenentzündung. Tyson wird das später als den schlimmsten Moment seines Lebens bezeichnen.Mike Tyson und sein Promoter Don King im Jahr 1990.The Ring Magazine / GettyUnd so folgen auf den Ruhm der jungen Karriere bald schon Abstürze. Drogenprobleme und finanzielle Krisen überschatten sein Leben. Nachdem er 1992 wegen einer Vergewaltigung verurteilt worden ist, verbringt Tyson drei Jahre im Gefängnis. Im März 1995 wird er wegen guter Führung aus der Haft entlassen. Kamerateams aus aller Welt warten vor dem Gefängnis und übertragen seine Entlassung live.Aus der Haft zum erneuten WeltmeistertitelNach der Haft kehrt Tyson in den Ring zurück und feiert ein erfolgreiches Comeback. Im März 1996 wird er erneut Weltmeister. Drei Monate später wird er von Evander Holyfield entthront. Der Rückkampf im Juni 1997 wird zum Desaster: Tyson beisst Holyfield ein Ohrläppchen ab. Er muss eine Geldstrafe von 3 Millionen Dollar zahlen, und ihm wird die Lizenz entzogen. An seine früheren Erfolge kann Tyson danach nicht mehr anknüpfen. Im Sommer 2005 erklärt er seinen endgültigen Rücktritt vom Boxen. Er wolle dem Ansehen seines Sports keinen weiteren Schaden zufügen.Der Skandalkampf von 1997: Mike Tyson beisst seinem Gegner Evander Holyfield ein Ohrläppchen ab.ImagoMike Tyson als Schauspieler: 2009 im Film «The Hangover».Frank Masi / ImagoDoch Tyson bleibt Thema. 2003 lässt er sich ein Gesichtstattoo stechen, das zu seinem Markenzeichen wird. Er hält sich zeitweise Bengaltiger als Haustiere, kämpft mit hohen Schulden und meldet Insolvenz an. Erst in den folgenden Jahren stabilisiert sich seine finanzielle Situation wieder. 2008 resümiert er selbstkritisch über seine Karriere und sein Leben: «Ich bin überrascht, dass ich überhaupt noch lebe.» Und startet im darauffolgenden Jahr eine neue Karriere.Tyson imitiert Phil CollinsAm 5. Juni 2009 kommt der Film «The Hangover» in die Kinos. In einer Szene kehren die drei Protagonisten nach einer durchzechten Nacht in ihre Luxussuite in Las Vegas zurück. Dort sitzt Mike Tyson an einem Flügel, erhebt sich und imitiert das berühmte Schlagzeugsolo aus Phil Collins’ «In the Air Tonight». Er fordert seinen Tiger zurück, den die drei im Bad der Suite versteckt haben. «Auf diesen Moment habe ich ein Leben lang gewartet», singt Tyson schief zur Stimme von Phil Collins.Die Szene wird zu einer der bekanntesten des Films und zeigt Mike Tyson als wandelbaren Charakter. Dass er einmal Millionen Kinobesucher zum Lachen bringen würde, hätte sich auf dem Höhepunkt seiner Boxkarriere wohl kaum jemand vorstellen können.Am Dienstag feiert er nun seinen 60. Geburtstag. Mit einem rauschenden Fest sei jedoch nicht zu rechnen, sagte er im Mai in der Sendung von Jimmy Kimmel. Anders als früher, als er seine Geburtstage laut eigenen Worten «tagelang durchgefeiert» hat.Der Mann, der einst als «bösester Mann der Welt» galt, scheint seinen Frieden mit der Vergangenheit gefunden zu haben.Mike Tyson auf einer undatierten Aufnahme mit Donald und Fred Trump.Ron Galella / GettyPassend zum Artikel
Mike Tyson wird 60: vom gefürchteten Boxer zur Kultfigur Hollywoods
Er war der «böseste Mann der Welt», biss einem Gegner ein Stück des Ohrs ab und brachte später Millionen Kinobesucher zum Lachen. Mike Tyson hat sich im Laufe seines Lebens mehrfach neu erfunden.








