Volkswagen und Bosch beerdigen ihre ambitionierten Pläne für das autonome Fahren. Dabei sollte die Zusammenarbeit der beiden Schwergewichte doch eine tragende Säule sein im weltumspannenden Konzept der Wolfsburger für diese Zukunftstechnologie. Nun wird das unrühmliche Ende vor allem ein Signal aussenden: Europas größter Autohersteller und der immer noch weltgrößte Automobilzulieferer kriegen es gemeinsam nicht hin! Man muss nicht gleich alles glauben, was in amerikanische und chinesische PR-Schaufenster gestellt wird. Tatsache aber ist, dass es in den USA erfolgreiche Neulinge wie Waymo und Uber gibt, die die Technologie mit Tempo auf die Straße bringen, und in China streben Start-ups für autonomes Fahren an die Börse.Deutschland dagegen lebt schon seit Längerem aus der Substanz. Bislang konnten heimische Industrieikonen noch mit inkrementeller Weiterentwicklung ihre Stellung behaupten. Doch mit dem Durchbruch wirklich neuer Technologien werden die Karten auf vielen Feldern neu gemischt. Es zeigt sich, dass Industrieikonen wie Volkswagen und Bosch zu Giganten geworden sind, die sich vor allem selbst verwalten, aber auf Zukunftsfeldern wie Quantencomputing, Kernfusion oder eben vernetzter Mobilität nicht mehr an der Spitze des Feldes stehen.Das ist weder ein Branchenphänomen noch typisch deutsch: Der Corona-Impfstoff wurde nicht von Big Pharma entwickelt und die Elektromobilität nicht von GM und Ford vorangetrieben. Für Deutschland aber ist das Problem von besonderer Tragweite: Denn die relativ hohen Standortkosten lassen sich nur durch eine überdurchschnittlich hohe Innovationskraft rechtfertigen. Doch wie eine aktuelle Studie von McKinsey zeigt, sind die produktiven Zukunftsinvestitionen hierzulande auf einen Tiefstand gefallen. Die Investoren verlieren das Vertrauen.Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, dass die aktuelle Reformdebatte in der Politik rasch zu echten Kostenreduktionen für Arbeitgeber am Standort Deutschland führt. Doch damit ist es nicht getan. Genauso wichtig ist es, dass ein attraktiver Rahmen geschaffen wird, in dem sich innovative junge Unternehmen bestmöglich entwickeln können. Weniger Auflagen und Bürokratie, mehr leistungsorientierte Vergabe von Aufträgen wären echte Meilensteine für mögliche Weltmarktführer von morgen. Und warum nicht auch mal Mut für Neues entwickeln, etwa mit einem reduzierten Beschäftigungsschutz bei Start-ups, wenn gleichzeitig etwa durch Erfolgsbeteiligungen das Risiko für mutige Mitarbeiter belohnt werden kann? Der Druck ist hoch, denn jede Substanz ist irgendwann einmal aufgezehrt. Es ist höchste Zeit, neue aufzubauen.
Mangelnde Innovationskraft beim Autonomen Fahren: Aus der Substanz
Dass Volkswagen und Bosch beim autonomen Fahren nicht vorankommen, spricht Bände über die Innovationskraft am Standort. Umso wichtiger ist ein entschlossenes Gegensteuern.








