PfadnavigationHomeSportFußballWMNiederlande gescheitert„Begräbnisstimmung“ und schwere Vorwürfe an Trainer KoemanStand: 13:13 UhrLesedauer: 4 MinutenAusgerechnet Cody Gakpo brachte die Elftal in Führung. Aber nach dem Last-Minute-Ausgleich durch Issa Diop nahm das Unglück seinen Lauf, unter anderem für Niederlande-Torwart Bart Verbrüggen. Die Highlights im Video.Auch die Niederlande stehen vor einem Scherbenhaufen. Nach dem Aus gegen Marokko fließen Tränen. Trainer Ronald Koeman gerät massiv in die Kritik. Als Nachfolger wird ein ehemaliger Bundesligatrainer gehandelt.Von Schamfrist konnte keine Rede sein. Ob er dem Verband bereits seinen Rücktritt angeboten habe, wurde Ronald Koeman gefragt – noch bevor die Einzelheiten des Scheiterns, geschweige denn dessen Gründe erörtert worden waren. „Das habe ich nicht getan“, antwortete der Bondscoach bei der Pressekonferenz nach der 2:3 (1:1, 1:1, 0:0)-Niederlage der Niederlande nach Elfmeterschießen gegen Marokko. Er werde aber „in Ruhe über seine Zukunft nachdenken“, so Koeman.Viel Zeit sollte sich der 63-Jährige nicht lassen. Denn dann wäre es wahrscheinlich, dass die Verantwortlichen des Königlichen Niederländischen Fußballbundes (KNVB) für ihn entscheiden werden. Die Kritik an Koeman jedenfalls ist massiv.Von „beschämendem Angsthasenfußball mit fatalen Folgen“ schrieb das niederländische Fachblatt „Voetbal International“. Zlatan Ibrahimovic, der zu Beginn seiner Weltkarriere drei Jahre für Ajax Amsterdam gespielt hatte, nahm den Trainer frontal ins Visier. „Diese Niederlage geht auf das Konto von Koeman“, sagte er beim US-Sender Fox Sports. „Ich habe die Mannschaft nicht wiedererkannt. Koeman hat mit einer Identität verloren, die nichts mit der niederländischen Identität zu tun hat und das macht mich böse“, sagte der Schwede. „Du kannst verlieren, aber dann mit deiner eigenen Identität.“„Es geht darum, besser zu stehen“Kernpunkt der Kritik, die von nahezu allen Medien vorgebracht wurde, war die Abkehr vom typisch niederländischen 4-3-3-System, das Koeman in allen drei Vorrundenspielen (2:2 gegen Japan, 5:1 gegen Schweden und 3:1 gegen Tunesien) hatte spielen lassen. Gegen die Marokkaner vertraute der Trainer aber auf ein 5-2-3. Er bot mit Jan Paul van Hecke, Virgil van Dijk und Nathan Aké drei Innenverteidiger auf. Zusätzlich zogen sich Denzel Dumfries (rechts) und Micky van de Ven (links) teilweise weit zurück. Durch diese Auf- und Einstellung ließ Koeman großen Respekt vor dem Gegner erkennen.„Es geht nicht darum, Angst zu haben. Es geht darum, besser zu stehen“, erklärte Koeman. Er verwies darauf, dass er nicht defensiv per se habe spielen lassen. Schließlich sei es ja bei drei Stürmern geblieben. Es käme auf die Umsetzung an.Lesen Sie auchTatsächlich schien seine Marschroute sogar aufzugehen: Die Marokkaner hatten zwar die besseren Chancen, doch die Niederländer fanden ab Mitte der zweiten Hälfte gut in die Partie und gingen durch Cody Gakpo in der 72. Minute in Führung. „Ich weiß, ich werde gelobt, wenn das 1:1 nicht mehr fällt. Jetzt werde ich kritisiert, weil ich mit fünf Verteidigern gespielt habe“, sagte Koeman. Die Marokkaner hatten sich erst durch einen späten Ausgleich von Issa Diop in die Verlängerung gerettet.Die Frage ist jedoch, ob das Drama, das nach der Verlängerung über die Elftal hineinbrach, durch etwas mehr Mut zuvor hätte verhindert werden können. Denn im Elfmeterschießen zeigten drei Schützen Nerven: Justin Kluivert, Qinten Timber und Crysencio Summervile scheiterten vom Punkt. Der psychologische Knackpunkt war jedoch der zweite Elfmeter Marokkos: Keeper Bart Verbruggen, während des Spiels bester Niederländer, parierte den Schuss – beförderte den Ball aber mit der Ferse unglücklich ins eigene Netz. Es war bereits das dritte Mal nach 2014 und 2022, dass die Niederlande bei einer WM im Elfmeterschießen ausschieden.„Das ist der schrecklichste Moment als Fußballer“, sagte Kapitän van Dijk. Tränen seien geflossen – vor allem auch, weil bis vor dem Anpfiff in Monterrey die Überzeugung geherrscht habe, es könne eine gute WM für Oranje werden. „Wir hatten alle einen großen Traum“, erklärte van Hecke. Mehrere Spieler entschuldigten sich bei den Fans. In der Kabine habe „Begräbnisstimmung“ geherrscht, sagte Marten de Roon, der zudem seinen Rücktritt erklärte.Die Niederlande stehen vor einem Neuaufbau. Bereits für die kommenden Tage wird mit dem Rücktritt von Koeman gerechnet.Als heißester Kandidat auf die Nachfolge gilt der ehemalige Bundesligatrainer Peter Bosz. Der 63-Jährige war für Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen tätig. Aktuell ist er mit der PSV Eindhoven, die er dreimal hintereinander zur Meisterschaft führte, erfolgreich. Erst im Februar hatte er dort seinen Vertrag bis 2028 verlängert. Sein bevorzugtes Spielsystem: das offensive und in den Niederlanden fast schon heilige 4-3-3. Das könnte eine gute Voraussetzung sein, um die Kritiker zu beruhigen.
Niederlande gescheitert: „Begräbnisstimmung“ und schwere Vorwürfe an Trainer Koeman - WELT
Auch die Niederlande stehen vor einem Scherbenhaufen. Nach dem Aus gegen Marokko fließen Tränen. Trainer Ronald Koeman gerät massiv in die Kritik. Als Nachfolger wird ein ehemaliger Bundesligatrainer gehandelt.












