PfadnavigationHomePolitikAuslandStudie„Tief sitzende Ressentiments“ – Wie die Deutschen auf Trumps Amerika blickenStand: 11:26 UhrLesedauer: 3 MinutenFriedrich Merz (CDU, M.) und US-Präsident Donald TrumpQuelle: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpaZwei Drittel der Deutschen haben ein negatives Bild von den Vereinigten Staaten, zeigt eine neue Studie der Naumann-Stiftung. Der Hauptgrund dafür: Präsident Donald Trump. Besonders ausgeprägt ist die Skepsis in zwei politischen Parteien.Beim Gipfel der G-7-Staaten Mitte Juni im französischen Évian sorgte Bundeskanzler Friedrich Merz jüngst mit einem Geschenk für Aufsehen. Der CDU-Chef überreichte dem US-Präsidenten nachträglich zum 80. Geburtstag ein T-Shirt der deutschen Nationalmannschaft, begleitet mit dem Kommentar: „Schließlich spielen wir im selben Team.“Am Vorabend des 250. Geburtstags der Vereinigten Staaten sehen die Bundesbürger diesen Satz des Kanzlers anders. Mit 67 Prozent hat eine klare Mehrheit der Deutschen aktuell ein negatives oder eher negatives Bild der USA. Bei den 18- bis 24-Jährigen sind es sogar 78 Prozent. Der Hauptgrund für die Abneigung gegenüber Deutschlands wichtigstem Alliierten: Donald Trump (55 Prozent).Auch die Frage, wie die Bundesbürger die Rolle der USA historisch einschätzen, beantwortet die Mehrzahl mit 48 Prozent eher negativ oder negativ. Ein positives oder eher positives Bild der Schutzmacht Westdeutschlands seit dem Zweiten Weltkrieg und des wiedervereinigten Deutschlands seit Ende des Kalten Kriegs haben 41 Prozent. Die Ergebnisse einer repräsentativen Studie von Dimap im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung belegen, dass das deutsch-amerikanische Verhältnis just in einer Zeit des historischen Umbruchs auf einem Tiefpunkt angelangt ist. „In der Rechten und der Linken gibt es tief sitzende Ressentiments gegen die USA, die rein ideologisch bedingt sind. Dieser Antiamerikanismus wird weiter vordringen, je mehr die politische Mitte in Deutschland unter Druck gerät“, sagte der FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki WELT. „Es reicht, dass mit Trump ein Präsident am Zug ist, der nicht viel auf die transatlantischen Beziehungen zu geben scheint. Diese Haltung darf sich nicht auch bei uns durchsetzen, denn unsere Wirtschafts- und Friedensordnung hängt an partnerschaftlichen Beziehungen zu den USA.“Eine Analyse der Parteipräferenzen verdeutlicht, dass Anhänger von Parteien wie der Linken und der Alternative für Deutschland (AfD) die deutlichste Abneigung gegenüber Donald Trump und den Vereinigten Staaten hegen. Gleichzeitig plädiert die AfD trotz des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine für enge Bindungen an Moskau.Lesen Sie auchTrotz der generell negativen Haltung zu den USA erkennen die Deutschen an, dass die Vereinigten Staaten in vielen Bereichen besser auf die Zukunft eingestellt sind. Beispielsweise in Hinsicht auf die Verteidigungsbereitschaft, auf Künstliche Intelligenz oder auch in der Frage, wie sehr sich die US-Bürger mit dem eigenen Land identifizieren. In anderen Bereichen hingegen halten die Befragten Deutschland und Europa für besser aufgestellt. Etwa bei Fragen nach Demokratie, Selbstbestimmung, sozialen Sicherheitssystemen sowie Einwanderung und Integration.Lesen Sie auchDie Deutschen gestehen auch ein, dass sie die USA für die eigene Sicherheit weiter brauchen. 60 Prozent sagen, dass Amerika auch in Zukunft ein unverzichtbarer Bündnispartner in der Nato bleibt, und eine klare Mehrheit glaubt nicht, dass sich Europa ohne die USA derzeit gegen einen russischen Angriff verteidigen könnte. Gleichzeitig sagen 74 Prozent, dass Europa sich unabhängiger machen und mehr in die eigene Verteidigung investieren solle. Eine Mehrheit lehnt es aber ab, dass Deutschland und andere europäische Länder zur Abschreckung eigene Atomwaffen stationieren.Auf die Frage, welcher Staat nach Überzeugung der Deutschen in Zukunft den Status der Supermacht hält, heißt die Antwort nicht USA – sondern China. Die Vereinigten Staaten rangieren auf dem zweiten Platz. Den dritten Rang nimmt nicht Europa ein, sondern Russland.Stefanie Bolzen berichtet für WELT seit 2023 als US-Korrespondentin aus Washington, D.C. Zuvor war sie Korrespondentin in London und Brüssel. Hier finden Sie alle ihre Artikel.