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Spionage: Verfassungsschutz mahnt Forscher zur Vorsicht bei China-Kontakten Der Inlandsgeheimdienst warnt vor einem umfassenden System des staatlich gesteuerten Wissenstransfers durch China. Deutsche Forschungseinrichtungen stehen dabei besonders im Fokus.
Dietmar Neuerer 30.06.2026 - 10:00 Uhr Artikel anhörenBundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU): Warnung vor chinesischen Spionage- und Einflussaktivitäten in Deutschland. Foto: Elisa Schu/dpaBerlin. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) schätzt die Bedrohung durch chinesische Spionage- und Einflussaktivitäten in Deutschland als gravierend ein. Das geht aus dem Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2025 hervor, den Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Verfassungsschutz-Chef Sinan Selen am Dienstag in Berlin vorgestellt haben.In dem rund 450-seitigen Bericht widmet die Behörde den Aktivitäten Chinas einen umfangreichen Abschnitt und warnt insbesondere vor der systematischen Ausspähung deutscher Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen. Neben Russland und dem Iran zählt die Volksrepublik demnach zu den drei Hauptakteuren nachrichtendienstlicher Aktivitäten gegen Deutschland.Zudem wurde eine Sonderprüfung und der vorübergehende Stopp aller Forschungsprojekte mit China veranlasst. Für die Prüfung wurde Alexander Geschonneck und dessen forensisches Team von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG beauftragt. Sie sollen nun klären, ob sicherheitsrelevante Forschungsergebnisse an ausländische Stellen gelangt sind. Geschonneck ist Experte bei der Abwehr von Cybercrime. Für KPMG hatte er ab Ende 2019 eine Sonderprüfung der Bilanzen von Wirecard geleitet.Bundeskanzler Merz (M.), Ministerpräsidentin Rehlinger und Gründungsdirektor Backes: Besuch beim Helmholtz-Zentrum in Saarbrücken. Foto: ©CISPA/WeylandDie chinesischen Nachrichtendienste verfolgen laut Verfassungsschutz ein strategisches Ziel: Sie sollen dazu beitragen, die wirtschaftliche und militärische Entwicklung Chinas voranzutreiben und zum 100. Jahrestag seiner Gründung im Jahr 2049 „eine globale Technologieführerschaft zu erreichen“.Dazu betreibe die Volksrepublik seit Jahren „ein umfassendes System des Technologie- und Know-how-Transfers“, heißt es in dem Bericht. „Dieses Ziel wird durch ein strategisches und ganzheitliches Vorgehen konsequent verfolgt, welches von gezielten Unternehmenserwerben über Joint Ventures bis zu Talentprogrammen und Forschungskooperationen reicht“, so der Verfassungsschutz.Gastwissenschaftler als Spionage-HelferIm Zentrum der Warnung steht der Missbrauch wissenschaftlicher Kooperationen. „Die Beschaffung von Technologie und Know-how erfolgt nicht nur über nachrichtendienstliche Netze, sondern auch durch wissenschaftliche Kooperationen mit deutschen Universitäten und (Spitzen-)Forschungseinrichtungen“, stellt der Verfassungsschutz fest.In dem Bericht heißt es, dass „gezielt rechtliche Grauzonen, ein mangelndes Risikobewusstsein sowie die in Deutschland verfassungsrechtlich garantierte akademische Wissenschaftsfreiheit“ ausgenutzt würden, um vor allem chinesische Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler für die strategischen Ambitionen des chinesischen Staates zu instrumentalisieren.Nationale Sicherheit Brisante China-Verbindung – Bund schickt Sonderprüfer zum Helmholtz-Zentrum, Leiter freigestellt Diese würden „mit verschiedenen Mitteln zur Zusammenarbeit“ bewegt. Der Verfassungsschutz nennt finanzielle Zuwendungen, akademische oder berufliche Aufstiegschancen in China oder vertraglich festgelegte Verbindlichkeiten, etwa über die staatlichen Stipendien des sogenannten China Scholarship Council (CSC). Zum Einsatz kämen zudem politische oder nachrichtendienstliche Druckmittel, heißt es in dem Bericht. Bestehende deutsche Visabeschränkungen „zur Verhinderung des Abflusses von relevantem Wissen werden teils gezielt umgangen“, warnt die Behörde.Seit 2017 verpflichtet China seine Bürger per Geheimdienstgesetz, bei Bedarf mit den Nachrichtendiensten zusammenzuarbeiten. Das gilt auch für chinesische Wissenschaftler. Der frühere Präsident des Auslandsnachrichtendienstes BND, Bruno Kahl, verwies schon 2023 auf die etwa 40.000 chinesischen Studierenden in Deutschland, die potenziell entsprechenden Anforderungen unterliegen könnten.Cispa „Sicherheitspolitische Frage ersten Ranges“: China-Affäre um Helmholtz-Zentrum erreicht den Bundestag Auch deutsche und andere nicht-chinesische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stehen im Fokus Chinas. Diese würden „über langjährig gewachsene Kennverhältnisse abgeschöpft oder mittels finanzieller Anreize zum Wissens- und Technologietransfer bewegt“, konstatiert der Verfassungsschutz. Die Behörde stellt fest: „Deutsche Forschungseinrichtungen haben häufig kein ausreichendes Problem- und Risikobewusstsein hinsichtlich des umfangreichen und strategisch ausgerichteten chinesischen Beschaffungsprogramms.“Im Fokus: Quantentechnologie und KIDie Beschaffungsaktivitäten konzentrieren sich laut Verfassungsschutz auf besonders sensible Bereiche. Laut dem Bericht werden „zukunftsrelevante Technologien wie Quantentechnologie, KI, Biotechnologie sowie Hyperschalltechnik und Überwachungstechnologie auch dem chinesischen Militär und Rüstungssektor zugänglich gemacht“. Dies geschehe im Rahmen der sogenannten „zivil-militärischen Fusion“ – einer strategischen Verschmelzung ziviler und militärischer Forschung und Entwicklung.Auch das Cispa befasst sich mit Themen aus sicherheitsrelevanten Bereichen. Insgesamt identifizierte das Handelsblatt 123 wissenschaftliche Veröffentlichungen des Cispa aus den Jahren 2020 bis 2025, in denen es unter anderem um Gesichtserkennung, Angriffe auf KI-Modelle, Desinformationskampagnen, Schwachstellenanalysen und mögliche Hintertüren in digitalen Systemen geht. Das Cispa gilt als eine der wichtigsten deutschen Einrichtungen für Cybersicherheitsforschung.Geheimdienste Unter Vorwand nach China gelockt – Spionagefall erschüttert deutsche Forschungseinrichtungen Neben dem Wissenschaftsbereich stehen laut Verfassungsschutz auch „Ziele in Politik und Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft sowie dem Militär im Fokus chinesischer Dienste“. Die Nachrichtendienste würden „am Umbau der Volkswirtschaft zu einer führenden Industrienation“ beteiligt. „So setzen sie zahlreiche wirtschaftspolitische Masterpläne und Strategien zur Erlangung von Markt- und Technologieführerschaft in wesentlichen Sektoren mit um.“Im Cyberraum registriert der deutsche Inlandsgeheimdienst ebenfalls eine anhaltend hohe Bedrohung. Staatliche oder staatlich gesteuerte Cyberangriffe dienten der Informationsbeschaffung für Chinas globale Ambitionen. Das Ministerium für Staatssicherheit (MSS) sei „auch im Bereich von Cyberspionageoperationen aktiv“, wobei „Hochwertziele westlicher Staaten, insbesondere zu Themen der Außen- und Sicherheitspolitik“, im Fokus stünden, heißt es in dem Bericht. Verwandte Themen ChinaDeutschlandBerlinBundesamt für VerfassungsschutzCSUAlexander DobrindtNationale Sicherheit „Sehr hohes Risiko“: Welche chinesischen Universitäten für deutsche Forscher gefährlich werden können Mit der 2024 gegründeten Cyberspace Force (CSF) verfüge China dem Verfassungsschutzbericht zufolge über eine eigene Waffengattung „für Cyberspionage, Cyberoffensiven, elektronische Kriegsführung sowie Forschung und Entwicklung“ unter dem Kommando der Zentralen Militärkommission.„Neben der Durchführung von Cyberspionage fällt auch die übergreifende Forschung – etwa nach Softwareschwachstellen – und die Entwicklung von damit einhergehenden Exploits in die Zuständigkeit der CSF“, erläutert die Behörde die Aufgaben der neuen Einheit. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige FREITAG® Immobilien FREITAG® Immobilien – Ihr Makler und Gutachter für München & Starnberg Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! Anzeige STELLENMARKT Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden Anzeige Expertentesten.de Produktvergleich - schnell zum besten Produkt






