AnalyseDer SDax-Konzern hat sich zu einem der stärksten deutschen Industriewerte entwickelt. Er profitiert von Investitionen in die Energie- und Wassernetze, das wachsende Servicegeschäft erhöht die Stabilität. Eine Besonderheit ermöglicht den günstigen Einstieg für Investoren.Sebastian Lang29.06.2026, 21.56 UhrDas SDax-Unternehmen KSB betreibt ein öffentlich wenig sichtbares Geschäft. Der 1871 gegründete Konzern aus Frankenthal in der Pfalz entwickelt Pumpen, Steuerungselemente (auch Armaturen genannt) und automatisierte Systeme für den Transport von Flüssigkeiten. Die Grosskunden nutzen diese Produkte dort, wo kritische Infrastruktur zuverlässig funktionieren muss, von Wasserwerken und Kraftwerken über Chemieanlagen bis hin zu Rechenzentren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Kühlwasserpumpe von KSB für das Kraftwerk Moneypoint in Irland.ZVGDie unauffällige Fassade verbirgt jedoch einen global aufgestellten Anbieter mit hoher Preissetzungsmacht, steigenden Serviceerlösen und einer aussergewöhnlich breiten Diversifikation über unterschiedliche Endmärkte. Im fragmentierten Markt für Pumpen ist KSB mit gut 5% Marktanteil die globale Nummer drei. Nur Grundfos und Xylem haben mit 9,1 beziehungsweise 7,8% ein grösseres Gewicht.Hinzu kommt, dass viele der Wachstumstreiber von KSB weitgehend unabhängig vom kurzfristigen Konjunkturzyklus sind. Investitionen in Stromnetze, Wasserinfrastruktur, Rechenzentren und die Modernisierung industrieller Anlagen dürften über Jahre hinweg für eine stabile Nachfrage sorgen.Das Unternehmen ist seit 1895 an der Frankfurter Wertpapierbörse kotiert. The Market hatte KSB im August 2025 als eine SDax-Perle empfohlen. Seitdem war der Kurs der Stammaktien zwischenzeitlich bis auf 1290 € gestiegen, dann aber wieder auf das Ausgangsniveau zurückgefallen.Den Jahresumsatz von über 3 Mrd. € zählt erzielt KSB zu einem grossen Teil auf sechs Kernmärkten: Allgemeine Industrie, Bergbau, Energie, Gebäudetechnik, Petrochemie/Chemie und Wasser. Der Konzern hat sich durch hohe Ingenieurskompetenz, eigene Werkstoffentwicklung sowie vertikal integrierte Fertigungskapazitäten nachhaltige Wettbewerbsvorteile erarbeitet.Die Situation war nicht immer so vorteilhaft wie heute. Lange Zeit war KSB stark von kapitalintensiven Grossprojekten in der Öl- und Gasindustrie sowie im konventionellen Kraftwerksbau abhängig. Der massive Ölpreisverfall Mitte der 2010er Jahre und die schwächere Investitionstätigkeit in beiden Endmärkten führten zu erheblichen Belastungen bei Auftragseingang, Umsatz und insbesondere der Profitabilität.Wandel durch neues Team mit Private-Equity-ErfahrungDie strukturelle Wende gelang 2018 dank eines Personal- und Strategiewechsels. 2017 kam der heutige CEO Stephan Timmermann von MAN Diesel & Turbo. Der ebenfalls noch heute tätige CFO Matthias Schmitz kehrte im gleichen Jahr zu KSB zurück, wo er 1993 als Trainee begonnen und es binnen vier Jahren bis zum Leiter Controlling gebracht hatte. Danach sammelte er Erfahrung als CFO einer Tochter des Lagerlogistikers Kion und als CFO des Metallspeziallisten H.C. Starck. Beide Unternehmen waren damals im Besitz von US-Private-Equity-Fonds, so dass Schmitz dort einiges über die Optimierung von Unternehmensstrukturen und Finanzierung gelernt hat, was er bei KSB einsetzt.Die Neuausrichtung bestand aus drei zentralen Veränderungen: einer stärkeren Fokussierung auf wassernahe Anwendungen, dem systematischen Ausbau des Service- und Ersatzteilgeschäfts sowie Effizienz- und Kostenprogrammen zur Stabilisierung der Profitabilität. Diese Neuausrichtung zielte darauf ab, den Anteil wiederkehrender und margenstabilerer Erlöse zu erhöhen. Inzwischen generiert der Servicebereich mehr als ein Drittel des Konzernumsatzes und gilt als wichtiger Stabilitätsanker, da er weniger konjunkturabhängig ist als das angestammte Projektgeschäft.Seit 2023 befindet sich KSB nun in der nächsten Entwicklungsphase, in der die Skalierung des Geschäftsmodells im Vordergrund steht. Bis 2030 soll ein Umsatz von über 4 Mrd. € sowie eine nachhaltig verbesserte Ebit-Marge von mehr als 10% erreicht werden (2025: 8,3%). Die Hebel dafür sind klar definiert: der weitere Ausbau des Servicegeschäfts, Effizienzsteigerungen durch Digitalisierung und Prozessharmonisierung sowie Wachstum in strukturellen Nachfragefeldern wie Wasserinfrastruktur, Energieinfrastruktur, Rechenzentren, Wärmepumpen und wasserstoffbezogenen Anwendungen. Zwar zählt KSB weiterhin zu den wichtigen Zulieferern der Energiekonzerne für Upstream-, Midstream- und Downstream-Anwendungen. Der Bereich Öl und Gas dürfte heute jedoch nur noch einen niedrigen zweistelligen Prozentbeitrag zum Konzernumsatz leisten. Eine Aufschlüsselung der Umsätze nach Endmärkten veröffentlicht KSB allerdings nicht.Während Europa vor allem durch Ersatzinvestitionen, die Modernisierung bestehender Infrastruktur und ein stark ausgeprägtes Servicegeschäft geprägt ist, entsteht das Wachstum zunehmend in Asien, wo Urbanisierung, Industrialisierung und der Ausbau wasser- und energieintensiver Infrastruktur gleichzeitig voranschreiten. Hinzu kommen der steigende Bedarf an zuverlässiger Wasser- und Abwassertechnik in stark wachsenden Metropolen sowie Investitionen in Energie- und Produktionskapazitäten.Entsprechend eindrucksvoll ist die finanzielle Entwicklung der vergangenen Jahre, ungeachtet eines von makroökonomischen Gegenwinden geprägten Umfelds. Zwischen 2021 und 2025 stieg der Umsatz mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 6,7% pro Jahr, während sich die Ebit-Marge gleichzeitig um 2,3 Prozentpunkte auf 8,3% verbesserte. Bei der Profitabilität liegt KSB gleichwohl weiterhin ein ganzes Stück hinter den börsennotierten Wettbewerbern (siehe Bewertungstabelle am Artikelende).Grundlagen der positiven Entwicklung sind eine konsequente organisatorische Straffung und die Digitalisierung zentraler Prozesse. CEO Stephan Timmermann sieht weiteres Effizienzpotenzial: Neben der Einführung von SAP S/4HANA soll vor allem der verstärkte Einsatz digitaler Anwendungen im Servicegeschäft Produktivität und Margen weiter verbessern. Kurzfristig verursacht der SAP-Umstieg spürbare Zusatzkosten, was das Ergebnis 2026 belasten dürfte.Vorsichtige Prognose trotz starker AusgangspositionAuch deshalb rechnet KSB für 2026 lediglich mit einem Ebit von 220 bis 265 Mio. €, im ungünstigsten Fall also 13% weniger als im Vorjahr. Ausserdem geht CEO Timmermann davon aus, dass sich der aussergewöhnlich günstige Projektmix im Pumpengeschäft diesmal nicht wiederholen wird. Er ist allerdings für seine vorsichtige Kommunikationsstrategie bekannt. Beispielhaft dafür ist, dass er bereits kurz nach Beginn des Iran-Kriegs auf mögliche negative Auswirkungen hinwies.Tatsächlich entwickelt sich der Auftragseingang jedoch weiterhin stark und stieg im ersten Quartal organisch um 19% zur Vorjahresperiode auf 1 Mrd. €. Im März wurde sogar der bislang grösste Einzelauftrag der Firmengeschichte verbucht. Dabei handelte es sich um acht Hauptkühlmittelpumpen für ein Kernkraftwerk in Osteuropa mit einem Gesamtwert von mehr als 150 Mio. €. Angesichts eines Book-to-Bill-Verhältnisses von 1,4 ist die Ausgangsposition für die kommenden Quartale jedenfalls unverändert stark; Werte über eins zeigen ein anziehendes Geschäft an.Der Analystenkonsens hat seine Erwartungen seit Jahresanfang zwar reduziert, bleibt jedoch optimistisch und geht davon aus, dass KSB 2026 das obere Ende seines Prognoseintervalls erreichen wird. Das entspräche einem Ebit-Wachstum von rund 5%. Das Erreichen der 2030-Ziele würde implizit ein jährliches Ebit-Wachstum von durchschnittlich mindestens 10% pro Jahr von 2025 bis 2030 bedeuten. Angesichts der strukturellen Wachstumstreiber sowie der erwarteten Effizienzgewinne im Geschäftsmodell erscheint dies durchaus realistisch.Kapitalallokation als QualitätsmerkmalMindestens ebenso wichtig wie das erwartete Gewinnwachstum ist die Frage, ob dieses wertschaffend erzielt wird. Die Entwicklung des Free Cashflows verläuft bei KSB deutlich volatiler als die des operativen Ergebnisses. Aufgrund des projektlastigen Geschäfts und teils erheblicher Schwankungen im Working Capital fällt die FCF-Marge von Jahr zu Jahr unterschiedlich aus. Hinzu kommt, dass die Strategie «Mission TEN30» bewusst auf profitables Wachstum und nicht auf eine kurzfristige Maximierung des Cashflows ausgerichtet ist. Entscheidend ist jedoch, dass die getätigten Investitionen eine Rendite oberhalb der Kapitalkosten erwirtschaften. Genau das gelingt KSB mit einer Rendite auf das investierte Kapital (ROIC) von seit mehreren Jahren deutlich über 10%.Bilanziell präsentiert sich KSB ebenfalls in guter Verfassung. Eine hohe Eigenkapitalquote von rund 50% sowie eine komfortable Netto-Cash-Position verschaffen dem Unternehmen den finanziellen Spielraum, um in Wachstum zu investieren und gleichzeitig eine attraktive Dividende auszuschütten.Bewertungsabschlag trotz operativer StärkeTrotz insgesamt stabiler Wachstumsperspektiven wird KSB weiterhin mit einem klaren Bewertungsabschlag gegenüber typischen Qualitäts-Industriewerten gehandelt, sichtbar in einem einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis sowie dem niedrigen Unternehmenswert im Verhältnis zum Ebitda. Dies deutet darauf hin, dass der Markt entweder die zyklische und projektgetriebene Natur des Geschäfts übergewichtet oder das strukturelle Wachstumspotenzial im Service- und Wasserbereich noch nicht vollständig einpreist.Auch im direkten Peer-Vergleich mit Sulzer, Flowserve und Interpump zeigt sich dieser Abschlag deutlich, da KSB mit spürbarem Rabatt gegenüber der Vergleichsgruppe bewertet wird. Trotz der niedrigeren Profitabilität und Rentabilität von KSB wirkt der Abschlag überzogen, zumal das bislang erfolgreiche Management das Problem erkannt hat und Potenzial bei der Marge heben will.Die besondere Eigentümerstruktur dürfte ein wesentlicher Grund dafür sein, weshalb KSB trotz der operativen Fortschritte unter dem Radar vieler Investoren bleibt. Die Gründerfamilie Klein hält über die Johannes und Jacob Klein GmbH rund 84% der Stammaktien, wodurch der handelbare Streubesitz begrenzt ist. Gleichzeitig begünstigt die stabile Eigentümerstruktur eine langfristig ausgerichtete Unternehmensführung, was sich unter anderem in der disziplinierten Kapitalallokation der vergangenen Jahre widerspiegelt.Nach dem starken Lauf der letzten Jahre musste die Aktie infolge der konservativen Prognose des Managements für das Geschäftsjahr 2026 zuletzt Federn lassen. Langfristig orientierte Anleger sollten diese attraktive Einstiegsmöglichkeit ausnutzen.