Neulich irgendwo in Frankreich. Der Ort tut kaum etwas zur Sache, die folgende Szene könnte sich überall ereignen. In einem anderen Land der EU. Auch in Deutschland. Obwohl hier gleich etwas Riskantes passiert: Eine Gruppe Reisender checkt abends in einem Hotel ein, die Rezeptionistin verlangt nach den Ausweisen und fotografiert sie ab.Klingelt es bei jemandem? Richtig: Das ist genau genommen verboten, zumindest laut EU-Datenschutzgrundverordnung, denn es öffnet dem Identitätsdiebstahl Tür und Tor. Hacker brauchen nur durchzuspazieren. So wie vorigen Sommer, als Zehntausende Scans von Reisepässen und Personalausweisen aus Luxushotels in Italien im Darknet landeten. Dort wurden sie zu Preisen von bis zu 10.000 Euro angeboten.Einmal in den falschen Händen, sind die Aufnahmen Gold wert. Mit gekaperten Identitäten lassen sich Mobilfunkverträge abschließen, im Internet Autos mieten oder sogar erwerben, Fakeprofile für Verkaufs- und Datingplattformen oder Kryptobörsen erstellen und in manchen Ländern auch Konten zur Geldwäsche eröffnen. Wenn es dumm läuft, steht nach dem Urlaub die Polizei vor der Tür – weil man einer Straftat beschuldigt wird.Und plötzlich ist man SteuerhinterzieherSo wie eine Gastwirtin aus Tirol. Sie soll als Gesellschafterin einer Hamburger Firma Steuerhinterziehung, Diebstahl und Betrug begangen haben. Den Vorwurf kann sie glaubwürdig entkräften. Später kommt ein Verfahren wegen Finanzbetrugs in Höhe von rund zwei Millionen Euro hinzu. Und das alles, weil sich Kriminelle eine Kopie ihres Ausweises erschlichen haben.Trotzdem praktizieren zahlreiche Hoteliers an der DSGVO vorbei – und aus der Reisegruppe in Frankreich meldet sich an diesem Abend nur zaghaft Widerspruch. Die Rezeptionistin verweist an den Chef. Der sei am nächsten Morgen zu sprechen. Sie führe hier lediglich Anweisungen aus.„Es ist ein Klassiker, den wir immer wieder im Datenschutz sehen“, sagt Fachanwalt Thomas Kolb aus Mannheim. „Die Pflicht, die Identität durch die Vorlage eines Ausweises zu verifizieren, wird überinterpretiert. Wahrscheinlich auch, weil es einfacher ist, eine Kopie anzufertigen, als fremdländische Namen und Ausweisnummern händisch in ein Formular einzutragen.“ Als Gast, insbesondere im Urlaub, sei man in guter Stimmung und wolle bei der Ankunft im Hotel nicht gleich auf Konfrontation gehen.
Vorsicht vor Betrug im Hotel: Ausweis nie kopieren lassen
Die Vorlage eines Passes öffnet oft die Türen von Hotelzimmern, Ferienwohnungen, Mietwagen. Doch Kriminelle warten nur darauf, dass Urlauber ihre Dokumente arglos kopieren lassen oder im Internet hochladen.










