Verkehrspolitisch sozialisiert wurde Razavi in der Ära von Ministerpräsident Günther Oettinger. Es ist die Zeit 2006ff, als der Nachfolger von Erwin Teufel die absolute Mehrheit für seine CDU nur ganz knapp verpasste und das da schon seit über zehn Jahren vorangetriebene Projekt politisch und finanziell endlich in trockene Tücher bringen wollte. In seiner Regierungserklärung 2007 schwärmte der Ministerpräsident vom Aufstieg der Landeshauptstadt in die Champions League, und dass Stuttgart dank des Tiefbahnhofs Weltklasse werde, zu nennen "in einem Atemzug mit Barcelona, Hamburg und Wien".

Oettinger hat als einer der ganz wenigen Anhänger:innen des Tiefbahnhofs mit einer vorsichtigen Aufarbeitung der verkorksten Vergangenheit begonnen. Er räumte kürzlich öffentlich immerhin ein, dass "vieles nicht so gelaufen ist, wie wir uns das vorgestellt haben" und dass sich die Projektpartner zu sehr auf die Deutsche Bahn verlassen hätten. "Auf wen denn sonst?", fragt der frühere Regierungschef heute trocken.

Sachlichkeit liegt der CDU-Abgeordneten nicht

Razavi will auf Kontext-Nachfrage nicht preisgeben, was sie sich heute so denkt über den Tiefbahnhof und seine Zukunft oder gar über ihre unkritische Haltung der DB gegenüber. Dabei wird auf alle Befürworter:innen zwangsläufig zurückfallen, wie sie auf die immer neuen Problemanzeigen in der Regel reagiert haben: mit Hohn, Häme und Polemik. Sachlichkeit im Umgang mit Einwänden blieb schmerzhaft selten. Und die neue Ministerin zählte im Landtag zu denen, die sich zügig aus dem schwarzen Giftschrank zu bedienen pflegten, erst recht nach dem Machtverlust von 2011.