PfadnavigationHomePolitikAuslandUkraine-Krieg„Oder es gibt gar kein Russland“, warnt Putin – und beklagt „beispiellosen Druck“ westlicher ElitenStand: 10:43 UhrLesedauer: 4 MinutenRussland kämpft mit einer Treibstoffkrise infolge ukrainischer Angriffe auf Raffinerien. Präsident Putin räumt Versorgungsprobleme ein und erwägt ein Exportverbot für Diesel.Wladimir Putin gesteht ein, dass Russland „eine schwierige Phase“ durchmache. Bei einer Rede auf einer Parteikonferenz äußert er sich ausführlich zu Treibstoffmangel und anderen Problemen.Der russische Präsident Wladimir Putin hat eingestanden, dass sein Land schwere Zeiten durchmache. Moskau werde jedoch alle sozialen Verpflichtungen den Bürgern gegenüber einhalten, erklärte er am Sonntag bei einer Konferenz seiner Regierungspartei Geeintes Russland. Die Parteiführung war zusammengekommen, um die Linien für die Parlamentswahlen im September festzulegen.Angesichts der „aktuellen Situation“ werde es einige Plananpassungen geben, „aber alle strategisch wichtigen Entwicklungsprogramme im Inland werden zweifellos vollständig umgesetzt“. Lesen Sie auchRussland werde weiter Wohnungen und Straßen bauen, neue, moderne und gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen und heimische Unternehmen unterstützen, sagte Putin. „Wir machen eine schwierige Phase durch, aber das hat uns einiges gelehrt und erkennen lassen, was es bedeutet, ein russischer Bürger zu sein.“„Ich wiederhole: Russland kann nur eine starke und unabhängige Macht sein. Entweder ist es das, oder es gibt gar kein Russland“, heißt es in der Rede, die der Kreml auch auf Englisch veröffentlicht hat. Angesichts der aktuellen Versorgungsprobleme mit Treibstoff hat Putin eine Krisensitzung einberufen. Zuallererst müssten die Auswirkungen der wiederholten ukrainischen Angriffe gegen Raffinerien und anderen Objekten der Erdölindustrie abgefedert werden. „Wir müssen die Folgen terroristischer Anschläge auf unsere zivilen Einrichtungen und die Infrastruktur reduzieren“, wurde er von der Staatsagentur Tass zitiert. An der Sitzung nahmen Vertreter diverser Ministerien sowie der wichtigsten Erdöl-Produzenten Russlands teil.Die zuletzt verstärkten ukrainischen Angriffe gegen die Erdölindustrie in Russland haben zu ernsthaften Versorgungsproblemen geführt. „An den Tankstellen gibt es Warteschlangen, die benötigten Benzinsorten sind nicht immer vorrätig“, sagte Putin. Er bestätigte, dass bereits über ein Exportverbot für Diesel-Treibstoff nachgedacht werde. Russland habe inzwischen begonnen, seine Benzinreserven anzuzapfen.Lesen Sie auchPutin erwartete schon im Juli eine deutliche Erhöhung der Produktion der wichtigsten Treibstoffarten. „Die sich stellenden außergewöhnlichen Aufgaben werden gelöst, und zwar klar, zügig und kompetent im Interesse des Landes und unserer Bürger“, gab er den Produzenten und Ministerien eine klare Marschrichtung vor.Putin beklagt „beispiellosen Druck“ westlicher ElitenIn dem seit mehr als vier Jahren andauernden Krieg mit der Ukraine gab sich Putin siegessicher. Die russische Armee werde weiterhin alles unternehmen, um die Ziele der Spezialoperation, wie der Angriffskrieg gegen die Ukraine in Moskau offiziell genannt wird, umzusetzen, betonte Putin in einem Interview des Korrespondenten des russischen Staatsfernsehens, Pawel Sarubin.Putin begründete seinen Optimismus unter anderem mit einem „katastrophalen Personalmangel“ der ukrainischen Streitkräfte. Er behauptete, dass den russischen Streitkräften der Vorschlag unterbreitet worden sei, die Kampfhandlungen auf vier Gebiete in der Ostukraine zu beschränken. Dies würde Kiew die Möglichkeit geben, Truppen aus anderen Gebieten in diese Regionen zu verlegen. „Aber die Rettung des Kiewer Regimes ist nicht Teil unserer Pläne.“ Einen ukrainischen Vorschlag für einen gegenseitigen Verzicht auf Langstreckenangriffe lehnte Putin ab.Seiner Ansicht nach strebe der Westen weiterhin danach, Russland eine strategische Niederlage zuzufügen. „Dem Westen gelingt es nicht, Russland auf dem Schlachtfeld zu besiegen, deshalb versucht er, die politische Lage zu destabilisieren, doch auch das gelingt ihm nicht“, sagte der Kremlchef. Russland sehe sich aktuell einem „beispiellosen Druck“ seitens westlicher Eliten ausgesetzt, erklärte Putin. Er warf dem Westen vor, die Angriffe Kiews gegen Russland zu ignorieren. „Und gleichzeitig verhängt er gerade gegen uns immer neue – ich betone: unrechtmäßige – Sanktionen“, sagte er und wies seinem Land, das seit über vier Jahren einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, damit eine Opferrolle zu.„Ja, wir sehen Probleme“, sagte Putin weiter. „Wir sind uns dessen bewusst, reagieren darauf, werden aber auf jeden Fall sowohl die Sicherheit des Landes als auch die unserer Bürger sowie die Unverletzlichkeit unserer Grenzen auf lange Sicht gewährleisten.“Putin hat bisher jede friedliche Lösung und den Weg zu möglichen Friedensgesprächen abgelehnt. Auch ein Angebot aus Kiew zu einem direkten Gespräch Putins mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj wurde zurückgewiesen. Moskau beharrt stattdessen auf seinen Maximalforderungen, zu denen unter anderem die komplette Kontrolle über den Donbass gehört.Russland überzieht das Nachbarland nahezu täglich mit Luftangriffen. Zuletzt hatte die ukrainische Armee ihrerseits ihre Luftangriffe auf Ziele innerhalb Russlands ausgeweitet. Dabei greift die ukrainische Armee nach Angaben Kiews neben militärischen Einrichtungen vorrangig die russische Öl- und Energieinfrastruktur an.AP/AFP/dpa/doli/luwi/ll