Kurz vor dem Nato-Gipfel im Juli in Ankara mehren sich Stimmen aus Europa, die die Einheit des Bündnisses beschwören. So hat der norwegische Finanzminister und ehemalige Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg die Bündnispartner vor dem anstehenden Treffen zu mehr Zusammenhalt aufgerufen. Seiner Einschätzung nach bleibt Washington auf seine Verbündeten in Europa angewiesen.»Es liegt im nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten, eine starke Nato zu haben«, sagte der Stoltenberg in einem Interview mit der Zeitung »Welt« . »Die Verteidigung der USA beginnt an der europäisch-russischen Grenze.« So befinde sich direkt jenseits der norwegischen Grenze auf der russischen Kola-Halbinsel eines der weltgrößten Atomwaffenarsenale. »Diese Waffen sind nicht auf Oslo gerichtet – sie sind auf Washington und New York gerichtet. Aber Norwegen hilft dabei, die russischen U-Boote zu tracken, wenn sie ihre Stützpunkte verlassen.«»Weiter sagte er, Norwegen helfe auch bei der Frühwarnung vor Raketen und dem Start von Flugzeugen. »Und ähnlich verhält es sich in Finnland und vielen anderen europäischen Ländern. Das ist entscheidend für die Sicherheit der Vereinigten Staaten«, betonte er.Mit Blick auf den anstehenden Nato-Gipfel am 7. und 8. Juli in Ankara und die wiederholte Kritik von US-Präsident Donald Trump an den Partnern in Europa sagte Stoltenberg der »Welt«: »Natürlich gibt es zwischen den USA und Europa ernsthafte Meinungsverschiedenheiten in den Bereichen Handel, Klima und auch bei Sicherheitsfragen. Ich unterschätze diese Herausforderungen nicht.« Dennoch sei er zuversichtlich, dass die Nato eine starke transatlantische Allianz bleiben könne.