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Nato: Europäer befürchten den Clash mit Trump Bei einem Treffen in Berlin schart Kanzler Merz die europäischen Partner um sich. Europa will ein Signal der Einigkeit senden – und stellt sich auf neue Konflikte mit der US-Regierung ein.

Dana Heide, Moritz Koch, Elisabeth Postl und Frank Specht 24.06.2026 - 17:31 Uhr Artikel anhörenNationalgardist bewacht den „Reflecting Pool“ in Washington: Was für die Algenplage gilt, gilt auch für den Irankrieg. Foto: AFPBerlin, Brüssel. Donald Trump ist auf der Suche nach Schuldigen, im Kleinen wie im Großen. Seit Tagen schon beschäftigt das berühmte Spiegelbecken in Washington den amerikanischen Präsidenten. Kurz nach Abschluss der von ihm angeleierten Renovierungsarbeiten schwappte eine grünbraune Algensuppe im „Reflecting Pool“. Dabei hatte Trump strahlendes Blau versprochen, ein Blau wie auf der US-Fahne. Trump vermutet kriminelle Machenschaften seiner Gegner – und lässt Sicherheitskräfte aufmarschieren.In Europa könnte man über diese Posse schmunzeln, wenn sie nicht ein Lehrstück über das Krisenmanagement der Trump-Regierung wäre. Läuft es schlecht für den Präsidenten, muss ein Sündenbock her. Was für die Algenplage gilt, gilt auch für den Irankrieg – und hier sind es die Europäer, die Trumps Groll auf sich ziehen.Am Montag griff Trump die Nato-Partner scharf an. Sein Vorwurf: Nato-Staaten wie Spanien und Italien hätten es den USA verweigert, ihre Militärbasen für Angriffe auf den Iran zu nutzen. „Sie waren nicht für uns da“, zürnte Trump.Der Präsident spürt offenbar, wie schwer es wird, den Friedensplan, auf den sich die US-Unterhändler mit den Iranern verständigt haben, als Erfolg zu verkaufen. Selbst im Lager der Trump-Unterstützer ist von einer Niederlage für Amerika die Rede. „Trump will einen Sündenbock finden“, sagt der frühere Spitzendiplomat Peter Wittig. Deshalb sei die Lage momentan so brenzlig. „Die Europäer müssen alles dafür tun, die europäische Säule der Nato zu stärken.“Reduzierte US-Streitkräfte in EuropaGenau darum geht es in Berlin. Aus den „europäischen drei“ wurden nun die „europäischen fünf“: Bundeskanzler Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Großbritanniens (Noch-)Premier Keir Starmer haben auch Italiens Premierministerin Giorgia Meloni und Polens Ministerpräsidenten Donald Tusk dazu geladen. Das Treffen soll das Signal senden, dass die Europäer an einem Strang ziehen.Die europäischen Partner im nordatlantischen Bündnis stehen vor einer harten politischen Realität: Die USA wollen ihr Engagement in Europa verringern und sich stärker der Rivalität mit China zuwenden. Das hat zunächst wenig mit Trumps Launen zu tun, sondern mit einem strategischen Kalkül. Und wenn dieser Prozess kontrolliert verläuft, können sich die Europäer darauf einstellen. Ihre Militärbudgets haben viele Nato-Staaten schon deutlich erhöht. Doch Trump bringt ein Element der Unberechenbarkeit in die Allianz, das durch die Uneinigkeit wichtiger Akteure in Washington noch verstärkt wird.Während Elbridge Colby, Staatssekretär im Pentagon, von einer Nato 3.0 spricht, die Anstrengungen der Europäer lobt und dabei gerade Deutschland hervorhebt, wetterte Verteidigungsminister Pete Hegseth jüngst im Nato-Hauptquartier: „Einige der größten Volkswirtschaften der Nato, einige unserer reichsten Länder, Verbündete, die am liebsten über die regelbasierte internationale Ordnung und das Zusammenstehen von Mittelmächten sprechen, scheinen immer noch zu glauben, dass die Ära des Trittbrettfahrens weitergeht.“Schon zuvor war bekannt geworden, dass die Regierung in Washington wichtiges Militärgerät, das sie bei der Nato für die Verteidigung Europas angemeldet hat, nicht mehr bereitstellen will. So sollen die Tankflugzeug- und Kampfjetflotte verkleinert, ein Flugzeugträgerverband abgezogen werden.Rutte gibt einmal mehr den Trump-FlüstererDie „E5“ wollen in Berlin besprechen, wie es militärisch weitergehen kann. Um einen Draht ins Weiße Haus herzustellen, wollte auch Mark Rutte virtuell an dem Treffen teilnehmen. Der Nato-Generalsekretär ist gerade in Washington, um auf Trump einzuwirken. Bisher ist es dem Niederländer mit Schmeicheleien stets gelungen, Amerikas Präsidenten zu besänftigen. Aber selten war die Lage so kritisch wie jetzt.Rutte wehrte sich am Mittwoch gegen Vorwürfe, die Europäer täten zu wenig für ihre Verteidigung. „Was die Nato angeht, weiß ich, dass es Enttäuschung gibt, aber wir sollten auch bedenken, dass es sich hierbei um Einzelfälle handelt“, sagte er dem US-Sender Fox News.Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD): Trump beweisen, dass man selbst aktiv werden kann. Foto: Kay Nietfeld/dpaAuch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) versuchte, die Lage zu entspannen. Die US-Ankündigung bezeichnete er diese Woche als erwartbar. Wichtig sei nun, dass die übrigen Nato-Verbündeten bisher von den USA gestellte Fähigkeiten ersetzten – auch um Trump zu beweisen, dass man selbst aktiv werden kann. Wichtig sei aber, dass die Amerikaner ihre Fähigkeiten erst abzögen, wenn die anderen Verbündeten sie ersetzen könnten, betonte Pistorius: Gefährliche Sicherheitslücken seien weder im Interesse der Europäer noch der Amerikaner. Verwandte Themen NATODonald TrumpBerlinEuropaUSAFriedrich MerzDie Europäer bieten Trump an, eine internationale Marinemission zur Sicherung der Straße von Hormus zu organisieren. Frankreich und Großbritannien sind bereit, eine Führungsrolle zu übernehmen. Auch Deutschland beabsichtigt, sich zu beteiligen. Ein deutsches Minenjagdboot und ein Versorgungsschiff sind auf dem Weg nach Dschibuti. Allerdings: Die Marine bräuchte für einen Einsatz in der Straße von Hormus sowohl ein völkerrechtliches als auch ein Bundestagsmandat. Und vor allem: Der Iran müsste der Mission zustimmen, wofür es bisher keine Anzeichen gibt.In der Nato hatte es zwischenzeitlich Überlegungen gegeben, den Einsatz in die Strukturen der Allianz zu integrieren. Doch dafür bleibt nun keine Zeit mehr. In der Nato müssen alle Entscheidungen im Konsens getroffen werden, und dass sich die 32 Mitgliedstaaten der Allianz noch vor dem Gipfel in Ankara Anfang Juli auf ein gemeinsames Vorgehen einigen, gilt in Berlin und anderen europäischen Hauptstädten als nahezu ausgeschlossen. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. 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