Frauen in einem Kellerloch: Diese Dystopie wurde von der Gen Z wiederentdecktDie Belgierin Jacqueline Harpman schrieb 1995 einen feministischen Roman über gefangene Frauen. Nun erlebt er im Internet ein Revival und ist auf Deutsch übersetzt worden.Leander Berger28.06.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenDie Belgierin Jacqueline Harpman (1929-2012) war Autorin und Psychoanalytikerin. Ihr Werk ist soeben wiederentdeckt worden.Michiel HendryckxWenn Hypes Symptome ihrer jeweiligen Gegenwart sind, was sagt dann dieser Hype über unser Heute aus? Vierzig Frauen, gefangengehalten von Männern in einem Keller; ohne Tageslicht, ohne Privatsphäre und ohne Nähe – Körperkontakt ist streng verboten und wird mit Peitschenhieben bestraft. Das ist das Setting des Romans «Ich, die ich Männer nicht kannte» der 2012 verstorbenen belgischen Autorin und Psychoanalytikerin Jacqueline Harpman.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Situation der Frauen unter Tage ist nicht nur hoffnungslos, sondern auch absurd. Selbstmord ist verboten, und keine von ihnen weiss, warum sie eingesperrt ist, geschweige denn seit wann und durch wen. «Offenbar erfreuten wir uns bester Gesundheit, aber unser Essen sowie die Beleuchtung und ständige Beheizung des Kellers mussten jemanden viel Geld kosten, und wir hatten keine Ahnung, warum man diesen Aufwand betrieb.»2024 entdeckte das Internet diesen Roman, der nach seinem Erscheinen 1995 völlig in Vergessenheit geraten war. Das Buch wurde zum Booktok-Bestseller und firmierte als «The Handmaid’s Tale for GenZ». So wie Margaret Atwoods dystopisch-feministischer Roman während der ersten Trump-Präsidentschaft zum Internetphänomen avancierte, ist nun Harpman dran. Doch auch wenn ihr Roman seinen Hype wert ist – es ist weit mehr als nur ein feministisches Buch.Die junge Erzählerin ist die einzige der inhaftierten Frauen, die kein Leben vor und ausserhalb des Käfigs kannte – und die sich nun aus ihrem Körper, der Funktion der Sprache und dem Verhalten der anderen einen Reim darauf machen muss, was es bedeutet, Mensch zu sein. Das Wort «hommes» kann mit «Männer», aber auch mit «Menschen» übersetzt werden. «Ich, die ich Männer nicht kannte» ist ein Text über Männer und Frauen. Vor allem aber ist es ein beklemmender und faszinierender Text über das Menschsein.Jacqueline Harpman: Ich, die ich Männer nicht kannte. Ü.: Luca Homburg. Klett-Cotta 2026. 224 Seiten.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
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Internetphänomen und neuer Klassiker der feministischen Literatur: Jacqueline Harpmans Dystopie wurde von der Gen Z wiederentdeckt









