Identität und Migration: Wo ist Salomé?Mit «Oroppa» legt Safae el Khannoussi einen vielstimmigen, mitreissenden Roman über Identität und Migration vor.Pascal Moser28.06.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenDie Autorin Safae el Khannoussi erzählt mit einer solchen Sprachgewalt und Eleganz, dass man ihr auch einem verwickelten Abenteuer mit Vergnügen folgt.Merlijn DoomernikSalomé Abergel verschwindet und hinterlässt nichts als Fragen. Das Mysterium, mit dem dieser Roman einsetzt, mündet in weit mehr als eine Spurensuche: In ihrem Debütroman «Oroppa» entfaltet die 1994 geborene marokkanisch-niederländische Autorin Safae el Khannoussi ein vielstimmiges Geflecht von Geschichten. Migration und Identität, Liebe und Exil fügen sich zu einem kunstvoll komponierten, mitreissenden Text.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der vierteilige, komplexe Roman ist mit seinen zahlreichen Figuren und Anekdoten nicht unbedingt übersichtlich, aber genau das passt doch eigentlich zu seinem Hauptthema. Immerhin bewegt man sich auf der Suche nach Salomé von Amsterdam und Paris bis nach Nordafrika. Erzählt aber eine Autorin mit einer solchen Sprachgewalt und Eleganz, folgt man auch einem verwickelten Abenteuer mit Vergnügen.Dieses führt unvermittelt in Bars und Coffeeshops, Gerichtssäle und in die Betten der Hauptfiguren, vor allem aber ins Dickicht literarischer Anspielungen. Das muss man glücklicherweise nicht verstehen, um sich bestens unterhalten zu fühlen. Auch weil man die Menschen, die sich zu den Protagonisten, der Galeristin Hannah und Salomés Sohn Irad, gesellen, schon zu kennen meint: Studenten, Kiffer und Barbetreiber sind die zugänglichen Figuren dieses Buches. Mit einer offensichtlichen Ausnahme: Wer ist die verschwundene Salomé Abergel? Jüdisch-marokkanische Künstlerin und Mutter, vor allem aber Überlebende der Folter unter der Herrschaft von Hassan II. Im Nachwort schreibt die Autorin: «Viele der Geschichten in ‹Oroppa› sind mir so oder in Abwandlung einst selbst erzählt worden.» Aus diesen teils familiären, teils fremden Stimmen entsteht kein dokumentarischer Bericht, sondern ein kluger, bewegender Roman über die Schatten der Geschichte – ein grosses Debüt.Safae el Khannoussi: Oroppa. Ü: Stefanie Ochel. Hanser 2026. 352 S.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Wo ist Salomé? «Oroppa», der mitreissende Roman über Identität und Migration
Mit «Oroppa» legt Safae el Khannoussi einen vielstimmigen, mitreissenden Roman über Identität und Migration vor.







