Wenn man mit dem Flugzeug in Charlotte landet, mit dem Auto durch den Bundesstaat North Carolina fährt, ziemlich in dessen Mitte auf dem Parkplatz der Wake Forest University hält, wenn man also schon stundenlang auf Bildschirme und Billboards geschaut, das Radio rauf und runter gedreht hat, erst dann sieht und hört man zum ersten Mal, dass in diesem großen Land die größte aller Fußball-Weltmeisterschaften stattfindet.„Danke Winston-Salem“ – so steht es auf einem schwarz-rot-goldenen Banner, das der Deutsche Fußball-Bund (DFB) um das Soccer-Stadion der Universität angebracht hat. Und so sagt es in diesem Stadion am Montag vor dem Eröffnungsspiel Bernd Neuendorf, der DFB-Präsident, an dem Ort, an dem die deutsche Nationalmannschaft von nun an trainieren und wohnen wird.Fragen stellen kann man ihm auch an diesem Abend keine. Nicht zum Internationalen Fußballverband FIFA und dessen Anbiederung an die Politik, nicht zur Rolle, die der DFB darin spielen kann und spielen will. Man kann Neuendorf nur zuhören, wie er sagt, dass der DFB stolz sei, dazu beizutragen, den Staat North Carolina, der keine WM-Stadt hat, auf die WM-Karte zu setzen.Fußball und Autos: Der Deutsche Fußball-Bund hat vor dem Medienzentrum auf dem Gelände der Wake Forest University ein Fahrzeug des Sponsors geparkt.dpaAn diesem Montag wird die Nationalmannschaft das erste Mal seit 2014 wieder ein K.-o.-Spiel bei einer WM bestreiten. Man möchte Neuendorf nun fragen: War es nicht North Carolina, das dazu beigetragen hat, dass Deutschland dieses Mal nach der Vorrunde auf der WM-Karte geblieben ist? Wenn man den Nationalspielern glaubt, haben sie in Winston-Salem ihren Happy Place gefunden. Einen Ort, an dem bitte auch alles möglichst happy wirken soll.Von North Carolina nach KalifornienHier gibt es jedenfalls nicht Aktivistinnen wie Hae-Lin Choi, die in New York mit ihrer Initiative „Hands Off Our Copa“ Tag für Tag darüber aufklärt, welche Rechte Menschen haben, denen ICE-Beamte die Rechte nehmen, manchmal sogar mehr. Hier gibt es stattdessen Bobby Muuss, den Coach der College-Fußballmannschaft, der sagt, sein Sohn könne die Startaufstellung der Deutschen auswendig aufsagen. Wenn man also wissen will, was das nun für eine WM ist, muss man wieder raus aus Winston-Salem. Und nach Kalifornien.