Deutschland ächzt unter der Hitzewelle. Am Samstag erwartet das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe eine „extreme Wärmebelastung“ – vor allem „im dicht bebauten Stadtgebiet von Berlin“. Für Sonntag prognostizieren die Meteorologen in der Lausitz Höchsttemperaturen bis zu 42 Grad. Am Freitag gab es im Saarland bereits den bisher heißesten Tag aller Zeiten mit 41,3 Grad. Lesen Sie hier die Entwicklungen zur Hitzewelle in Deutschland im Newsblog. Newsblog vom Samstag (27. Juni 2026) 08:39 Uhr: Schweizer Gletscher-Forscher rechnet mit „sehr starkem Eisverlust“ Die Hitzewelle in Europa setzt auch den Gletschern zu: In den Alpen sei in diesem Jahr mit einem „sehr starken Eisverlust“ zu rechnen, sagte der Schweizer Gletscher-Forscher Matthias Huss der Nachrichtenagentur AFP. Voraussichtlich schon am 29. Juni seien die winterlichen Schneereserven der Gletscher in diesem Jahr aufgebraucht – danach verlieren sie beim Schmelzen an Masse. Der sogenannte Gletscherschwundtag war bisher nur ein einziges Mal, im Jahr 2022, schon so früh im Jahr eingetreten.Huss, der den Schweizer Gletschermessdienst Glamos leitet, führt dies auf die aktuelle Hitzewelle, die Hitzewelle im Mai, aber auch auf den erneut schneearmen Winter zurück. „Wir beobachten enorme Abtragungs- und Schmelzraten von Eis und Schnee im gesamten Alpenraum“, sagte Huss. Die Schmelze setze etwa drei Monate früher ein, als für die Gletscher „gesund“ wäre.„Ich komme gerade vom Rhone-Gletscher zurück“, berichtete Huss. Seit dem letzten Besuch vor zehn Tagen „haben wir auf der Gletscherzunge eine Schmelze von etwa einem Meter in der Vertikalen festgestellt, also einen Meter Eisverlust in nur zehn Tagen“. Das sei „sehr beeindruckend zu sehen und ausschließlich die Folge der Hitzewelle“.Eine einzige Hitzewelle sei für die Gletscher normalerweise noch kein großes Problem, hob Huss hervor. „Das Problem ist eher, wenn wir sehr hohe Temperaturen haben, die sehr lange anhalten“, erklärte der Experte. „Es ist also eine Kombination aus Intensität und Dauer. Je mehr Tage mit sehr hohen Temperaturen es gibt, egal ob 35 oder 40 Grad, desto schlechter ist das für die Gletscher.“Zum „äußerst schlechten Zustand der Gletscher“ habe in diesem Jahr eine „Kombination unglücklicher Umstände“ beigetragen, neben geringen Schneefällen im Winter etwa auch Saharastaub im März. Huss sieht dabei eine „erstaunliche“ Ähnlichkeit zum „Extremjahr“ 2022, dem „mit großem Abstand extremsten Jahr“ in den Alpen mit bisher unübertroffenen Schmelzraten.In diesem Jahr habe auf den Gletschern ein Viertel weniger Schnee gelegen als in den Jahren 2010 bis 2020, erklärte Huss. Zudem sei schon der Mai sehr warm gewesen, sodass die Schneedecke früher abgetaut sei und die schneller abschmelzende, dunkle Gletscheroberfläche freigelegt habe. 08:30 Uhr: Hausärzte werfen Bundesregierung Versagen beim Hitzeschutz vor Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband hat der Bundesregierung Versagen beim Hitzeschutz vorgeworfen. „Die Bundesregierung lässt die Praxen beim Hitzeschutz im Stich“, sagte die Verbandsvorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Samstag. „Den jahrelangen Ankündigungen, man werde das Thema Hitzeschutz endlich priorisieren, sind keine Taten gefolgt.“ Bis heute ist de facto nichts passiert.Nicola Buhlinger-Göpfarth, Vorsitzende des Verbands der Hausärztinnen- und Hausärzte„Die Politik muss endlich ihrer Verantwortung gerecht werden und beim Hitzeschutz handeln, statt sich darauf zu beschränken, immer wenn es heiß wird, eine Absichtserklärung nach der anderen zu veröffentlichen“, betonte Buhlinger-Göpfarth. Sie erinnerte daran, dass die damalige Bundesregierung bereits vor drei Jahren ein umfassendes Maßnahmenpaket zum Hitzeschutz angekündigt habe. Dazu habe auch gehört, die medizinische Aufklärung während Hitzewellen in Hausarztpraxen zu vergüten.„Bis heute ist de facto nichts passiert“, kritisierte die Verbandsvorsitzende. Sobald der Sommer vorbei gewesen sei, sei das Thema wieder von der politischen Agenda verschwunden. Angesichts der aktuellen Hitzewelle sieht der Verband insbesondere ältere Menschen und chronisch Kranke in Gefahr.Eine strukturierte Beratung in Hausarztpraxen und Pflegeheimen sei deshalb unverzichtbar. Dabei gehe es nicht nur um allgemeine Hinweise, ausreichend zu trinken oder die Mittagshitze zu meiden. Oft müssten Medikamente überprüft oder angepasst und Patientinnen und Patienten darüber informiert werden, wie hitzeempfindliche Arzneimittel wie Insulin richtig gelagert werden. 08:15 Uhr: Umweltbundesamt fordert Hitzeaktionspläne für Städte Die Städte in Deutschland können laut Umweltbundesamt (UBA) einiges tun gegen Hitze. „Hitzeschutz in Städten muss zur Daueraufgabe werden. Wir brauchen Hitzeaktionspläne, die Zuständigkeiten und den Schutz besonders gefährdeter Gruppen regeln“, sagte UBA-Präsident Dirk Messner der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Mit mehr Stadtbäumen, zusätzlicher Verschattung und der Entsiegelung von Flächen können wir die Temperaturen in den Städten aktiv senken und die Bildung von Hitzeinseln reduzieren.“ Eine Hamburgerin füllt an einer Erfrischungsstation ihre Mütze mit Wasser und kippt sich diese wegen großer Hitze über den Kopf. © dpa/Markus Tischler Vieles lasse sich sofort umsetzen, betonte Messner. „Kommunen können Trinkwasser bereitstellen, kühle Orte aktiv ausweisen und Bibliotheken oder Kultureinrichtungen als Rückzugsorte öffnen.“ Besonders wirksam seien Maßnahmen, die helfen, Regenwasser zurückzuhalten und es langsam wieder abzugeben, also zum Beispiel Dach- und Fassadenbegrünung, entsiegelte Flächen, künstliche Gewässer und Zisternen. 08:11 Uhr: Kommunen rufen Bürger wegen Hitze zum Wassersparen auf Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) hat die Bürger wegen der Hitze dringend zum Wassersparen aufgerufen und notfalls Verbote ins Spiel gebracht. „Bei dieser Hitze appelliere ich dringend an den gesunden Menschenverstand, in den kommenden Tagen bitte ganz besonders sparsam mit dem kostbaren Wasser umzugehen“, sagte Hauptgeschäftsführer André Berghegger der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.Zunächst solle so lange wie möglich auf Freiwilligkeit gesetzt werden, sagte Berghegger. „Wenn das nicht funktioniert, müssen die Behörden vor Ort auch Verbote aussprechen.“ Nach seiner Wahrnehmung seien „die Leute aber vernünftig“, sodass „kein Wasser zur Bewässerung von Golf- oder Tennisplätzen verschwendet wird“.Berghegger beklagte zugleich fehlende Mittel für ausreichenden Hitzeschutz in den Kommunen. „Die Zahl der Hitzetage ist stetig gewachsen. Daher haben wir immer mehr Trockenperioden und Dürren. Darauf müssen wir uns einstellen“, sagte der DStGB-Hauptgeschäftsführer. 07:59 Uhr: Mediziner warnt vor Kopfsprüngen beim Baden Ein Sprung kopfüber ins flache Wasser kann schwerwiegende Verletzungen zur Folge haben, warnen Experten. „Die Halswirbelsäule ist besonders fragil“, sagt Jan Schwab, Direktor der Klinik für Rückenmarkverletzte und Paraplegiologie am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin (UKB), der dpa. „Das führt direkt zu einer Lähmung“, sagte Schwab, dann seien Beine und Arme betroffen. „Wenn man den Boden nicht sieht, auf keinen Fall springen.“ Eine Frau springt mit einem Kopfsprung von einer Buhne in den Markkleeberger See. © dpa/Jan Woitas Schwab sieht davon am UKB jährlich mindestens zehn Fälle. Oft handele es sich um „übermütige junge Männer“, die aus Lebensfreude kopfüber ins flache Wasser springen und im Anschluss querschnittsgelähmt seien. Auch Alkohol spiele oft eine Rolle. „Man möchte die Lebensfreude nicht einschränken“, sagte Schwab. „Aber es ist eine vermeidbare Verletzung.“ Ein bis anderthalb Meter tiefes Wasser sei zu flach für einen Sprung kopfüber, sagte Schwab, der auch eine Professur für Klinische und Experimentelle Paraplegiologie an der Charité hat. Auch zwei bis zweieinhalb Meter können zu flach sein, je nach Sprunghöhe. Er empfiehlt, auch nicht in Hockstellung ins Wasser zu springen, weil dann Beckenfrakturen möglich seien. Newsblog vom Freitag (26. Juni 2026) 20:59 Uhr: AKW Beznau in der Schweiz heruntergefahren In der Schweiz ist mit 38,8 Grad ein neuer Hitzerekord für den Monat Juni verzeichnet worden. „Die Hitze geht unvermindert weiter“, erklärte der Wetterdienst Meteoschweiz im Onlinedienst X. Demnach war es an der Wetterstation Basel/Binningen sogar „mit 38,8 Grad so heiß wie noch nie seit Messbeginn im Jahr 1897“. Erst am Donnerstag hatte die Schweiz den bisherigen Juni-Rekord von 36,9 Grad aus dem Jahr 1947 gebrochen. Wegen der starken Hitze wurden am Freitagnachmittag die beiden Reaktoren des Schweizer Atomkraftwerkes Beznau in der Nähe der deutschen Grenze heruntergefahren. Damit solle ein weiterer Temperaturanstieg der Aare, mit deren Wasser die Reaktoren gekühlt werden, verhindert werden, teilte der Energiekonzern Axpo mit. Sowohl am Donnerstag als auch am Freitag habe die Wassertemperatur 25 Grad betragen. „Eine ausreichende Abkühlung ist nicht in Sicht.“ Sobald sich die Aare abkühle oder eine ausreichende Abkühlung in Sicht sei, könne die Wiederinbetriebnahme der Reaktoren geplant werden. 18:02 Uhr: 41,3 Grad in Saarbrücken-Burbach gemessen Mit 41,3 Grad ist am Freitag die bislang höchste Temperatur in Deutschland überhaupt registriert worden. Der Rekordwert wurde gegen 17 Uhr an einer Wetterstation in Saarbrücken gemessen, wie eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) der Nachrichtenagentur AFP sagte.Bisher lag die Höchstmarke bei 41,2 Grad – gemessen 2019 in den nordrhein-westfälischen Gemeinden Tönisvorst und Duisburg-Baerl.Erst kurz zuvor am Freitag hatte der DWD mit 40,9 Grad einen neuen Juni-Hitzerekord gemeldet. Dieser war ebenfalls in Saarbrücken gemessen worden. An zahlreichen weiteren Wetterstationen wurden am Freitag Temperaturen über 40 Grad gemessen. 16:09 Uhr: Deutscher Wetterdienst erwartet Rekordtemperaturen Der DWD-Meteorologe Oliver Reuter sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Es ist durchaus wahrscheinlich, dass man diese Hitzewelle am Ende als historisch bezeichnen kann.“ Er ergänzte: „Nicht nur, weil der bisherige deutsche Juni-Rekord vermutlich deutlich überboten wird, sondern auch, weil es in dieser Fläche und an drei aufeinanderfolgenden Tagen noch keine Spitzenwerte von über 40 oder gar 41 Grad in Deutschland gab.“Es ist durchaus wahrscheinlich, dass man diese Hitzewelle am Ende als historisch bezeichnen kann.Oliver Reuter, Deutscher WetterdienstEine DWD-Sprecherin ergänzte auf Anfrage des Tagesspiegels: „Wenn am Freitag oder Samstag die 40-Grad-Marke geknackt wird, dann wäre das ein neuer Juni-Rekord. Steigt die Temperatur über 41 Grad, könnte es sogar einen neuen Allzeitrekord geben.“ Später konkretisierte der Deutsche Wetterdienst, dass ein neuer Höchstwert wahrscheinlich am Freitag erwartet wird: „Der Juni-Rekord wird mit großer Sicherheit fallen.“ 15:45 Uhr: „Heat Dome“ sorgt für Rekordtemperaturen Meteorologen zufolge ist ein Hitzedom für die gefühlten Backofentemperaturen verantwortlich. Dabei handelt es sich um ein Wetterphänomen, bei dem die Hitze wie unter einer riesigen Kuppel oft über mehrere Tage gefangen ist und nicht entweichen kann. Die Hitzewelle hält mindestens bis Sonntag an.Deutscher WetterdienstExperten vom Deutschen Wetterdienst bestätigten dem Tagesspiegel auf Anfrage, dass sich dieser sogenannte „Heat Dome“ aktuell von Westeuropa kommend in Richtung Mitteleuropa und Deutschland bewegen soll. „Der Hitzehöhepunkt ist auf dem Weg zu uns und erreicht uns voraussichtlich Freitag oder Samstag“, sagte eine DWD-Sprecherin.Demnach soll die Hitzewelle in Deutschland „mindestens bis Sonntag anhalten“, da aus Süden kommend weiterhin „heiße bis sehr heiße“ Luft nach Deutschland strömt. Doch die Heißwetterphase hat nicht nur Sonnenschein im Gepäck: Die DWD-Gefahrenkarte zeigt am Sonntag für ganz Deutschland „Gefahr für schwere Gewitter“ – auch am Samstag sieht die Behörde einzelne Hitzegewitter kommen, besonders in der Westhälfte. © Wetteronline, DWD I Tagesspiegel/Rita Boettcher 12:05 Uhr: Zahlreiche Veranstaltungen wegen Hitzewelle abgesagt In ganz Deutschland reagieren Veranstalter, Vereine und Kommunen auf die enorm hohen Temperaturen. Zahlreiche Open-Air-Events wurden abgesagt – etwa der für Sonntag geplante Halbmarathon in Hamburg, für den 24.000 Läuferinnen und Läufer angemeldet waren. „Es ist vermutlich die schwerste Entscheidung, die wir in der Geschichte dieser Veranstaltung treffen mussten“, hieß es auf der Homepage. Der Württembergische Fußballverband sagte derweil sämtliche Fußballspiele für das kommende Wochenende ab. Der Berliner Fußballverband strich unter anderem alle Begegnungen im Kinderfußball, außerdem alle Spiele, die keine Relevanz für Auf- oder Abstiege haben. Auch Schulen reagieren vielerorts und verkürzen den Unterricht oder geben komplett hitzefrei.Der Deutsche Tierschutzbund forderte aufgrund der Hitze einen befristeten Stopp von Tiertransporten, da diese für die Tiere „schnell zur Qual“ werden könnten und „mit erheblichen Tierschutzrisiken verbunden“ sind.In manchen Regionen gelten aufgrund von Wasserknappheit und Waldbrandgefahr Bewässerungs- und Grillverbote. So wurde wegen Trockenheit in Dresden ein Wasserentnahmeverbot verhängt, nach dem Eigentümer und Anlieger bis Oktober kein Wasser aus den „oberirdischen Gewässern“ der Stadt entnehmen dürfen. 11:23 Uhr: Hitzewelle wäre laut Forschern ohne Klimawandel 3,5 Grad kühler Die aktuelle Hitzewelle in West- und Mitteleuropa wäre in diesem Ausmaß ohne den Effekt des Klimawandels Forschern zufolge nahezu ausgeschlossen. Sowohl die aktuellen Tageshöchsttemperaturen als auch die Nachttemperaturen wären zu dieser Jahreszeit vor 50 Jahren „praktisch unmöglich“, betonen die Wissenschaftler der Organisation World Weather Attribution – und auch zu anderen Jahreszeiten unwahrscheinlich.Eine Hitzewelle im damaligen Klima wäre rund 3,5 Grad weniger heiß gewesen, heißt es. Der Klimawandel sei der maßgebliche Treiber hinter den rekordverdächtigen aktuellen Temperaturen. (mit Agenturen)
„Sehr starker Eisverlust“: Forscher sieht Schneereserven an Alpen-Gletschern in wenigen Tagen aufgebraucht
Nach dem bisher heißesten Tag aller Zeiten mit 41,3 Grad im Saarland warnt der Deutsche Wetterdienst: Es gibt weiter eine „extreme Wärmebelastung“. Alle Entwicklungen im Newsblog.
















