Sie ist ein besonders niedrigschwelliges Angebot, die Nacht im Trockenen zu verbringen: Seit Ende 2018 finden Obdachlose in der B-Ebene der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor einen Schlafplatz mit einer Matte und einer Decke. Jetzt will die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) den Mietvertrag mit dem Frankfurter Verein für soziale Heimstätten, der die Notübernachtung betreut, kündigen. Als Grund nennt das Verkehrsunternehmen eine „brandschutztechnische Stellungnahme“.Dass die Kündigung noch nicht verschickt ist, begründet die VGF mit der anhaltenden Hitzewelle. Denn das ursprünglich für eiskalte Winternächte gedachte Angebot gilt inzwischen auch für den Rest des Jahres. Täglich suchten dort Menschen vor den hohen Temperaturen Schutz, teilte Sozial- und Gesundheitsdezernentin Elke Voitl (Die Grünen) mit. Sie könnten dort nicht nur schlafen und bekämen ein Frühstück, sondern Helfer verteilten auch Wasser, Kappen und Sonnencreme für den Tag.VGF: B-Ebenen nicht geeignetVoitl sagt, sie habe bis zuletzt versucht, die drohende Kündigung abzuwenden. „Wir können doch nicht 150 obdachlose Menschen schutzlos der größten Hitzewelle des Jahres ausliefern.“ Jetzt versuche man, kurzfristig andere Unterbringungsmöglichkeiten zu organisieren. „Leider hat die VGF der Stadt keinerlei Flächen angeboten, wo wir die Menschen unterbringen können“, so die Sozialdezernentin. Dabei gebe es genügend Leerstand in deren Besitz, etwa Ladengeschäfte in der B-Ebene der Hauptwache.Das Verkehrsunternehmen weist das Ansinnen zurück. „Es gibt keinen Leerstand, der annähernd als Übernachtungsfläche genutzt werden könnte“, sagt eine Sprecherin. Die Läden sollten vermietet werden, und wenn das noch nicht geschehen sei, habe das auch mit den Brandschutzanlagen zu tun. Verteilerebenen der U-Bahn-Stationen, in denen es zum Teil keine öffentlichen Toiletten gebe, könnten kein Angebot für Obdachlose sein.Keine Ausnahmegenehmigung mehrDie VGF erklärt die beabsichtigte Kündigung der B-Ebene am Eschenheimer Tor damit, dass die baulichen Veränderungen für die Notübernachtung 2018 von der Technischen Aufsichtsbehörde und dem Regierungspräsidium Darmstadt nur wegen der akuten Winter-Notlage für die Obdachlosen genehmigt worden seien. Doch nach der jahrelangen Nutzung könne man gegenüber den Zulassungsbehörden nicht mehr eine unvorhersehbare Notlage als Begründung nennen.Für die neue brandschutztechnische Stellungnahme seien rechnerisch die Folgen eines Brandes simuliert worden, heißt es in der Mitteilung der Verkehrsgesellschaft. Dabei habe sich gezeigt, dass selbst bei einem kleinen Brand Gefahr für Leib und Leben der Obdachlosen bestehe. Schließlich seien die Betreffenden oft krank und könnten nicht so schnell fliehen. „Die festgestellten Risiken sind für die VGF mit Blick auf ihr Verantwortungsbewusstsein nicht hinnehmbar.“Nicht nur bei Voitl klingt dennoch Kritik an der VGF durch. Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert (Die Grünen) zeigt sich enttäuscht über das Vorgehen. „Offenkundig wurde viel Energie in diese Brandschutzuntersuchung gestellt und deutlich weniger Energie darauf verwendet, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.“ Ein Verkehrsunternehmen könne die gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Übernachtungsmöglichkeiten für obdachlose Personen zur Verfügung zu stellen, nicht einfach auf die Stadt abwälzen. Die VGF rühme sich, gesellschaftliche Verantwortung sei ein Leitmotiv für ihr tägliches Handeln. Damit sei das Vorgehen aus seiner Sicht nicht vereinbar.Die harschen Worte sind bemerkenswert, weil Siefert Aufsichtsratsvorsitzender der VGF ist. Die Zuständigkeit für Verkehr soll er nach der Sommerpause an Yannik Schwander (CDU) abgeben, wenn dieser zum Stadtrat gewählt worden ist. Über die Notübernachtung gab es zeitweise auch politischen Streit, weil sich Gewerbetreibende, Anwohner und Passanten über die hygienischen Zustände und Schmutz beschwerten. Siefert warnt jedoch vor den Folgen der Schließung: Die Obdachlosen würden dann wieder unkontrolliert in B-Ebenen und an Bahnsteigen übernachten. Das konterkariere die gemeinsamen Anstrengungen für mehr Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung im Nahverkehr. Dagegen sagte der mobilitätspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Römer, Frank Nagel, man müsse die Entscheidung der VGF ernst nehmen. „Eine dauerhafte Unterbringung in einer U-Bahn-Station konnte ohnehin keine Lösung für die Zukunft sein.“
Notübernachtung Eschenheimer Tor in Frankfurt wird aufgegeben
Der Brandschutz lässt nach Angaben der Verkehrsgesellschaft Frankfurt das Übernachtungsangebot für Obdachlose nicht mehr zu. Kritik kommt vom eigenen Aufsichtsratsvorsitzenden.










