PfadnavigationHomeRegionalesHamburgJüdische Ziele im Visier„Unfassbar, was hier passiert“ – Prozess gegen mutmaßlichen Iran-Spion begonnenStand: 12:32 UhrLesedauer: 3 MinutenAm Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg steht der 54-jährige Angeklagte vor GerichtQuelle: Christian Charisius/dpaEin Däne mit afghanischen Wurzeln soll im Auftrag der Al-Kuds-Brigaden jüdische Ziele in Deutschland ausgekundschaftet haben – im Visier standen laut Anklage auch Josef Schuster und Volker Beck. Nun beginnt in Hamburg ein heikler Spionageprozess.Die Anklage legt ihm zur Last, im Auftrag des Irans in Deutschland Juden und Freunde Israels für Mord- und Brandanschläge ausgespäht zu haben. Dafür muss sich ein 54 Jahre alter Däne mit afghanischen Wurzeln seit Freitag vor dem Staatsschutzsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts verantworten. Der Generalbundesanwalt wirft ihm geheimdienstliche Agententätigkeit vor.Mitangeklagt ist ein mutmaßlicher Komplize, der dem mutmaßlichen Spion seine Unterstützung für eine mögliche Anschlagsvorbereitung zugesagt haben soll. Beide Angeklagten wollten sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern. Unter den vom Hauptangeklagten ausgespähten Personen befanden sich laut Anklage auch der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sowie der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck.Lesen Sie auchBeck, der von 1994 bis 2017 für die Grünen im Bundestag saß, nahm als Zuschauer an der Verhandlung teil. Er hat beantragt, als Nebenkläger zugelassen zu werden. Eine Entscheidung des Gerichts darüber stand zunächst noch aus.Nach der Verlesung der Anklage wurde ein Bericht des Bundesamts für Verfassungsschutz in die Verhandlung eingeführt, das den 54 Jahre alten Hauptangeklagten bei einem Besuch in Berlin im vergangenen Sommer observiert hatte. Demzufolge hat er offenkundig die Geschäftsstelle der Deutsch-Israelischen Gesellschaft sowie einen koscheren Lebensmittelhandel ausgekundschaftet. Auch am Sitz des Deutschen Ethikrats, dem Josef Schuster angehört, wurde der Angeklagte beobachtet. An allen Orten soll er mit seinem Handy Fotos von den Gebäuden und deren Umgebung gemacht haben.Den Auftrag sollen ihm nach früheren Informationen Anfang 2025 die sogenannten Al-Kuds-Brigaden erteilt haben – die Auslandseinheit der einflussreichen Revolutionsgarden. Zu den Aufgaben der iranischen Elitestreitmacht gehören verdeckte Geheimdienstoperationen im Ausland. Lesen Sie auchDänische Polizeibeamte hatten den 54-Jährigen vor genau einem Jahr in der zweitgrößten dänischen Stadt Aarhus festgenommen. Wenige Wochen später wurde er nach Deutschland überstellt und in Karlsruhe einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt. Seitdem sitzt er in deutscher Untersuchungshaft. Der mutmaßliche Komplize, ein Afghane, war im vergangenen November ebenfalls in Dänemark festgenommen und nach Deutschland überstellt worden.Der erste Hinweis auf den mutmaßlichen Spion kam laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) von einem befreundeten ausländischen Nachrichtendienst. Man habe mit mehreren ausländischen Diensten in der Sache kooperiert, sagte Dobrindt nach der Festnahme im vergangenen Jahr. Eine mit dem Thema vertraute Quelle bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad beteiligt war.Iran spricht von „Kampagne“, die vom Krieg ablenken solleDer Festgenommene stehe im Verdacht, Vorbereitungen für Brandanschläge getroffen zu haben, sagte Dobrindt damals weiter. Unter anderem soll er versucht haben, Menschen anzuheuern, die diese Anschläge ausführen. Das Auswärtige Amt bestellte nach der Festnahme den iranischen Botschafter ein.Der Iran hatte die Vorwürfe damals entschieden zurückgewiesen. Die iranische Botschaft in Berlin sprach von „unbegründeten und gefährlichen Behauptungen“, wie die regierungsnahe Nachrichtenagentur Isna berichtete. Die Vorwürfe seien Teil einer Kampagne, um von Israels Krieg gegen den Iran abzulenken.Lesen Sie auchIsrael hatte am 13. Juni 2025 den Iran angegriffen und landesweit Ziele bombardiert. Als Begründung führte die Regierung die Bedrohung durch Irans umstrittenes Atomprogramm an – Israel befürchtet, die Islamische Republik könnte eine Atombombe bauen. Der Iran bestreitet dies und reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen. Später bombardierten die USA iranische Atomanlagen. Im Februar brach der Krieg erneut aus, inzwischen gilt eine Waffenruhe.Für den Prozess wurden zunächst bis Mitte Oktober 18 weitere Termine angesetzt.dpa/juve