PfadnavigationHomeGeschichteCuster am Little Bighorn„Es gibt nicht genug Indianer auf der Welt, um die 7th U.S. Cavalry zu besiegen“Stand: 11:43 UhrLesedauer: 7 Minuten„Custer's Last Stand“ am Little Bighorn am 25. Juni 1876Quelle: Design Pics/Universal Images Group via Getty Images/Design Pics EditorialUm die Sioux aus den Black Hills zu vertreiben, zog General George Custer im Juni 1876 zum Little Bighorn. Überheblichkeit und Inkompetenz sorgten dafür, dass die US-Truppen in die Falle liefen, die Häuptling Crazy Horse gestellt hatte.Rain-in-the-Face, Häuptling der Hunkpapa, erinnerte sich: „Sitting Bull hielt uns, nachdem er am Abhang eines Hügels Große Medizin gemacht hatte, eine Rede und erzählte, dass ihm der Große Geist auf einem Adler reitend erschienen sei und ihm verheißen habe, die Soldaten würden kommen, aber von den Indianern vom Gesicht der Erde weggewischt. Seine Rede machte unsre Herzen froh.“ Mit derart gestärkter Moral bestiegen am 25. Juni 1876 die Krieger der Sioux, Arapaho und Cheyenne ihre Pferde, um der 7th U.S. Cavalry unter George Custer entgegenzutreten. Sitting Bull sollte recht behalten. Die weißen Soldaten wurden allesamt vom Gesicht der Erde getilgt.Das mag erklären, warum der größte Sieg, der den indigenen Völkern Nordamerikas über die Weißen gelang, bis heute für Debatten sorgt. Das hat die Schlacht am Fluss Little Bighorn in Montana mit den Treffen an den Thermopylen oder im Teutoburger Wald gemein, in denen es auf Verliererseite keine Überlebenden gab, was sich auf die Zeugnisse auswirkte. Für die einen gilt Custer immer noch als tragischer Held, der für Amerikas zivilisatorische Sendung starb, für andere als Inbegriff des militärischen Stümpers oder skrupellosen Karrieristen, der mit einem publikumswirksamen Sieg die Basis für eine politische Karriere legen wollte.Amtlich ist, dass der Sohn eines Schmieds aus Michigan auf der Militärakademie von West Point nicht durch übermäßigen Intellekt auffiel. Als Letzter seines Jahrgangs wurde Custer 1861 examiniert. Dass er dennoch seine Mitschüler schnell überholte, verdankte der 21-Jährige dem soeben ausgebrochenen Bürgerkrieg. In der Kavallerie der Union, die in den ersten Kriegsjahren gegen die erfahrenen Reiter der Südstaaten einen schweren Stand hatte, zeichnete er sich durch Mut und Standfestigkeit aus. Und durch Pragmatismus. Als einmal einige Stabsoffiziere über die Tiefe eines Flusses rätselten, trieb er kurzerhand sein Pferd ins Wasser, um die Frage zu beantworten. Custer diente sich schnell vom Leutnant der regulären Armee zum Brigadegeneral der Freiwilligen hoch und lernte als Divisionskommandeur der US-Armee unter General Philip Sheridan auch dessen Strategie der verbrannten Erde kennen. Im April 1865 war Custer maßgeblich am Sieg über den konföderierten Oberbefehlshaber Robert E. Lee beteiligt, indem er vor Appomattox dessen Nachschub abfing. Das trug ihm die Beförderung zum jüngsten Generalmajor der US-Armee ein. Nach Ende des Krieges behielt Custer zwar seinen Generalstitel, wurde in der demobilisierten US-Armee aber wieder herabgestuft. Als Oberstleutnant zog er in die Indianerkriege. Was er von den indigenen Völkern hielt, zeigte er 1868, als er mit seiner Truppe ein Dorf der Cheyenne bei Washita in Oklahoma überfiel. Dabei wurden nicht nur zahlreiche Krieger, sondern auch Dutzende Frauen und Kinder getötet. Custers Befehl, etwa 700 Pferde und Maultiere zu töten, beraubte die Indigenen zudem ihrer Lebensgrundlage. Lesen Sie auchDen Philip Sheridan zugeschriebenen Ausspruch „Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer“ hätte auch Custer ohne zu zögern unterschrieben. Seinem Vorgesetzten aus dem Bürgerkrieg verdankte er es auch, dass seine Karriere nicht wegen einiger Dienstvergehen größeren Schaden nahm.In den Great Plains, den großen Prärien östlich der Rocky Mountains, hatten sich im 19. Jahrhundert große Veränderungen vollzogen. Ihre alten Bewohner wie die Pawnee, Mana Hidatsa oder Omaha sahen sich zunehmend von Völkern der Sioux bedrängt, die vor den Weißen nach Westen ausgewichen waren und dort eine Jägerkultur pflegten. Deren Grundlage waren die riesigen Bison-Herden. Die aber wurden von weißen Jägern und Händlern zunehmend dezimiert. Allein 1848 wurden 110.000 Tiere wegen ihrer Häute und ihres Fleisches getötet. Der Verlust ihrer Lebensgrundlagen provozierte indigenen Widerstand. Zwar hatte die US-Regierung 1868 den Sioux, Cheyenne und Arapaho weite Regionen westlich des Missouri als Reservate zugestanden. Aber dort waren die Lebensbedingungen karg. Schlechte Böden, fehlende Bisons (mit deren Fellen wichtige Waren gekauft wurden), korrupte Beamte, Übergriffe weißer Milizen und nicht zuletzt die Erinnerung an vergangene Freiheiten verschärften die Lage. Für deren Überlaufen sorgte eine Expedition in die Black Hills, die 1874 ausgerechnet von Custers 7th Cavalry begleitet wurde. Im Herzland der Sioux, dessen Hügel den Indigenen heilig waren, fand man Gold. Umgehend strömten Massen von Goldsuchern ins Land, die sich nicht daran störten, dass sein Besitz den Indianern vertraglich zugesichert war. Das Angebot der Regierung, das Gebiet für sechs Millionen Dollar zu kaufen, wurde abgelehnt. Stattdessen gelang es dem charismatischen Hunkpapa-Lakota-Häuptling Sitting Bull, eine große Koalition verschiedener Völker zusammenzubringen. Um die Regierungslinie durchzusetzen, fielen im Frühjahr 1876 US-Truppen von drei Seiten ins Indianergebiet ein. Eigentlich sollte Custer den Oberbefehl übernehmen. Der hatte sich aber wegen lautstarker Kritik an der Indianerpolitik der Regierung in Washington Ärger von US-Präsident Ulysses S. Grant eingehandelt. Der Entzug seines Kommandos traf Custer umso härter, stand ihm doch wegen gescheiterter ziviler Unternehmungen finanziell das Wasser bis zum Hals. Schließlich gab Grant dem Drängen Sheridans und dem Druck der öffentlichen Meinung, für die Custer nach wie vor ein strahlender Kriegsheld war, nach und ließ ihn an der Expedition teilnehmen. Den Oberbefehl aber erhielt General Alfred Terry. Custer führte mit seinem Regiment die Vorhut. Überzeugt davon, es nur mit inkompetenten Wilden mit Tomahawk und Bogen zu tun zu haben, setzte er alles daran, sich mit einer schneidigen Aktion für höhere Aufgaben zu empfehlen. Warnungen seiner Indianer-Scouts, die auf die Größenordnung des Gegners verwiesen, quittierte Custer mit dem berühmten Ausspruch: „Es gibt nicht genug Indianer auf der Welt, um die 7th Cavalry zu besiegen.“ Terrys Angebot, einige Gatling-Geschütze (embryonale Maschinengewehre auf unhandlichen Protzen) mitzunehmen, wies er ebenso von sich wie die Mahnung seines Vorgesetzten: „Seien Sie nicht zu gierig, warten Sie auf uns.“Lesen Sie auchIn seiner Überheblichkeit ging Custer sogar so weit, seine 600 Mann starke Truppe zu teilen. Mit rund 210 Soldaten zielte er auf das Indianerdorf am Little Bighorn, während Major Marcus Reno und Hauptmann Frederick Benteen mit ihren Leuten den Gegnern in die Flanke fallen sollten. Die Soldaten ritten in die Falle, die Sitting Bull gestellt hatte: „Ich beauftragte meine jungen Krieger, innerhalb und außerhalb der verlassenen Tipis Feuer anzuzünden, vor den Eingängen der vorderen Tipis Stöcke aufzustellen, die wie Männer angezogen waren, und in den vorderen Straßen des Dorfes Stangen anzubringen, an die Stücke von Decken angebunden waren ... die den Eindruck eines dicht bevölkerten Dorfes erweckten. Dann zog ich mich mit meinen Kriegern hinter die vorderste Hügelreihe zurück und wartete, bis die Soldaten das Feuer auf unser Lager eröffneten ... dann fiel ich mit meinen Kriegern über sie her. Meine Männer vernichteten sie in kürzester Zeit bis zum letzten Mann“, berichtete der Häuptling später. „Yellow Hair (George Custer; d. Red.) war ein Narr und ritt in seinen Tod.“Das lag auch an der Bewaffnung. Während viele der etwa 1500 indigenen Krieger Repetiergewehre führten, die sie zuvor erbeutet hatten, kämpften die US-Truppen mit einschüssigen Hinterladern. Ein Hügel wurde zu „Custer’s Last Stand“, wo er mit dem Rest seiner Truppe niedergemacht wurde; viele Tote wurden skalpiert und verstümmelt, ein Schicksal, das Rain-in-the-Face Custer erspart haben soll. Als einziger Überlebender ging das Pferd Comanche in die Folklore ein. Reno und Benteen mussten schwere Verluste hinnehmen, wurden aber von Verstärkungen gerettet. Insgesamt verlor die 7th Cavalry 268 Mann, die Zahl der gefallenen Indianer wird mit 40 angegeben. Die Rache für die Niederlage, die fast mit der Hundertjahrfeier der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli zusammenfiel, sollte fürchterlich werden. Im Mai 1877 musste Sitting Bull in Fort Robinson in Nebraska kapitulieren.Schon in seiner Geschichts-Promotion beschäftigte sich Berthold Seewald mit Brückenschlägen zwischen antiker Welt und Neuzeit. Als WELT-Redakteur gehörte die Frontier Amerikas zu seinem Arbeitsgebiet.
Custer am Little Bighorn: „Es gibt nicht genug Indianer auf der Welt, um die 7th U.S. Cavalry zu besiegen“ - WELT
Um die Sioux aus den Black Hills zu vertreiben, zog General George Custer im Juni 1876 zum Little Bighorn. Überheblichkeit und Inkompetenz sorgten dafür, dass die US-Truppen in die Falle liefen, die Häuptling Crazy Horse gestellt hatte.








