Open AI läuft die Zeit davon. Die KI-Firma muss um ihren Börsengang zitternOpen AI hofft am Markt auf einen ähnlich grossen Zuspruch wie SpaceX zu stossen. Doch das Umfeld für Börsenneulinge aus dem Technologiesektor ist rauer geworden.26.06.2026, 11.34 Uhr4 LeseminutenDer Chef von Open AI, Sam Altman, steht vor schwierigen Entscheidungen.ImagoEs hätte nach dem Börsengang von SpaceX eine weitere Monsterkotierung dieses Jahr werden sollen. Open AI, der Betreiber von Chat-GPT, hoffte, von der Euphorie rund um das Thema künstliche Intelligenz zu profitieren und strebte dem Vernehmen nach eine Marktkapitalisierung von 1 Billion Dollar an. Doch die jüngsten kräftigen Kursverluste im Technologiesektor drohen das Vorhaben zu verzögern.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wie die «New York Times» am Donnerstag mit Verweis auf vertraute Kreise berichtete, ist der erwartete Börsengang von Open AI in der zweiten Jahreshälfte unwahrscheinlich geworden. Berater hätten der Firma und ihrem umtriebigen Chef Sam Altman nahegelegt, mit dem Schritt bis 2027 zuzuwarten oder die Ziele für die angestrebte Marktkapitalisierung nach unten zu schrauben.Grossaktionär Softbank verliert deutlich an WertDie Spekulationen liessen den Aktienkurs eines der Hauptaktionäre von Open AI, der japanischen Beteiligungsgesellschaft Softbank, am Freitag um 12,5 Prozent in die Tiefe sausen. Softbank hält rund 13 Prozent an der KI-Firma. Der fieberhaft erwartete Börsengang von Open AI liess den Aktienkurs des Investmentunternehmens aus Tokio in den vergangenen zwölf Monaten um über 150 Prozent steigen. Softbank überrundete damit den weltgrössten Autohersteller Toyota als wertvollstes japanisches Unternehmen.Nach dem Vorbild von SpaceX hat sich auch Open AI das Ziel gesetzt, Zehntausende von Kleinanlegern als Aktionäre zu gewinnen. Die Firma von Elon Musk, die vor allem im Raketenbau sowie in der Satellitenkommunikation tätig ist, hat nach einem fulminanten Börsenstart vor zwei Wochen aber viele Investoren enttäuscht. Der Aktienkurs schloss am Donnerstag auf 153 Dollar und damit fast ein Viertel unter dem bisherigen Höchst von 201.80 Dollar. Die Börsenkapitalisierung hat sich auf knapp 2 Billionen Dollar zurückgebildet.Noch immer ein StartupDer Kurssturz bei SpaceX wirft Fragen dazu auf, wie viel Vertrauen Investoren einer weiteren hochtrabenden Story aus dem Technologiesektor zu schenken bereit sind. Zwar arbeitet auch SpaceX noch längst nicht profitabel, doch existiert das Unternehmen immerhin seit 24 Jahren. Sein Chef und Mehrheitsaktionär Elon Musk verfügt dank dem ebenfalls von ihm aufgebauten Elektroautohersteller Tesla über eine grosse Schar von Anhängern, die auch gegenüber kühnen Geschäftsideen wie der Einrichtung von Rechenzentren im Weltraum und dem Abbau von Metallen und seltenen Erden auf Kleinplaneten aufgeschlossen zu sein scheinen.Open AI wurde Ende 2015 zwar ebenfalls von Musk mitgegründet. Doch gilt das Unternehmen bis heute als Startup-Firma ohne gefestigte Strategie. Kritiker kreiden Open AI an, mit Chat-GPT die Anwendung von KI zwar massentauglich gemacht zu haben. Doch stagniere die Anzahl der Nutzer seit längerem bei 900 Millionen. Damit wurden all jene Branchenexperten enttäuscht, die dem Unternehmen zugetraut hatten, rasch auf über eine Milliarde Nutzer zu kommen.Im Wettbewerb mit Anthropic und GoogleDie Firma bewegt sich in einem harten Wettbewerbsumfeld. Vor allem der Konkurrent Anthropic hat sich zu einem starken Widersacher entwickelt. Mit seiner Plattform Claude Code spricht er besonders Geschäftskunden an, die KI zum Programmieren benutzen.Auch Anthropic wurden bis anhin Pläne für einen baldigen Börsengang nachgesagt. Marktbeobachter räumen dem Unternehmen wegen seines explosiven Wachstums bessere Chancen als Open AI ein. Auch wird erwartet, dass Anthropic bald erste Gewinne ausweisen wird.Starke Konkurrenz im Geschäft mit KI-Anwendungen erwächst Open AI zudem durch Google. Der Technologieriese rollt seine Plattform Gemini immer weiter aus. Open AI versucht derweil hastig, neue Wachstumsfelder zu erschliessen. Für die Anwendung Codex, mit der Geschäftskunden ebenfalls programmieren können, werden zusätzliche Verkaufsleute angeheuert. Über 5 Millionen Nutzer würden inzwischen pro Woche auf Codex zugreifen, gab das Unternehmen jüngst in einem Blog bekannt. Zudem hat es nach eigenen Angaben inzwischen 2 Millionen Geschäftskunden unter Vertrag.Im vergangenen Jahr soll Open AI ungefähr 13 Milliarden Dollar an Umsatz erwirtschaftet haben. Für 2026 habe sich das Unternehmen, so berichtet die «New York Times», eine Verdreifachung zum Ziel gesetzt.Das starke Wachstum verschlingt viel Geld, nicht nur weil Open AI mit grosszügigen Lohnpaketen Spezialisten von Konkurrenten wie Google oder Meta abwerben muss. Die Firma sieht sich auch gezwungen, riesige Summen in den Bau von Datenzentren zu investieren. Nur so lässt sich die nötige Rechenkapazität für die KI-Anwendungen bereitstellen.SpaceX hat viel Kapital abgeschöpftVor diesem Hintergrund kann es sich Open AI schlecht leisten, mit dem Börsengang allzu lange zuzuwarten. Für das Unternehmen kommt erschwerend hinzu, dass weitere Technologiefirmen einen grossen Kapitalbedarf haben. Ausser Anthropic verfolgt in den USA auch der koreanische Halbleiterhersteller SK Hynix ehrgeizige Börsenpläne. Er will sich im Rahmen einer Zweitkotierung 29 Milliarden Dollar beschaffen.Ob sich genügend Investoren finden lassen, um all dies zu finanzieren, ist offen. SpaceX hat bereits viel Kapital abgeschöpft. Dem Unternehmen flossen beim Börsengang 85 Milliarden Dollar zu.Passend zum Artikel