Nicht mehr VW-Kerngeschäft: Gießerei im Everllence-Werk in Augsburg Foto: Jan HosanAuch wenn über die Verhandlungen nur wenig nach außen drang und keine Details über die Pläne der Investoren und die weiteren Ideen von Volkswagen bekannt geworden sind, darf man vermuten, dass der VW-Aufsichtsrat mit der Entscheidung ein paar Klippen umschifft hat.Mit einem Zuschlag für das konkurrierende Investorenkonsortium um die schwedische Investmentgesellschaft EQT hätte sich Volkswagen bösen Ärger einhandeln können. Denn zu dem Konsortium gehörten neben den Staatsfonds aus Katar und Singapur auch die Porsche SE. Das ist die Holding der Familien Porsche und Piëch, über die sie eine Mehrheit am VW-Konzern halten. Da sind Interessenkonflikte und Rechtsstreitigkeiten nicht weit, auch wenn man – wie in diesem Fall – Vorkehrungen traf, um so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten.Autoindustrie Audi stellt seine Absatzziele infrage – mit möglichen Folgen für die deutschen Standorte von Roman TyborskiBain Capital ist ein solider Investor. Er hat zugesagt, die deutschen Arbeitsplätze mindestens bis 2030 zu erhalten. Nimmt der Deal die noch verbleibenden Hürden und wird er Ende des Jahres oder 2027 final unterschrieben, dann fließen dem VW-Konzern 7,4 Milliarden Euro zu. Also ja, das klingt alles gut.Es geht um die FigurNoch wichtiger als der Erlös allein ist für den gigantisch großen VW-Konzern die Tatsache, dass der Verkauf der Beginn einer großen Verschlankung sein könnte.Der Konzern stellt gerade sein komplettes Firmenportfolio auf den Prüfstand. Laut Insidern wird der Vorstand in den kommenden Monaten alle seine mehr als 1500 Tochtergesellschaften und Firmenbeteiligungen hinsichtlich ihres Nutzens für den Konzern durchleuchten. Man wolle „die Komplexität des Volkswagen-Konzerns reduzieren“, heißt es in Konzernkreisen. Das Ziel: „Wir wollen die Beteiligungsstruktur klar und fokussiert aufsetzen.“ Hintergrund sei der hohe administrative Aufwand, der mit der Verwaltung der Gesellschaften einhergehe.Es ist eine Maßnahme, die Volkswagen im besten Falle schneller, wendiger, letztlich erfolgreicher macht. Denn die hohen Kräfte, die dem Konzern unbestreitbar innewohnen, werden in den heutigen Strukturen oft nicht oder zu langsam freigesetzt. Ist Everllence in dieser Hinsicht der Auftakt, dann ist alles gut. Spart der Konzern konsequent weiter und trennt sich rigoros von nicht mehr benötigtem Geschäft, dann können die Verkaufserlöse ein Turbo für die erfolgreiche Transformation sein: VW lebt – schlanker und glücklicher.Autobranche auf Rüstungsmesse Der Mercedes-Stern glänzt jetzt auch in olivgrün von Tobias GürtlerEs kann aber auch ganz anders kommen: VW streicht die Erlöse ein, stopft damit Löcher, sichert die bestehenden Strukturen ab und bremst die Transformation. Dann stirbt VW – nur eben etwas langsamer.Und noch eine Gefahr wohnt Verkäufen nach dem Everllence-Muster inne: dass die Konzernspitze Ballast und Zukunftsgeschäft verwechselt. Natürlich kann VW sein Batteriegeschäft einstellen, keine Ladelösungen und Stromtarife anbieten, keine autonomen Mobilitätsdienste entwickeln, keine eigenen Betriebssysteme programmieren. Das spart Milliarden, bringt Erlöse. Und könnte den Konzern wichtiger zukünftiger Standbeine berauben.VW verkauft die teilweise Trennung von Everllence als Konzentration auf das „Kerngeschäft“. Was aber ist das? Autos zu entwickeln und zu bauen? Das reicht nicht, denn das können viele. Tesla etwa sieht das Autobauen schon nicht mehr wirklich als Kerngeschäft. Sondern Robotaxis und Roboter. Und dann gibt es auch noch das hochlukrative Geschäft mit stationären Batteriespeichern und den Handel mit CO₂-Emissionsrechten.Was also kann VW besser als alle anderen? Genau das wäre dann das Kerngeschäft. Dieses zu identifizieren, ist die eigentliche Herausforderung – nicht, ein paar Tochterunternehmen zu verkaufen.
VW verkauft Mehrheit von Everllence: Wird die Fastenkur VW retten oder ramponieren?
VW will die Mehrheit von Everllence an Bain Capital verkaufen. Das ist der Beginn einer radikalen Fastenkur in Wolfsburg. Sie kann VW retten oder ramponieren.










