Sie hat unbestritten ihre Verdienste: die Frankfurter Bürgermeisterin und Diversitätsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg. Seit inzwischen 25 Jahren ist sie Teil des Frankfurter Politikbetriebs. Zunächst als Stadtverordnete der Grünen. Seit 2008 – mit fünf Jahren Unterbrechung – verantwortet die einst aus Iran geflohene Frau das Amt für multikulturelle Angelegenheiten, das Daniel Cohn-Bendit 1989 als erste Institution dieser Art in Deutschland ins Leben gerufen hatte. Und seit Anbeginn ist sie leidenschaftliche Sprecherin für die migrantische Community in Frankfurt, die angesichts der Tatsache, dass inzwischen knapp 58 Prozent der Frankfurter einen Migrationshintergrund haben, nicht eben klein ist.Sie würde vermutlich sagen, sie habe als Frau und Migrantin selbst bei einer Partei wie den Frankfurter Grünen lernen müssen, sich stets durchzusetzen. Und deshalb ist das Kämpfen fast zu einer ihrer Grundhaltungen geworden. Was in der Sache sicherlich häufig berechtigt ist, hat Eskandari jetzt zu einer tragischen Figur werden lassen. Vor allem hat sie sich selbst um die Inszenierung eines würdigen Abgangs gebracht. So bleibt nach ihrem Auftritt bei der Mitgliederversammlung der Frankfurter Grünen das Bild einer verbissenen, selbstreferenziellen Politikerin, die nicht merkt, dass ihre Partei andere Schwerpunkte setzen will, um bei der nächsten Wahl in fünf Jahren ein besseres Ergebnis zu erzielen.Dass am Ende der Versammlung ihr Ehemann, ebenfalls langjähriges Mitglied der Grünen, der in all den Jahren einen schweigenden Part vorgezogen hatte, sich plötzlich zu Wort meldete, um seine Partei zu beschimpfen: Das war dann selbst für die stets diskussionsfreudigen Grünen zu viel. Zumal er ihnen, nachdem er seine Redezeit überzogen hatte, Antisemitismus vorwarf. Zuvor hatte er, ohne jeglichen Bezug, gesagt, dass er Jude sei, um kurz darauf der Versammlung vorzuwerfen: „Was seid ihr für eine antisemitische Gruppe?“ Die Parteivorsitzende Tara Moradi, eine Frau mit Migrationshintergrund, nannte den Auftritt beschämend, und sie hatte recht damit. Das Ehepaar hat sich diskreditiert.Politikerin zu sein, ist herausfordernd. Und gerade Eskandari-Grünberg hat unermüdlich Einsatz gezeigt. Zu akzeptieren, dass ihre Partei nach reiflicher Überlegung und Stunden der Beratung mehrheitlich die Entscheidung getroffen hat, sie abzuwählen, war sie am Mittwochabend nicht in der Lage. Dabei ist auch das Demokratie, und für die hatte sie doch eigentlich mit ihrem Dezernat immer werben wollen. Schade.