Der IWF stärkt dem Bundesrat im Streit um die UBS den RückenDie UBS hofft, dass ihr das Parlament entgegenkommt bei den neuen Eigenkapitalregeln. Ihr Gegenspieler, der Bundesrat, erhält nun aber Unterstützung von der wichtigsten multilateralen Finanzorganisation.25.06.2026, 16.57 Uhr3 LeseminutenDie Argumente von UBS-Chef Sergio P. Ermotti stossen beim Internationalen Währungsfonds auf Widerrede.Romina Amato / REUTERSDas Lobbying der UBS für eine schonende Bankenregulierung war in den vergangenen Monaten durchaus erfolgreich. Mancher Parlamentarier in Bern, der sich einst als Verfechter von schärferen Eigenkapitalregeln präsentiert hatte, sieht die Dinge mittlerweile etwas anders. Doch die Einflussnahme der Grossbank hat ihre Grenzen. Keine Wirkung scheint sie bisher beim Internationalen Währungsfonds (IWF) zu entfalten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Klare ParteinahmeSo stellt sich der IWF klar hinter die Vorschläge des Bundesrates zur Stärkung des «Too big to fail»-Regelwerkes. Den Anlass dazu bot das diesjährige Länderexamen, bei dem ein Team des IWF zwei Wochen lang in der Schweiz die wirtschaftliche und finanzielle Lage des Landes untersuchte – mit dem Ziel, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen. Am Donnerstag sind in Bern die Ergebnisse präsentiert worden.Dass der IWF die Widerstandsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft lobte, überraschte kaum. Unerwartet deutlich fiel hingegen die Parteinahme in der Causa UBS aus. James Walsh, der Chef der IWF-Mission, sagte, man unterstütze nachdrücklich den bundesrätlichen Vorschlag, der derzeit im Parlament behandelt werde. «Diese Massnahmen werden die Schweizer Wirtschaft resilienter und stabiler machen», sagte er.Der Experte aus Washington rief in Erinnerung, dass alle Länder mit global systemrelevanten Banken höhere Kapitalanforderungen für solche Institute vorsähen. «Entscheidend ist, sicherzustellen, dass bei Problemen einer solchen Bank die Kapitalausstattung ausreicht, um die Verluste aufzufangen.» Im Falle der UBS seien die von der Regierung vorgelegten Massnahmen ein sehr wichtiger Schritt in diese Richtung.Hartes Eigenkapital nötigEin besonders umstrittenes Thema: In welchem Mass muss die UBS in Zukunft ihre Auslandstöchter, die heute teilweise mit Fremdkapital finanziert sind, mit Eigenkapital unterlegen? Der Bundesrat fordert, dass diese Beteiligungen künftig zu 100 Prozent mit hartem Eigenkapital (CET-1) zu unterlegen sind. Die UBS kritisiert dies als eine extreme Forderung, die nicht im Einklang mit internationalen Standards stehe.Auch bei diesem Thema stellt sich der IWF hinter den Bundesrat. Er schreibt: «Der Vorschlag, global systemrelevante Banken in der Schweiz dazu zu verpflichten, ihre ausländischen Töchter vollständig mit hartem Kernkapital zu unterlegen, ist zielgerichtet und begrüssenswert.» Zudem entspreche dies auch den Empfehlungen des Financial Sector Assessment Program (FSAP), einem seit 1999 von Weltbank und IWF bestehenden Programm zur Analyse des Finanzsektors eines Landes.Der IWF-Ökonom James Walsh betonte im Gespräch mit Schweizer Medienvertretern: «Hartes CET-1-Kapital ist die hochwertigste Form von Kapital. Sie ist der beste Weg, um Vertrauen in den Markt zu stärken und die Schweizer Steuerzahler am wirksamsten vor potenziellen fiskalischen Verlusten zu schützen.» Das ist fast deckungsgleich mit dem Argument des Bundesrats, der Schweizer Steuerzahler dürfe nicht länger für die Expansion einer Grossbank auf ausländische Märkte haften.Für den Bundesrat sind die jüngsten Signale aus Washington zweifellos willkommen. Einen entscheidenden Einfluss auf die politische Debatte um schärfere Eigenkapitalvorschriften werden sie aber kaum entfalten. Im Parlament dürften die wenigsten beeindruckt sein von der Einschätzung der wichtigsten multilateralen Finanzorganisation zur – relativ zur Wirtschaftskraft des Heimatlandes – grössten global systemrelevanten Bank.Vieles deutet darauf hin, dass die UBS um eine harte Kapitalisierung, wie sie der Bundesrat und IWF fordern, herumkommen wird. Im Parlament werden derzeit zahlreiche Kompromissvarianten debattiert. Dabei geht es nicht nur um die Höhe der Kapitalunterlegung, sondern auch um die Anrechnung von Software und Steuergutschriften zum Kernkapital sowie den möglichen Einbezug von AT-1-Anleihen als Kapitalpuffer. Der jüngst starke Kursanstieg der UBS-Aktie lässt erahnen, dass am Finanzmarkt mit deutlich milderen Regeln gerechnet wird.Passend zum Artikel