Bundesbern ringt um Kompromiss beim UBS-Eigenkapital: Krisenanleihen rücken wieder ins ZentrumDer Bundesrat und die UBS können sich in der Frage zur Kapitalausstattung der Bank nicht einigen. Aus dem Parlament kommt nun ein weiterer Kompromissvorschlag. Die UBS kann auf mildere Anforderungen hoffen.09.06.2026, 16.56 Uhr3 LeseminutenUBS-Chef Sergio Ermotti kann weiter hoffen, dass das Parlament die Forderungen des Bundesrats abschwächt.Gian Ehrenzeller / KeystoneWie sicher und kompetitiv die UBS in ein paar Jahren sein wird, entscheidet derzeit das Parlament. Nach der Vernehmlassung und den Vorschlägen des Bundesrats debattiert derzeit der Ständerat die Revision des Bankengesetzes. Ziel der Revision ist, Grossbanken wie die UBS sicherer zu machen, einen Kollaps im Stile der CS zu verhindern und den Steuerzahler vor Folgekosten zu schützen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Anfang Mai hätte sich zunächst die Wirtschaftskommission des Ständerats (WAK-S) zur Kapitalfrage bei systemrelevanten Banken äussern sollen. Diese vertagte die Diskussion über die «Lex UBS» aber auf August. Die Debatte dreht sich vor allem um die Frage, mit wie viel Eigenkapital die UBS künftig ihre Auslandsgesellschaften unterlegen muss. Der Bundesrat fordert den vollständigen Abzug der Auslandgesellschaften vom Kapital des Stammhaus. Für die Bank hätte das einen grossen Kapitalaufbau zur Folge.Die UBS wehrt sich deshalb vehement gegen die Vorgabe des Bundes. UBS-Chef Sergio Ermotti nennt die Auflage «extrem». Sie schränke die Wettbewerbsfähigkeit der Bank ein und sei international nicht abgestimmt. In der Kapitalfrage fand zwischen Bund und UBS bisher keine Annäherung statt. Im Dezember legte dann eine bürgerliche Parlamentariergruppe einen ersten Kompromissvorschlag vor.Etliche Kompromiss-Varianten stehen im RaumDieser wurde von Bundesrat wie von der UBS lauwarm aufgenommen. Nun soll offenbar ein weiterer Kompromiss auf den Tisch kommen. Gemäss einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters arbeiten Parlamentarier an einem Vorschlag, der die UBS verpflichten soll, ihre Auslandsgesellschaften mit 70 bis 80 Prozent Eigenkapital (CET1) statt mit 100 Prozent im Stammhaus der Bank zu unterlegen.Die Aktien der UBS gewannen an der Börse daraufhin knapp 2 Prozent und notieren so hoch wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. «Der mögliche Vorschlag ist nicht wirklich neu», sagt Andreas Venditti, Analyst bei der Bank Vontobel. Aber jeder Kompromiss sei zu begrüssen, deshalb habe die Börse positiv reagiert.Die WAK-S hat sich vergangenen Monat mit etlichen Kompromiss-Varianten auseinandergesetzt sowie Bankenvertreter und Finanzexperten angehört. Der Ständerat gilt als bankenfreundlicher als der Nationalrat und dürfte bestrebt sein, einen Kompromiss zu erarbeiten, mit dem Bund wie auch die UBS leben können.Der Bundesrat glaubt, im Rahmen der Eigenmittelverordnung (ERV) einen ersten Schritt auf die UBS zugegangen zu sein. In der ERV fordert er zwar erwartungsgemäss weiterhin die vollständige Kapitalunterlegung der Auslandtöchter. Bei der Anrechnung von Software und Steuergutschriften zum Kernkapital gewährt der Bund der Grossbank aber gewisse Erleichterungen.Diese stehen jedoch unter dem Vorbehalt, dass das Parlament die Kapitalauflagen nicht aufweicht. «Geschieht das, könnte es dort wieder zu Verschärfungen kommen», sagt Venditti. Der Bundesrat könnte also auf eine tiefere Kapitalquote im Rahmen eines parlamentarischen Kompromissvorschlags zum Beispiel mit einer Verschärfung bei der Anrechnung von Steuergutschriften reagieren.Ständerat fordert Abklärungen zu AT1-AnleihenDie WAK-S hat sich im Rahmen von Hearings mit verschiedenen Kompromiss-Varianten befasst. Dem Vernehmen nach stand aber nicht nur die absolute Höhe der künftigen Kapitalquote zur Diskussion. Auch die geforderte Qualität des Kapitals sei ein wichtiges Thema gewesen.Gemäss einer mit der Diskussion vertrauten Person wurden insbesondere Möglichkeiten im Hinblick auf die Rolle von AT1-Anleihen besprochen. Konkret ging es darum, wie diese Instrumente besser ausgestaltet werden könnten, um als Kapitalpuffer im Krisenfall dienen zu können.Die Hearings hätten dabei «neue Aspekte hervorgebracht». Die Kommission habe daraufhin Abklärungen in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse dieser Abklärungen werden im August vorliegen. Entscheidungen seien bisher keine gefallen.«Gefangenes Kapital» ist das ProblemDie UBS gibt auf Anfrage keinen Kommentar ab zu einem möglichen Kompromissvorschlag. Eine Kapitalunterlegung von 70 bis 80 Prozent dürfte die UBS zwar um einiges günstiger kommen als eine vollständige. Dafür müsste die Grossbank gemäss eigener Schätzung zusätzliches Kernkapital in Höhe von 19 Milliarden Franken aufbauen.Der Aufbau allein ist für die UBS in einem mehrjährigen Zeitraum angesichts ihrer Finanzkraft kein Problem. Was die Bank stört, ist der Endzustand. Nach dem Kapitalaufbau sässe die UBS auf einer grossen Menge an «gefangenem» Kapital. Eine Unterlegung von 70 bis 80 Prozent würde letztlich dieses unproduktive Kapital reduzieren, sagt Venditti. «Insofern würde das Problem für die UBS kleiner. Auch der Aufbau des Kapitals wäre einfacher.»Das Renditeprofil der Grossbank würde trotzdem darunter leiden. Die UBS-Aktien wären für Anleger deshalb weniger attraktiv als heute. Insofern scheint es unwahrscheinlich, dass sich die UBS mit einem solchen Kompromiss zufriedengeben würde.Passend zum Artikel